26.06.2020 | 15:24 Uhr Trotz Negativ-Gutachten: OB Jung hält an Plänen für 365-Euro-Ticket in Leipzig fest

Oberbürgermeister Burkhard Jung hält am 365-Euro-Ticket der Leipziger Verkehrsbetriebe fest. Voraussetzung sei auch eine Netzerweiterung. Ein Gutachten im Auftrag der "Leipziger Gruppe" hatte die Pläne zuvor in Frage gestellt.

Eine Straßenbahn der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) in der Innenstadt der Messestadt.
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Laut einem Gutachten der Universität Kassel würde sich ein 365-Euro-Ticket für den Klimaschutz in Leipzig kaum positiv auswirken. Das ist das Fazit des vom Stadtkonzern "Leipziger Gruppe" in Auftrag gegebenen Gutachtens. Zudem würden dadurch für die Leipziger Verkehrsbetriebe rund 30 Millionen an Einnahmen verloren gehen. Die Fahrgastzahlen würden nach einer Einführung pro Jahr um gerade mal zwei bis sieben Millionen steigen, so die Prognose. 2019 beförderten die Leipziger Verkehrsbetriebe rund 152 Millionen Passagiere.

Gutachter rät von Einführung ab

Der Kasseler Universitätsprofessor Carsten Sommer rät daher von einer Einführung des Jahrestickets ab. Auch die positiven Erfahrungen mit dem 365-Euro-Ticket in Wien habe er bei seiner Beurteilung in Betracht gezogen. Die Voraussetzungen seien hier jedoch völlig andere als in Leipzig. Er empfiehlt stattdessen eine Verbesserung des Angebots, des Fuhrparks und der Infrastruktur, damit die Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.

OBM hält am Ticket fest

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung will trotzdem weiter an einer Einführung des 365-Euro-Tickets festhalten. Allerdings sieht auch er als Voraussetzung eine Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur: "Mit der Rahmenplanung zur Mobilitätsstrategie 2030 und der Netzerweiterung der LVB planen wir weitreichende Verbesserungen einschließlich Erweiterungen unserer Verkehrsinfrastruktur, die noch nicht umfänglich in das Gutachten eingeflossen sind, aber mit Empfehlungen aus dem Gutachten deckungsgleich sind", so der Oberbürgermeister.

Burkhard Jung (SPD)
Bildrechte: SPD Leipzig

Mein Ziel bleibt die Einführung eines 365-Euro-Tickets für Leipzig, auch wenn der Weg steinig ist und wir das Ziel möglicherweise auch erst stufenweise erreichen werden.

Burkhard Jung Oberbürgermeister Leipzig

Finanzierung noch offen

Um dies umzusetzen, bedürfe es allerdings der Unterstützung von Bund und Land, so Jung. "Nicht zuletzt deshalb hat sich Leipzig bereits sehr frühzeitig um zusätzliche finanzielle Mittel der Bundesregierung als ÖPNV-Modellregion zur Finanzierung des 365-Euro-Tickets beworben." Der Leipziger Stadtrat wolle sich in den kommenden Wochen mit dem Gutachten auseinandersetzen.

Einführungsmodell vorgelegt

Auch Grünen-Politiker Jürgen Kasek ist überrascht von dem Gutachten, das durch die "Leipziger Gruppe" in Auftrag gegeben wurde. Der Stadtrat habe bereits einen Beschluss gefasst, dass ein Einführungsmodell vorgelegt werden solle. Richtig sei allerdings, dass alleine ein Ticket noch nicht die Lösung für die Umweltprobleme der Stadt sei. "Es muss entsprechend flankiert werden, mit weiteren Maßnahmen, die darauf abzielen Autoverkehr zu reduzieren und damit Verkehr auf den ÖPNV umzulenken."

Jürgen Kasek spricht auf einer Gegenveranstaltung der Legida.
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Hinzu treten muss daher, dass das Angebot im ÖPNV ausgebaut wird, bei gleichzeitiger Einschränkung für den Autoverkehr. Erst dann kann das Ticket das Ergebnis erzielen, dass es erzielen soll.

Jürgen Kasek Bündnis90/DieGrünen

Starttermin ungewiss

Der Stadtrat von Leipzig beschloss im Mai 2019, die Möglichkeit der Einführung von 365-Euro-Tickets zu prüfen. In Leipzig sammelt der Verein Ökolöwe dafür Unterschriften. Der Antrag im Stadtrat, wonach die Verwaltung bis Ende März 2020 ein Konzept dafür vorlegen soll, war von SPD und Linken gekommen. Grüne und Piraten stimmten zu. Die Stadträte von CDU, der AfD und der FDP waren dagegen. Duch die Corona-Pandemie verzögert sich die Einführung jedoch auf unbestimmte Zeit.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.06.2020 | ab 05:30 Uhr in den Nachrichten

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