Die Station Bayerischer Bahnhof des City-Tunnels 2013 in Leipzig
Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Von überfüllten S-Bahnen und Zukunftsmusik Der Leipziger Citytunnel feiert fünften Geburtstag

Seit fünf Jahren hat Leipzig nun seinen Citytunnel. Ein Projekt, das damals wie heute für Diskussionen sorgt. Zum Jubiläum haben Stadt und Betreiber Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt.

Die Station Bayerischer Bahnhof des City-Tunnels 2013 in Leipzig
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Genau fünf Jahre ist es her, dass die ersten S-Bahnen durch den Leipziger Untergrund fuhren. Damals wurde der Citytunnel nach zehnjähriger Bauzeit eingeweiht und tausende Menschen nutzen ihre Chance, auf einer der ersten Fahrten dabei zu sein. Einen Tag später nahm die S-Bahn Mitteldeutschland schließlich ihren regulären Betrieb auf. Nun feiert der Citytunnel sein fünftes Jubiläum. Doch haben sich die Erwartungen an das Megaprojekt erfüllt?

Immer mehr Fahrgäste nutzen die S-Bahn

Goldenes Lametta fliegt durch die S-Bahn-Station
Mit großem Trubel wurde der Citytunnel vor fünf Jahren eingeweiht Bildrechte: MDR/André Berthold

Beim Festakt am Leipziger Hauptbahnhof wurde der Citytunnel zunächst erst einmal als voller Erfolg gefeiert. Vertreter von Bahn und Politik zeigten sich zufrieden, mit den ersten Betriebsjahren. "Die Eröffnung des Citytunnels war der Schlüsselmoment für den Beginn einer neuen Zeitrechnung des öffentlichen Personennahverkehrs in der Region rings um Leipzig", sagt Kai Emanuel, Landrat des Landkreises Nordsachsen.

Tatsächlich ist es der S-Bahn Mitteldeutschland gelungen, die Fahrgastzahlen kontinuierlich zu steigern. Heute betreten durchschnittlich 90.000 Fahrgäste die grün-silbernen Züge täglich, um nach Halle, Wurzen oder Zwickau zu kommen. Rund 22.000 Passagiere fahren dabei Tag für Tag durch den Citytunnel. Darüber freut sich besonders Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung: "Die S-Bahn entlastet ganz entschieden unsere Verkehrsinfrastruktur und reduziert den Schadstoffausstoß. Die Tunnel zu bauen, war die richtige Entscheidung."

Kunden sind trotz überfüllter Züge meist zufrieden

Trotz der Feierlaune: es gibt auch Probleme. Größtes Ärgernis für viele Kunden sind die zu Stoßzeiten völlig überfüllten Bahnen. Besonders voll wird es im Berufsverkehr auf der Strecke von Leipzig nach Halle. Wer ein Fahrrad hat, muss seit einigen Monaten damit rechnen, nicht mehr mitgenommen zu werden. Im August dieses Jahres teilte die Deutsche Bahn mit, die kostenlose Fahrradmitnahme in vollen Zügen zu begrenzen. Wer Pech hat, bleibt am Bahnhof mit seinem Rad stehen.

Man sei sich dieses Problemes durchaus bewusst, erklärte Wolfgang Weinhold, Vorsitzender DB Regio Süd auf dem Festakt in Leipzig: "Deshalb haben wir mittlerweile nicht mehr drei, sondern vier Züge zwischen Halle und Leipzig pro Stunde im Einsatz und eine zusätzliche S5." Im morgendlichen Zugverkehr würde ein zusätzlicher Zug mit größeren Fahrradkapazitäten eingesetzt.

Kostenloses WLAN und Anbindung der ländlichen Städte

"Gleichzeitig ist das mitteldeutsche S-Bahn-Netz bundesweit auf dem zweiten Rang bei der Kundenzufriedenheit. Gleich hinter Dresden", sagt Weinhold weiter. So würden 19 von 20 Haltestellen pünktlich bedient und bis zum Frühjahr 2019 sollen alle S-Bahnen mit kostenlosem WLAN ausgestattet werden.

Bei einer Umfrage von MDR SACHSEN – Das Sachsenradio gaben die meisten Leipziger an, dass sie insgesamt mit dem Angebot der S-Bahn Mitteldeutschland zufrieden seien. Obwohl einige von ihnen am Anfang durchaus skeptisch gewesen seien.

Verbessert werden soll künftig auch die Erreichbarkeit von den umliegenden Regionen. Ziel sei ein Halbstundentakt zu den wichtigen Zentren im ländlichen Raum. "Delitzsch und Eilenburg haben wir bereits in diesem Takt eingebunden, Torgau ist das nächste große Ziel", sagt Landrat Emanuel. Dafür sind allerdings noch Gleisbauarbeiten im Leipziger Netz notwendig, sodass wohl frühestens im Jahr 2020 halbstündlich eine S-Bahn in Torgau halten wird.

Quelle: MDR/cg/bb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.12.2018 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 12:56 Uhr

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2 Kommentare

14.12.2018 22:05 GEWY38 2

Wie schnell man doch vergessen kann. Der Citytunnel war vorgesehen für ÖPNV, Fern - und Regioverkehr. Er sollte ca., 500 Mill. kosten. Durch die stümperhafte Vertragsgestaltung des Landes Sachsen mussten am Ende knapp 500 Mill. an Mehrkosten durch das Land Sachsen getragen werden. Die DB hat sich kaputt gelacht. Diese Steuermittel fehlten an anderer Stelle im Land. Letztendlich durften nicht wie vorgesehen, ICE, Diesel und IC Züge den Tunnel nutzen. Von dieser Seite her gesehen ein einziger Flop, und Leuchtturmpolitik vom Feinsten auf Kosten anderer. 500 Mill. € hätten locker gereicht um 2 Mill. Menschen in Ostsachsen und Süd-West Sachsen an den Fernverkehr der DB anzuschließen.

14.12.2018 16:06 Stuttgart 22 1

Das kommt einem so vor wie die Akzeptanz der Schnellfahrstrecke von Berlin nach München.

Auch da wurde nur geschimpft und alles niedergemacht
- nicht nur in den Medien-
und dann auf einmal ist nicht genug Kapazität vorhanden, um die Nachfrage zu decken.

Ähnlich war es doch auch mit der Elbphilharmonie in Hamburg.

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