Kundgebungen Wird Leipzig zum Schauplatz von Demonstrationstouristen?

Leipzig steht offenbar ein unruhiges Ende der Woche bevor. Zahllose Interessengruppen wollen in der Stadt demonstrieren. Die größte Kundgebung hat die "BewegungLeipzig" angemeldet. Insgesamt rechnen die Behörden mit 20.000 Teilnehmern. Die Polizei ist in höchster Alarmbereitschaft. Im Internet kursieren von unterschiedlichen Gruppierungen Gewaltaufrufe.

 Ein Schirm mit der Aufschrift «Querdenker für Grundrechte» steht auf einer Wiese.
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Leipzig ist als Stadt der Friedlichen Revolution in die Geschichtsbücher eingegangen. Nun wird das Umfeld des Jahrestages der Rücktritte des DDR-Ministerrates und des Politbüros und schließlich des Mauerfalls bemüht, um Massen zu mobilisieren.

Querdenken vereinnahmt Friedliche Revolution

Die "BewegungLeipzig" sieht sich als Ableger von "Querdenken" aus Stuttgart. Die Bewegung demonstriert gegen Corona-Maßnahmen, die ihrer Ansicht nach in die Grundrechte eingreifen. Nun stellen sich die Organisatoren in eine Reihe mit den Montagsdemonstrationen vor dem Mauerfall. Dafür haben sie eigens ein Video produziert, in dem sie Ausschnitte bisheriger Querdenker-Demos mit historischen Bildern von 1989 verbinden.

Demonstration ohne Zug

'Wir sind das Volk' steht auf dem Schild zweier Teilnehmer einer Protestkundgebung der Initiative «Querdenken» auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.
"Wir sind das Volk" war eine Parole auf den Montagsdemonstrationen in der DDR. Auch Teilnehmer von "Querdenken"-Demonstrationen gebrauchen den Spruch. Bildrechte: dpa

Ihre geplante Marschroute über den Innenstadtring wird das Ordnungsamt wohl nicht genehmigen. Wie die Behörde mitteilte, werden entsprechend der sachsenweit geltenden Corona-Schutz-Verordnung nur ortsfeste Kundgebungen genehmigt. Selbst der Ort einer etwaigen stationären Demonstration ist mit Stand Donnerstagabend noch unklar. Querdenken möchte seine Veranstaltung auf dem Augustusplatz abhalten. Für 20.000 Menschen dürften sich dort die aktuell gebotenen Abstandsregeln kaum einhalten lassen.

13 Demo-Anmeldungen und Gewaltdrohungen im Vorfeld

Die Demonstrationsanmeldung der Querdenker allein treibt den Behörden aber noch nicht die Sorgenfalten ins Gesicht. Vielmehr seien es solche Aktivitäten, die im Vorfeld noch nicht die große Öffentlichkeit suchen. Die Polizei erwartet nach eigenen Angaben ein breites Teilnehmerfeld, vom bürgerlichen Spektrum über Verschwörungstheoretiker bis hin zu Extremisten. Aufrufe gibt es unter anderem bei Telegram und Facebook, darunter sind namhafte Akteure der rechten Szene und Verschwörungstheoretiker.

Darüber hinaus liegen der Stadt Anmeldungen kleinerer Gruppierungen mit rechten bis rechtsradikalen Teilnehmern für den Wilhelm-Leuschner-Platz und den Thomaskirchhof vor. In sozialen Netzwerken diskutieren Querdenker offen Gewalt. Einem Journalisten wurde mit Verweis auf Samstag gedroht, dass auch Connewitz "nicht safe sein" werde.

Gegenprotest formiert sich - nicht nur gewaltfrei

Die linke Gruppe "Leipzig nimmt Platz" hat nach Angaben des Ordnungsamtes drei Versammlungen angemeldet. Zugleich ruft das Bündnis zu Blockaden auf den Anreiserouten der Demonstranten auf. Auf dem Internetportal indymedia haben derweil linke Autonome dazu aufgerufen, die Querdenker-Demo anzugreifen.

Demonstranten sind keine Touristen

Die Demonstranten werden aus allen Teilen Deutschlands nach Leipzig kommen. Einige Versammlungen sind schon für den Freitag angemeldet. Das Sozialministerium teilte vor diesem Hintergrund mit, dass Übernachtungen zur Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen vom Wortlaut der Corona-Schutz-Verordnung gedeckt seien. Dennoch stornierte beispielsweise das "Motel One" alle Buchungen für das Wochenende. Zuvor hatte das Hotel viel Kritik geerntet, weil es Anhängern der Querdenker-Bewegung Quartier geboten hatte.

Die Stadt Leipzig, Polizeidirektion und Polizeipräsident wollen am Freitag bei einem Pressegespräch über Einzelheiten informieren.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.11.2020 | 13:05 Uhr im Radioreport

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