Verkehr in Leipzig
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18.10.2019 | 05:00 Uhr Leipzig ändert die Verkehrsführung: Welchen Sinn haben die Maßnahmen?

Die Stadt Leipzig muss sich um eine bessere Luftqualität bemühen. Ab Montag werden Autofahrer die Auswirkungen des Luftreinhalteplanes deutlich zu spüren bekommen. Denn dann gilt eine andere Verkehrsführung im Leipziger Süden - mit einspurigen Straßen und neuen Ampelschaltungen. MDR SACHSEN hat mit Thomas Schulze über die Pläne und Kritik gesprochen. Er ist Abteilungsleiter der Verkehrsbehörde in Leipzig.

Verkehr in Leipzig
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MDR SACHSEN: Herr Schulze, welche Änderungen kommen auf die Autofahrer in Leipzig zu?

Schulze: Der Luftreinhalteplan enthält einige Sofortmaßnahmen, also verkehrsregelnde Maßnahmen. Die ersten sind bereits umgesetzt. Die Lichtsignalanlage Eutritzscher Straße/Roscherstraße ist mit veränderter Technik seit dem 16. September in Betrieb, ebenso wie die transportable Ampel an der Berliner Straße/Roscherstraße.

Als nächstes kommt die Reduzierung auf eine Fahrspur in der Wundtstraße hinzu. Das beginnt kommende Woche Montag. Es sind aber noch weitere Maßnahmen vorgesehen: Eine Veränderung an der Lichtsignalanlage Karl-Tauchnitz-Straße/Martin-Luther-Ring. Das dauert aber noch einige Zeit, weil das auch mit einer Rekonstruktion der Lichtsignalanlage verbunden ist. Die letzte Maßnahme sind Änderungen in der Wundtstraße, insbesondere an der Ampel Mahlmannstraße. Das wird gegen Ende des ersten Quartals 2020 geschehen.

Alle Massnahmen im Überblick

Wann finden die Umbauarbeiten in der Wundtstraße genau statt? Sind dazu Sperrungen notwendig?

Ein Umbau ist es nicht. Es sind im wesentlichen Markierungsarbeiten. Damit beginnen wir am Montagvormittag. Es ist aber vorgesehen, die Arbeiten bis zum 25. Oktober abzuschließen. Sperrungen gibt es in diesem Zusammenhang keine. Die Fahrspur, die künftig gesperrt wird, steht also nicht mehr zur Verfügung.

Werden die Veränderungen dauerhaft sein oder könnten die konkreten Maßnahmen später auch angepasst werden?

Wie alle verkehrsregelnden Maßnahmen können auch diese wieder angepasst werden, etwa weil sich verkehrliche Bedingungen ändern. Es können auch Gründe sein, die mit der Verkehrssicherheit zu tun haben und natürlich müssen wir auch die Ergebnisse des Monitorings abwarten. Wenn sich zeigt, dass sich das gewünschte Ergebnis unserer Maßnahmen nicht einstellt, muss nachjustiert werden.

Viele Leipziger und vor allem Pendler werfen der Stadt vor, mit den geplanten Maßnahmen Staus zu provozieren. Wie entgegnen Sie dem?

Gerade die Erzeugung von Staus ist mit den Maßnahmen ausdrücklich nicht gewollt, sondern ganz bewusst eine andere Verkehrsverteilung im Netz. Das ist ein wesentlich geringerer Eingriff als das Aussprechen von Fahrverboten, was andere Städte ja machen mussten.

Diese neue Verkehrsverteilung, die wir erreichen wollen, ist bereits am Computer berechnet und als geeignet befunden worden, die rechtlichen Vorgaben künftig einzuhalten. Die Verkehrsteilnehmer werden ihr Verhalten an die neue Situation anpassen. Das dauert sicher eine gewisse Zeit, aber man darf nicht außer Acht lassen, dass der Luftreinhalteplan ja noch viele andere Maßnahmen enthält, in der der ÖPNV und der Radverkehr gestärkt werden sollen.

