Rund 100 Schüler haben sich mit dem Thema Wasser beschäftigt.
Bevor die Wanderung beginnt, zeigen die Schüler ihre mit Wasser beladenen Rucksäcke. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Aktion "Wasserläufer" Leipziger Grundschüler schleppen Wasser für den guten Zweck

Trinken, waschen, Toilettenspülung - 92 Liter Wasser verbraucht ein Leipziger durchschnittlich am Tag. Ohne darüber nachzudenken, wo das Nass herkommt und wohin es fließt. Rund 100 Leipziger Schüler wollten es als "Wasserläufer" genauer wissen.

Rund 100 Schüler haben sich mit dem Thema Wasser beschäftigt.
Bevor die Wanderung beginnt, zeigen die Schüler ihre mit Wasser beladenen Rucksäcke. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Einen Rucksack voller Wasserflaschen sollen die Zweit- und Drittklässler der Leipziger Lessingschule gleich mehrere Kilometer vom Sportforum durch das Rosenthal tragen. "Wie viele schaffst du denn?", fragt Axel Schöpa vom Verein "Wasser ohne Grenzen" die Mädchen und Jungen. Manch einer schaut skeptisch, ein paar Jungs stecken ohne mit der Wimper zu zucken gleich fünf oder sechs Flaschen in ihre Schulranzen. Sie machen bei der Aktion "Wasserläufer" mit, die parallel zum Tag des Wassers stattfindet.

Es geht darum, ein Bewusstsein für das kostbare Nass zu entwickeln und es schätzen zu lernen. "Kinder müssen in Afrika durchschnittlich sechs Kilometer am Tag laufen, um Trinkwasser für die Familie zu besorgen", sagt Schöpa. Gemeinsam mit Katharina Klauer vom KinderUmweltBus hat er das Projekt ins Leben gerufen. Rund 100 Schüler und ihre Lehrer sind in diesem Jahr dabei.

Mehr Bewusstsein fürs Wasser

Bevor die Wanderung startet, bekommen die Schüler noch einen Apfel in die Hand gedrückt und über die Ranzen wird ein blauer Regenschutz gestülpt. "Wir sind schon vor diesem Projekttag in die Klassen gegangen und haben dort eine Stunde Unterricht zur Ressource Wasser gegeben", sagt Schöpa. "In vier Wochen gehen wir dann nochmal in die Schulen und machen ein paar Versuche rund um das Thema und festigen so das Wissen."

Leipziger Wasserlauf 2019: Schüler sind dem Wasser auf der Spur

Mit vollen Rucksäcken und großem Wissensdurst haben sich 100 Schüler auf den Weg ins Leipziger Rosenthal gemacht. Zum Tag des Wassers haben der Verein "Wasser ohne Grenzen" und das KinderUmweltMobil geladen.

Jede Menge Wasser und ein paar Äpfel liegen für die Schüler bereit.
Jede Menge Wasser und ein paar Äpfel liegen für die Schüler bereit. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Jede Menge Wasser und ein paar Äpfel liegen für die Schüler bereit.
Jede Menge Wasser und ein paar Äpfel liegen für die Schüler bereit. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Ein Helfer befüllt die Rucksäcke der Schüler mit Wasserflaschen.
Mitorganisator Axel Schöpa befüllt die Rucksäcke mit Wasser. Die Schüler lernen, dass Kinder in ärmeren Ländern häufig weite Strecken zurücklegen müssen, um an Trinkwasser zu kommen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Eine Frau erklärt den Kindern, wie ein Klärwerk funktioniert.
Bevor es ins richtige Klärwerk geht, erklärt Katharina Klauer vom KinderUmweltBus wie es eigentlich funktioniert. Dazu gehen die Kinder selbst als Wassertröpfchen in ein gedachtes Klärwerk. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Ein Helfer verteilt Steine.
Bevor es für die Schüler ins begehbare Klärwerk gehen, nehmen sie Stein, Stock und Watte, die für die Wasserverunreinigungen stehen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Spielerisch durchlaufen die Schüler ein gedachtes Klärwerk und sind selbst die Wassertröpfchen, die sauber werden müssen.
Spielerisch durchlaufen die Schüler ein gedachtes Klärwerk und sind selbst die Wassertröpfchen, die sauber werden müssen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Auf Schildern steht, in welchem Teil des begehbaren Klärwerks sich die Kinder befinden.
Spielerisch durchlaufen die Schüler ein gedachtes Klärwerk und sind selbst die Wassertröpfchen, die sauber werden müssen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Eine kleine Leiter steht für den Rechen, der im Klärwerk groben Schmutz aus dem Abwasser filtert. Die Schüler geben hier ihre Stöcke ab.
Eine kleine Leiter steht für den Rechen, der im Klärwerk groben Schmutz aus dem Abwasser filtert. Die Schüler geben hier ihre Stöcke ab. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Eine Schülerin klebt einen rosafarbenen Wattebausch an ein Schild, welches mit einer Figur als Bakterium bemalt ist.
Die farbigen Wattebäusche stehen für organischen Schmutz, der von Bakterien aufgefressen wird. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Die Schulkinder laufen durch einen grünen Teil des Rosenthals. Am Boden grünt der Bärlauch.
Zum Wasserlauf gehört es auch, einige Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Leipziger-Mitarbeiter Bernd Schwarz steht vor einer Gruppe von Schülern. Ein Kind meldet sich.
Der ehemalige Wasserwerker Bernd Schwarz kennt sich im Klärwerk Rosenthal bestens aus. Er freut sich auf die neugierigen Fragen der Wasserläufer. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Ein Schüler hält sich die Nase zu, weil es im Klärwerk oft unangenehm riecht.
Nase zuhalten und durch: an einigen Stellen im Klärwerk stinkt es ganz schön. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Kinder schauen durch ein Gitter auf den so genannten Rechen, der im Klärwerk grobe Bestandteile aus dem Abwasser filtert.
Taschentücher und Wattestäbchen: am Rechen werden die groben Bestandteile herausgefiltert. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Mehrere Schüler laufen über das Gelände des Klärwerks und gehen zur nächsten Reinigungsstation.
Die Schüler laufen von Station zu Station und verfolgen die Schritte hin zum sauberen Wasser. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Zwei Schülerinnen stehen vor dem Vorklärbecken im Klärwerk Rosenthal in Leipzig.
Zwei Schülerinnen blicken auf das Vorklärbecken. Hier werden beispielsweise Fette aus dem Wasser geholt. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Schüler stehen vor einer Schaupumpe im Klärwerk Rosenthal in Leipzig.
Am Ende des Klärwerks ist das Schmutzwasser wieder sauber. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
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Mehr Zeit für die Kinder in Sierra Leone

