04.11.2019 | 15:54 Uhr | Update Überfall auf Bau-Managerin: Leipzigs OB Jung sieht Grenze überschritten

Der gewalttätige Protest gegen den Bau von hochpreisigen Immobilien in Leipzig hält an. Erstmals wurde dabei ein Mensch angegriffen. MDR SACHSEN hat Reaktionen zusammengetragen.

OBM Leipzig Burkhard Jung Städtetag
Bildrechte: dpa

Seit Wochen brennen auf Leipziger Baustellen immer wieder Kräne und Bagger. Unbekannte zünden die teuren Geräte an, um gegen den Bau von hochpreisigen Immobilien zu demonstrieren. Wie der jüngste Vorfall zeigt, schrecken die im linksextremistischen Milieu vermuteten Täter inzwischen nicht mehr vor körperlicher Gewalt zurück. Am Sonntagabend haben zwei vermummte Personen die Mitarbeiterin einer Leipziger Immobilienfirma in ihrer Wohnung im Stadtteil Wahren aufgesucht und angegriffen. Mehrmals schlugen sie der Frau mit den Fäusten ins Gesicht. Wie die Polizei dem MDR erklärte, hätten die Täter die Wohnung mit den Worten "Schönen Gruß aus Connewitz" verlassen. Inzwischen hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen.

OB Jung fordert hartes Durchgreifen

Bereits in den vergangenen Wochen hat Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) die Brandanschläge auf Baustellen und Angriffe auf Polizisten im Stadtgebiet verurteilt. Nun sieht er aber eine Grenze überschritten. "Erst brennen Barrikaden und Mülltonnen, dann werden Wehrlose angegriffen - der Weg zum politischen Mord ist nicht mehr weit, wenn der Rechtsstaat nicht mit allen Mitteln und aller Konsequenz eingreift", heißt es in einer Mitteilung des Bürgermeisters. Die Politik müsse aufpassen, dass sie in der Debatte um rechten Terror den Linksextremismus und dessen Menschenverachtung, die dem der Rechten nicht nachstehe, nicht aus dem Blick verliere.

Die Leipziger Polizei wertet den Angriff als "neue Qualität linker Gewalt." "Der Mythos, dass linke Gewalt per se gut ist und sich nur gegen Dinge oder rechte Personen richtet, ist hiermit wieder einmal wiederlegt", erklärt Polizeisprecher Andreas Loepki auf Nachfrage des MDR. Vom Landeskriminalamt heißt es, dass man aufgrund der bisher bekannten Tatumstände ein politisch linksextremistischer Hintergrund angenommen wird. Unabhängig davon ermittle man aber in alle Richtungen. Die Polizei sucht Zeugen.

Neues Krisentreffen gegen Liksextremismus in Dresden

Sachsens Innenminister Roland Wöller hat Leipzigs Oberbürgermeister Jung und die Polizeiführung der Stadt zu einem neuerlichen Treffen nach Dresden geladen. Am Freitag wolle er das weitere Vorgehen gegen Linksextremismus in Leipzig besprechen. "Es ist unfassbar, mit welch widerwärtiger Gewaltbereitschaft inzwischen offensichtlich politisch motivierte Straftäter versuchen, ihre Interessen durchzusetzen und dabei Menschenleben gefährden", erklärte Wöller.

Ein Angriff auf eine Frau in der eigenen Wohnung, wegen ihrer beruflichen Tätigkeit, ist an Perfidie kaum zu überbieten.

Roland Wöller Sachsens Innenminister (CDU)

Oliver Gebhardt, ordnungspolitischer Sprecher der Linken-Stadtratsfraktion, verurteilt den Angriff. "Gewalt kann und ist auf keinen Fall eine Lösung für etwaige gesellschaftliche Probleme." Was dort geschehen ist, sei in keiner Weise zu entschuldigen. Auch Gebhardt fordert ein konsequentes Handeln von Polizei und Rechtsstaat. "Dann muss auch entsprechend abgeurteilt werden. Das gehört zu einer Demokratie dazu und die muss geschützt werden."

Weitere Gewalt angedroht

Auf der Internetplattform Indymedia ist ein mutmaßliches Bekennerschreiben zum jüngsten Angrif aufgetaucht. Darin wird das Bauprojekt "Südcarré" in der Wolfgang-Heinze-Straße, für welches das Opfer verantwortlich ist, als Bedrohung für den Stadtteil "Connewitz als politischen Raum" bezeichnet. Außerdem wird weitere Gewalt gegen alle Projektbeteiligten, Investoren und späteren Bewohner angekündigt.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.11.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 15:54 Uhr

35 Kommentare

MDR-Team vor 20 Wochen

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cicada3301 vor 20 Wochen

"Leipzigs OB Jung sieht Grenze überschritten"

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die brennenden Baukräne die Grenzen nicht überschritten hatten?

"Inzwischen hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen."

Warum ermittelt nicht der Staatsschutz? Wenn ein Rechter diese Tat begannen hätte, dann würde nicht nur die Tagesschau darüber berichten es würde auch längst der Staatsschutz ermitteln. Der Staat ist mal wieder auf dem linken Auge blind!

DER Beobachter vor 20 Wochen

Me 262 ("netter" Nickname ;)) und Heder: Die (Allein)Schuld Lubbes ist nach wie vor weder historisch noch juristisch unzweifelhaft bewiesen, aber auch nicht die der Nazis. Hier taten sich auch nach 45´ ja Abgründe einschließlich Vertuschungsversuche durch VSler auf aus politischen Gründen. Und damit sind wir wieder bei einer gewissen Analogie zum NSU...

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