Großbaustelle
Bildrechte: imago images / Sven Simon

22.07.2019 | 13:14 Uhr Werden in Leipzig zu wenige Wohnungen gebaut?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft würden in Leipzig seit Jahren viel zu wenige Wohnungen gebaut. Nicht einmal halb so viele Wohnungen entstehen, wie eigentlich gebraucht werden. Stimmt das? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Großbaustelle
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Wer in Leipzig auf Wohnungssuche ist, hat es zunehmend schwerer. Das Angebot wird kleiner, die Preise steigen. Die Situation am Wohnungsmarkt verschärft sich zunehmend. Eine Studie aus Köln legt nun nahe, dass einfach nicht genügend Wohnungen gebaut würden. Seit dem Jahr 2016 sei jährlich nicht einmal die Hälfte des benötigten Wohnraums entstanden. Wie sehen das die Akteure vor Ort? MDR SACHSEN hat bei der Stadt, verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften und dem Mieterbund nachgefragt.

Hat Leipzig wirklich zu wenig neue Wohnungen?

Ja, es gibt zu wenig neuen Wohnraum in Leipzig, aber die Situationen ist nicht so verheerend, wie es zunächst ausschaut.

Stefan Heinig vom Leipziger Stadtplanungsamt kann das Ergebnis der Studie nur begrenzt nachvollziehen. Laut der Analyse müssten 4.200 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, die Stadt meint, dass nur 3.000 benötigt werden. Heinig hat eine Vermutung, wie das Insitut zu den Zahlen kommt. Möglicherweise sei man davon ausgegangen, dass in Leipzig in erster Linie alte Bausubstanz abgerissen und dann neu gebaut werden muss. Das sei im Westen der Republik vor allem mit Bauten aus den 1950er Jahren der Fall, trifft aber nicht auf Leipzig zu. Hier musste die vorhandene Bausubstanz nicht abgerissen werden, sondern kam saniert wieder auf den Markt.

In den letzten Jahren wurden laut Stadtplanungsamt in Leipzig pro Jahr 1.700 bis 1.800 Wohnungen neu gebaut. Im letzten Jahr gab es dann noch einmal einen Anstieg: 2.300 Wohnungen wurden fertiggestellt. Auch die Zahl der Baugenehmigungen stieg in den letzten drei Jahren. Zwischen 3.200 und 3.700 wurden erteilt.

Welche Probleme gab es bei Baugenehmigungen?

Ist eine Baugenehmigung erteilt, heißt es nicht, dass sofort mit den Arbeiten begonnen wird. Oftmals gehen bis zu zwei Jahre ins Land, bevor der erste Bagger rollt. Zudem werden genehmigte Bauprojekte häufig weiterverkauft. Kommt dann ein neuer Bauherr, gibt es oftmals Änderungen im Plan. Das bedeutet, dass sich die Projekte zeitlich erneut herauszögern.

Ein weiteres Problem - die Anforderungen beim Neubau lassen die Preise steigen. Unter 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter läuft da nichts - also wird in erster Linie im oberen Preissegment gebaut. Zwar hat der Leipziger Stadtrat beschlossen, dass bei neuen Bebauungsplänen 30 Prozent der errichteten Wohnungen preisgebunden sein müssen, aber darauf lassen sich die wenigsten Bauherren ein. Denn dann würden sie nur maximal 6,50 Euro pro Quadratmeter erhalten - sie würden also teurer bauen, als sie vermieten. Und solange die Nachfrage nach Wohnungen im oberen Preissegment nicht nachlässt, solange werden auch weniger Wohnungen im unteren Preissegment angeboten. Und das trotz Wohnbauförderprogramm des Freistaates.

Hinzu kommt, dass sich die Bodenpreise in Leipzig in den letzten drei Jahren vervierfacht haben. Kostete ein 150 Quadrameter großes Stadthaus vor 12 Jahren noch 240.000 Euro, kann es je nach Lage heute mehr als doppelt so teuer sein.

Welcher Wohnraum wird in Leipzig denn gebraucht?

Vornehmlich werden Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen und große Wohnungen gesucht. Um die großen Wohnungen buhlen WGs, Familien und gutverdienende Paare. Die größte Schwierigkeit ist aber, preisgebundenen Wohnraum zu stellen - heißt Sozialwohnungen. Immerhin hat die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft nun angekündigt, in neue Wohnanlagen zu investieren - 353 sollen demnächst gebaut werden, davon 151 preisgebunden. Insgesamt will die LWB 5.000 Wohnungen neu errichten. Für die Stadt geht es also in die richtige Richtung, nur eben etwas zu langsam.

Quelle: MDR/bb/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.07.2019 | 07:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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