Ein Mann hält ein Transparen "Stadt für alle statt für Profite". Daneben steht ein Junge
Bereits vor einem Jahr demonstrierte das Bündnis "Leipzig für alle" auf dem Augustusplatz. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Tausende erwartet Demo in Leipzig gegen "Mietenwahnsinn"

Mit einer groß angelegten Demonstration will das Bündnis "Mietwahnsinn stoppen!" am Sonnabend auf steigende Mieten in Leipzig aufmerksam machen. Auch in anderen deutschen Großstädten sind Demonstrationen angekündigt.

Ein Mann hält ein Transparen "Stadt für alle statt für Profite". Daneben steht ein Junge
Bereits vor einem Jahr demonstrierte das Bündnis "Leipzig für alle" auf dem Augustusplatz. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Am Mittag startete der Protest gegen "Mietenwahnsinn und Verdrängung" im Stadtteil Connewitz. Der Protestzug zieht zum Bayerischen Bahnhof, wo ab 14 Uhr eine zweite Demonstration geplant ist. Die Demonstranten wollen zum Markt ziehen, um mit Vertretern der Stadtratsfraktionen über die Mietpreispolitik zu diskutieren. Dazu aufgerufen hat das bundesweite Bündnis "Mietwahnsinn stoppen!". Erwartet werden mehr als 2.000 Teilnehmer.

Super-Wahljahr

In Hinblick auf die Kommunalwahlen im Mai und die Landtagswahlen im September, fordert das Bündnis die sächischen Politiker zum Handeln auf. "In großen Städten und Ballungsräumen spitzen sich Verdrängung, Wohnungsnot und Mietenwahnsinn immer weiter zu", so die Veranstalter. "Immobilien-Haie generieren Rekordprofite und Mieter werden in existenzielle Nöte getrieben. Die herrschende Politik bietet keine Lösungen, sondern ist Teil des Problems", heißt es im Aufruf zum Protest.

Mietanstieg um 33 Prozent

Wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Freitag mitteilte, ist Leipzig die am schnellsten wachsende Großstadt in Deutschland. Dies werde sich mindestens bis ins Jahr 2035 fortsetzen. Dadurch steigt der Bedarf an Wohnraum in der Messestadt täglich. Elisa Gerbsch vom Bündnis "Leipzig für alle" sagt: "Es gibt bereits viele Instrumente gegen Mietwucher in Leipzig. Wir fordern aber, diese gegenüber Eigentümern auch durchzusetzen." Innerhalb von sechs Jahren sei der durchschnittliche Mietpreis für eine 30-Quadratmeter-Wohnung in Leipzig um ein Drittel angestiegen. Bei den Nettolöhnen sei lediglich ein Anstieg von rund 20 Prozent zu verzeichnen.

Wir sind auf der Straße, weil wir für eine solidarische Stadt der Vielfalt kämpfen, in der Wohnraum Allgemeingut sein muss. Wir fordern einen radikalen Kurswechsel in der Wohnraum- und Mietenpolitik

Bündnis "Mietwahnsinn stoppen!"

Sozialen Wohnungsbau fördern

Erste Erfolge ihrer Arbeit sieht Gerbsch bereits: "Wir haben bereits vor einem Jahr demonstriert und seitdem das Gefühl, dass das Thema mehr in die öffentliche Wahrnehmung gerückt ist", sagt sie. In der Zwischenzeit habe es Gespräche mit dem Oberbürgermeister gegeben. Für die Stadtratswahl legte das Bündnis konkrete Vorstellungen vor. "Zum einen die Ausweitung der sozialen Wohnraumförderung, aber auch die vorrangige Förderung gemeinwohlorientierter Wohnungsbauträger", erklärt Gerbsch. "Wir fordern auch, eine neue Offensive im Bereich der Bodenpolitik, da es aktuell massive Spekulationen mit Bodenpreisen in Leipzig gibt."

Unterstützung vom Gewerkschaftsbund

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund unterstützt die Demonstration. Ob sich normale Leute ihre Wohnung noch leisten könnten, sei die neue soziale Frage unserer Zeit, sagte Regionalgeschäftsführer Erik Wolf. Bereits jetzt fehlten in Leipzig rund 46.000 bezahlbare Wohnungen.

Europaweite Proteste

Auch in Berlin, Köln, München und Stuttgart sind Demonstrationen angekündigt, sowie in anderen europäischen Ländern wie etwa in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Rumänien oder Ungarn.

Pappschild "Enteignung ist die halbe Miete" an einem Fahrrad befestigt.
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.04.2019 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

MDR SACHSENSACHSENSPIEGEL | 06.04.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 06. April 2019, 12:46 Uhr

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