31.10.2019 | 16:49 Uhr Kirow-Werk in Leipzig bekommt spektakuläres Kugel-Restaurant

Die Kirow-Werke im Leipziger Stadtteil Plagwitz bekommen ein architektonisches Highlight. Nach Plänen des brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer wird aktuell eine riesige Kugel angebaut, in die ein Restaurant ziehen soll. MDR SACHSEN hat die Bauarbeiten begleitet.

Die Fensterkonstruktion der riesigen Kugel befindet sich im Bau. Einzelne Scheiben sind eingesetzt, andere fehlen.
Bildrechte: MDR/Sachsenspiegel

Es sieht aus wie eine Karte des Sternenhimmels im Oktober. Aber tatsächlich ist es der Bauplan für einen kühnen architektonischen Traum, der gerade im Leipziger Stadtteil Plagwitz entsteht. Eine weiße Betonkugel wird auf das Fabrikdach der Kirow-Werke gebaut, ihr Durchmesser beträgt zwölf Meter. Getreu dem Entwurf des brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer. Auf zwei Etagen sollen künftig eine Bar sowie ein Restaurant und die Betriebskantine einziehen.

249 individuelle Scheiben für die perfekte Kugelform

Eine der beiden Glasflächen des künftigen Kugel-Restaurants. Sie befindet sich noch im Bau und die Glasflächen fehlen noch.
Noch fehlen die meisten der insgesamt 249 Scheiben. Bildrechte: MDR/Sachsenspiegel

Die Geschichte der Kugel beginnt vor acht Jahren mit einem Brief. Der Geschäftsführer der Kirow-Werke, Ludig Koehne, schrieb an den Architekten selbst. "Der Brief ging so: Wir haben einen Koch, der super Essen macht und wenn wir kein Restaurant bauen, dann verlässt er uns", erklärt Koehne. "Dann haben unsere Arbeiter nichts Leckeres zu essen und Oscar fand das sehr nett, weil er auch Kommunist ist." So entstand die Idee zur Restaurant-Utopie, deren Bau in vollem Gange ist.

Ein wesentlicher Teil der riesigen Kugel sind zwei riesige Glasfronten. Insgesamt 249 einzelne Scheiben sind nötig, um die Kugelform zu realisieren. "Das Besondere an diesen ist, dass es auf die geodätische Struktur der Kuppel zugeschnitten ist", sagt Harald Kern, der ausführende Architekt. "Daher kommen die Dreiecksformen und die unregelmäßigen Zuschnitte im Randbereich, die dann vom Betonbau her die berühmte Oscar-Niemeyer-Kurve abbilden."

Niemeyer - Ein brasiliansicher Stararchitekt

Oscar Niemeyer gilt als Wegbereiter der modernen Architektur in Brasilien. Beton war sein bevorzugter Baustoff. Er hat damit vor allem Bögen und Kurven realisiert. Rechte Winkel haben Niemeyer nie interessiert. Seine Entwürfe für die brasilianische Hauptstadt Brasilia sind inzwischen Weltkulturerbe. Er wurde 104 Jahre alt.

"Ich hatte gedacht, er macht vielleicht einen kleinen Pavillon auf das Fabrikdach, irgendwas Harmloses", erzählt Kirow-Geschäftsführer Koehne. "Dann kam er mit dieser Kugel. Bei Licht betrachtet ist es ja ein absoluter Wahnsinn, weil bauphysikalisch sehr schwer zu beherrschen, statisch sehr schwer zu beherrschen, von den Kosten ganz zu schweigen." Es sei eben rein die Vision von Oscar Niemeyer, der ein genialer Architekt gewesen sei.

Präzise Montage der Fensterflächen

Ein Bauarbeiter setzt eine Scheibe in das Gerüst der Kugel.
Das Einsetzen der Scheiben ist Milimeterarbeit. Bildrechte: MDR/Sachsenspiegel

Um eine Scheibe an ihre richtige Stelle zu setzen, sind drei Arbeiter nötig. Sie arbeiten überlegt und vorsichtig. Jeder Handgriff ist bedacht. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis eine Scheibe an ihrem richtigen Platz montiert ist.

"Dieser Bau symbolisiert die technische Könnerschaft von Heiterblick, ein Straßenbahnbauer und Kirow, Weltmarktführer für Eisenbahnkrane", ergänzt Koehne. Neben den Eisenbahndrehkranen sind Straßenbahnen das zweite Standbein von Kirow. Aktuell fahren Leipziger Straßenbahnen in Bielefeld, Dortmund und Hannover. Geschäftsführer Koehne träumt von einem Campus, auf dem sich künftig Arbeit und Kunst begegnen. Die Kugel soll das Zentrum werden.

Quelle: MDR/ul/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 31.10.2019 | 19:00 Uhr

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