In einem Strauch hängen verschiedene Schilder, auf denen Bakterien abgebildet sind.
Im Strauch hängen die Bakterien und symbolisieren einen der letzten Reinigungsschritte im "begehbaren Klärwerk". Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

An den Wasserlauf ist außerdem ein Spendenprojekt gebunden, bei dem für einen Wasserfilter für eine Grundschule im westafrikanischen Sierra Leone gesammt wird. "Die Kinder dort sollen nach der Schule Zeit für ihre Hausaufgaben bekommen und sich nicht mit der Wasserbeschafftung aufhalten müssen", so Schöpa. Damit ein so genannter PAUL, wie der Wasserfilter heißt, auch nach Afrika geschickt werden kann, sind rund 1.600 Euro nötig. Eltern und Großeltern haben den Schülern dafür ein paar Euro mitgegeben, die sie in eine Spendenbox werfen.

Anschließend stapft die erste Gruppe los, am Elsterbecken entlang Richtung Rosenthal. Auf halber Strecke zum Klärwerk wartet auch schon Katharina Klauer vom KinderUmweltBus, die ein begehbares Klärwerk vorbereitet hat. Bevor die Schüler sich im echten Werk umschauen, sollen sie erst einmal mehr über die Theorie erfahren. So verwandelt sich jedes Kind gedanklich in einen Wassertropfen, bekommt Stock, Stein und Watte in die Hand gedrückt und läuft durch ein aufgezeichnetes Wasserrohr auf dem Boden. Während die Kinder unter einer Klappleiter hindurch schlüpfen, nimmt Katharina Klauer den Kleinen den Stock ab. "Der Rechen im Klärwerk filtert zuerst die gröbsten Verunreinigungen aus dem Wasser. Wie etwa kleine Äste, Laub und Taschentücher", erklärt Klauer. So geht es weiter, bis auch Stein und Watte im begehbaren Klärwerk spielerisch herausgefiltert wurden und die Schüler als saubere Wassertröpfchen wieder strahlen.

Nase zu und durch - Rundgang im Klärwerk Rosenthal

Kinder schauen durch ein Gitter auf den so genannten Rechen, der im Klärwerk grobe Bestandteile aus dem Abwasser filtert.
Taschentücher und Wattestäbchen: am Rechen werden die groben Bestandteile herausgefiltert. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Einen längeren Fußmarsch später steht die Gruppe dann schließlich im richtigen Klärwerk Rosenthal. Dort wartet der ehemalige Wasserwerker Bernd Schwarz auf die Schüler und warnt gleich zu Beginn: "Bitte nichts anfassen. Heute dürft ihr die Hände mal in den Hosentaschen lassen." Schließlich fließen hier die Abwässer aus ganz Leipzig zusammen und werden wieder aufbereitet.

Als Erstes geht es zum Rechen, den die Kinder bereits von der Spielstation kennen. Mit zugehaltener Nase schauen die Schüler durch ein Gitter am Boden und entdecken tatsächlich heruasgefilterte Papiertücher und Laub auf dem Metallförderband. Anschließend erklärt Schwarz der Gruppe Becken für Becken, wie das Wasser immer feiner gereinigt wird. Erst mit Rechen, später mit Luftbläschen und Bakterien. Bis das Wasser am Ende vom Klärwerk wieder durchsichtig ist. "Es dauert etwa 36 Stunden, bis das Abwasser vom Zulauf durch das Klärwerk wieder sauber in die Luppe geleitet wird", erklärt Schwarz am Ende der Führung.

Wie machen das die Kinder in Afrika nur?

"Es war wirklich sehr cool und ich habe gelernt, dass sogar Bakterien das Wasser sauber machen", sagt einer der Zweitklässler nach der Führung im Klärwerk. Eine Mitschülerin freut sich schon darauf, wieder zurück am Sportforum zu sein: "Dann kann ich die Flaschen wieder aus dem Rucksack nehmen. Gott sei Dank haben wir einen Wasserhahn zu Hause." Bevor sich die jungen Wasserläufer auf den Rückweg machen, diskutieren sie noch ein wenig über die armen Kinder, die nach der Schule noch Wasser schleppen müssen. Sie vermuten, dass die Wasserkrüge bestimmt zehn Kilo wiegen und können sich kaum vorstellen, wie man die auf dem Kopf balancieren kann.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.03.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 15:48 Uhr

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