Es gibt keine "Park and Ride"-Parkplätze im Süden von Leipzig, auf die Pendler umsteigen können. Warum werden solche Flächen nicht geschaffen, bevor die Maßnahmen umgesetzt werden?

Das Verkehrs- und Tiefbauamt arbeitet schon länger daran, P+R-Plätze im Leipziger Süden zu realisieren. Hier ist tatsächlich ein Defizit vorhanden. Allerdings sollen die Autofahrer von der Wundtstraße besser auf den P+R-Platz am Völkerschlachtdenkmal geleitet werden.

Unabhängig davon verfolgen wir weiter das Ziel, auch einen direkt erreichbaren P+R-Platz aus Richtung Süden anzubieten. Zum Beispiel am S-Bahnhof Connewitz. Dafür gibt es aber noch keine konkreten Pläne.

Sind all diese Maßnahmen nur ein Anfang der Verkehrsentwicklung in der Stadt?

Die verkehrliche Entwicklung ist nicht statisch und wird niemals abgeschlossen sein. Insofern kann ich auf die Mobilitätsstrategie 2030 für Leipzig verweisen. Im Rahmen dieser hat sich der Stadtrat zu einem Nachhaltigkeits-Szenario bekannt. Dieses beinhaltet den Vorrang für nachhaltige Mobilität und eine Förderung des Umweltverbundes. Insofern ist die Entwicklung natürlich nicht abgeschlossen und wird in diese Richtung weitergehen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.10.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 05:00 Uhr

8 Kommentare

Klaus Egon vor 4 Wochen

Erschreckend wie die Behörde locker flockig einem durchschnittlich intelligenten Menschen die geballte Ladung Inkompetenz dargelegt wird.
Wer vom Süden kommt soll auf dem P&R am Völkerschlachtdenkmal geführt werden? Anders gesagt, bis man vom Süden zum Völki kommt soll man mehr Kilometer verblasen, als man in die Innenstadt hat?
Das ist Absurdistan pur!
Man verweist, welche Erkenntnisse ein Computer tralala erbracht hat, hat sogar kurzzeitig den Gedanken das P&R im Süden sinnvoll wären, aber: wahrscheinlich stand ist nicht auf dem Fünfjahresplan oder gab keine einer Denkauftrag - einen wesentlichen Schritt in die Richtung hat noch keiner unternommen.
Das erinnert mich doch sofort wieder an das Totalversagen bei den Brücken der B2. Wie der Luftreinhalteplan über Nacht gekommen ist, bröseln auch plötzlich die Brücken vor sich hin. Mehr Hirn als für Geschwindigkeitsbeschränkung und einseitige Sperrung ist da nicht vorhanden.
Haben wir Bürger tatsächlich so eine Verwaltung verdient?

der Vielfaltige vor 4 Wochen

Man muss die Klimavernichter in ihren dicken SUVS einfach gängeln, den Autofahrern mit Staus die Zeit rauben um ein klimafreundliches Umdenken zu erreichen. Alles Richtig gemacht Obi Jung..es geht aber noch viel mehr zum Beispiel Tempo 10 in der gesamten Stadt.

ElBuffo vor 4 Wochen

Wo um alles in der Welt war es denn die letzten 20 Jahre eine Hürde ein paar ordentliche P+R Parkplätze anzulegen? Und dann sollte natürlich auch die Nutzung des ÖPNV von dort aus nicht mehr kosten als ein Parkplatz in der City. Denn da bezahle ich einmal für das eine Auto. Wenn ich mit der Bahn reinfahre, soll ich wenn es geht für jede Person extra bezahlen. Und das einmal rein und einmal wieder raus. Eine Fahrt jeweils 2,70€. Macht bei vier Leuten 21,60€. Einfach mal über solch banale Dinge nachdenken. Und keine Ahnung, welcher Gelegenheitsbesucher dann am Automaten schnell die etwas günstigere 24h-Karte für 4 Personen findet. Wirklich günstig gegenüber den Parkgebühren sind 19€ aber auch nicht. Für das Geld kann ich in Leipzig teilweise mehrere Tage in einem Parkhaus mitten in der City parken.

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