Drei Pferde stehen auf dem Reiterhof Kunze im Ortsteil Altenbach auf der Koppel.
Symbolbild Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Reiterhof Schloss Gundorf Mehr als 60 Pferde in Leipzig brauchen dringend neue Ställe

Der Reiterhof Schloss Gundorf im Leipziger Ortsteil Böhlitz-Ehrenberg muss seine 66 Pensionspferde vor die Stalltür setzen. Die Gutsverwaltung hatte den Pächtern Ende September überraschend gekündigt. Nun müssen die Besitzer der Pferde zum 30. November eine neue Heimstätte für ihre Tiere finden. Doch das könnte schwierig werden.

Drei Pferde stehen auf dem Reiterhof Kunze im Ortsteil Altenbach auf der Koppel.
Symbolbild Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Der Reiterhof Schloss Gundorf soll ab 1. Dezember von einem neuen Betreiber geleitet werden. Das sagte der Besitzer der Immobilie auf Anfrage von MDR SACHSEN. Er hatte den Pächtern Ende September gekündigt. Daraufhin seien die Mietverträge für die Unterbringung der 66 Pferde von Privatbesitzern fristgerecht aufgelöst worden, sagte Patric Blum, geschäftsführende Gesellschafter des gekündigten Betreibers. Die Pferdebesitzer müssen nun einen neuen Stall für ihre Tiere finden.

"Das ist nicht unser Problem"

"Wir haben uns an die gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist gehalten. Die Pferdehalter müssen sich nun um eine Box kümmern. Das ist nicht unser Problem", sagte Blum MDR SACHSEN. "Jeder der Einsteller hätte ja auch uns mit einer Frist von zwei Monaten kündigen können, wenn er den Stall wechselt oder das Pferd verkauft."

Stallungen Pferdehof Gundorf, Böhlitz-Ehrenberg
Zum 30. November müssen die Stallungen auf Schloss Gundorf geräumt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schlechte Heuernte

Der Wechsel wird für viele Pferdebesitzer zum Problem. Ein Großteil der Nachbarställe sei ausgelastet, berichten betroffene Pferdehalter. Das gibt auch Blum zu: "Das ist vergleichbar schwierig, wie in Ballungszentren eine Wohnung zu finden." Ein zusätzliches Problem sei auch die schlechte Heuernte. Freie Stellplätze im Umland werden nicht vermietet, weil die Hofbesitzer Angst haben, dass das Futter nicht für den Winter reicht.

Funktionierende Stallgemeinschaft

Heiko Jassmann traf die Meldung wie ein Schlag. Seine 15-jährige Tochter hat ihr Pony Henrietta seit einem Jahr auf dem Reiterhof. Von der Wohnung in der Waldstraße aus kommt sie sicher mit der Straßenbahn dorthin. Die Familie hat sich gut in die Stallgemeinschaft integriert. Die Suche nach einem neuen Platz gestaltet sich schwierig. Die Situation an den Reiterhöfen ist angespannt, berichtet er. "Es wäre wirklich aussichtslos, wenn man nicht auf die Hilfe der Pferdefreunde bauen könnte, die wirklich versuchen, alles möglich zu machen und schon überlegen anzubauen."

Auch für Juliane Klingler und Mount Juliet ist die gemeinsame Zukunft ungewiss. Ende Oktober vergangenen Jahres lief der Wallach sein letztes Rennen auf der Trabrennbahn Scheibenholz. Dann adoptierte ihn die passionierte Reiterin. Für sie ist das Ende des Reiterhofs völlig unverständlich: "Es lief doch alles gut. Der Hof war voll belegt, es gab sogar eine Warteliste." Die Listen bei den Höfen in der Umgebung seien mittlerweile überfüllt. Der nächste freie Stall sei rund 30 Kilometer entfernt, sagte sie. Juliane Klingler überlegt nun, ihren vierbeinigen Freund wieder in die Obhut des Rennstalls zu geben.

Übernahme geplant

Warum der Pachtvertrag vorzeitig aufgelöst wurde, wollen die Parteien nicht sagen. "Wir legen keinen Wert darauf, dass die Kündigungsgründe über die Medien verbreitet werden", hieß es von Seiten des derzeitigen Pächters. Der Besitzer, der das Schloss nach der Wende sanierte und den ehemaligen Kuhstall zu Pferdestallungen umbauen ließ, verhandelt zur Zeit nach eigenen Angaben mit mehreren Pacht-Interessenten. Die Übernahme des Reitstalls solle so möglichst reibungslos verlaufen. Wie viele eigene Pferde der neue Pächter mitbringt, könne allerdings zu diesem Zeitpunkt niemand sagen.

Bis ein neuer Pacht-Vertrag geschlossen ist, müssen die Halter der 66 Pferde in jedem Fall nach einer Alternative suchen. Von der Ankündigung des Gutsbesitzers hält Heiko Jassman wenig: "Uns hat man gesagt, der Hof soll verkauft werden. Wir könnten uns zwar auf eine unverbindliche Warteliste eintragen, aber es gebe keine Garantie." Selbst wenn es zur Übernahme durch einen neuen Pächter käme, bleibt die Zukunft für Pony Henrietta ungewiss. "Erstmal hinzugehen und den Stall auszukehren und alle rauszuschmeißen – das ist für mich kein reibungsloser Übergang."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.10.2018 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2018, 19:59 Uhr

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1 Kommentar

04.10.2018 20:14 Teichgräber 1

Hallo MDR, warum kommt heute 19.50 Die gleiche Sendung wie letzte Woche? Wollten das Viele nochmal sehen?

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