30.12.2019 | 08:00 Uhr Baustellen und Digitalisierung: Nachholbedarf beim Nahverkehr in Leipzig?

Hinter den Leipziger Verkehrsbetrieben liegt ein bewegtes Jahr - und das nicht nur, weil sie täglich Tausende Leipziger befördern. 2019 war geprägt von Riesenbaustellen und Personalmangel. Auch mit Blick auf die Digitalisierung hat die LVB noch Nachholbedarf. Welche Bilanz zieht das Unternehmen für 2019? Was muss es im nächsten Jahr unbedingt angehen? Und bleiben die Ticketpreise stabil? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Das Neue Rathaus am Martin-Luther-Ring in Leipzig (Sachsen)
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Kaum ein Leipziger kommt an den Bussen und Bahnen der LVB vorbei. Ob auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufsbummel in die Stadt - täglich befördern die Leipziger Verkehrsbetriebe zahlreiche Menschen. Im Durchschnitt fahren jeden Tag 434.000 Menschen Bus und Tram. Hinzu kommen Hunderttausende Touristen, die während ihrer Städtereise den Leipziger Nahverkehr nutzen. Gerade im Hochsommer lief es bei der LVB nicht rund. Wegen akuter Personalprobleme musste das Unternehmen Taktzeiten ausdünnen. Auch die Bauarbeiten am Hauptbahnhof sorgten für zahlreiche Umleitungen und Einschränkungen für die Fahrgäste.

Viele Investitionen ins Liniennetz und den Fuhrpark

Dennoch ziehen die Leipziger Verkehrsbetriebe eine positive Bilanz. LVB-Sprecher Marc Backhaus sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, dass durch die Bauarbeiten auch in diesem Jahr die Leistungsfähigkeit im Liniennetz sichergestellt werden konnte. Im Frühjahr steht dann eine neue Großbaustelle an: Von März an sollen die Gleise auf der Bornaischen Straße im Leipziger Süden saniert werden. Die weiteren Baumaßnahmen werden Anfang des Jahres bekanntgegeben, so Backhaus.

In den Fuhrpark hat die LVB in diesem Jahr ebenfalls investiert. 23 neue XL-Straßenbahnen sind in Betrieb. "Ab Sommer 2020 kommt etwa alle zwei Wochen eine neue Bahn zu uns", sagte Backhaus optimistisch.

Stetiger Personalbedarf - in Tram und Verwaltung

Auch die Personalprobleme konnten die Verkehrsbetriebe lösen - mit Hilfe aus dem Ausland. "In 2019 haben wir insgesamt 20 Fahrer aus Spanien gewinnen und sprachlich ausbilden können, so der LVB-Sprecher. "Wir wollen auch im kommenden Jahr spanische Busfahrer einsetzen."

Insgesamt habe die LVB im Jahr 2019 über 400 neue Mitarbeiter einstellen können, die Hälfte davon für den Fahrdienst. Für dieses Jahr sei der Personalbedarf damit gedeckt, allerdings gebe es auch im kommenden Jahr wieder viele offene Stellen. So plant das Unternehmen insgesamt 300 neue Beschäftigte einzustellen - in Verwaltung und Werkstätten, aber auch wieder 100 Fahrerinnen und Fahrer.

Pilotprojekt für Leipzigs Randgebiete

Ein Kleinbus der Leipziger Verkehrsbetriebe fährt auf einer Straße, im Hintergrund sind Bäume zu sehen.
Seit dem Herbst fahren Busse auf Bestellung Leipzigs Norden an. Die LVB ist zufrieden mit der Auslastung. Ob das Angebot fortgesetzt wird, ist jedoch auch eine finanzielle Abwägung. Bildrechte: MDR/Leipziger Gruppe

Um Randgebiete besser an den Nahverkehr anzubinden, hat die LVB das Transportangebot "Flexa" in Wiederitzsch, Breitenfeld und Lindenthal gestartet. Bei "Flexa" kommt der Bus nur auf Bestellung, fährt aber auf Wunsch Dutzende Haltestellen im Norden von Leipzig an. Nach gut zwei Monaten gebe es für das Angebot täglich rund 200 Buchungen und insgesamt etwa 300 Fahrten. "Das zeigt uns, dass es gut angenommen wird", so Backhaus. "Bis zum Frühjahr läuft der Test weiter. Dann werden wir ein Fazit ziehen und müssen schauen, ob es auch in Zukunft finanzielle Unterstützung für Projekte wie Flexa gibt."

Immer mehr papierlose Tickets

2019 wurde die überwiegende Zahl der Fahrtickets in digitaler Form ausgegeben. Die Tendenz steigt: 2018 fuhren 70 Prozent der Fahrgäste mit digitalen statt Papiertickets. 2017 waren es noch 60 Prozent. Auch die "Leipzig mobil"-App wird laut LVB immer mehr für bargeldloses Bezahlen genutzt und die Fahrgäste erhalten ihr Ticket digital. Doch da muss die LVB noch aufholen, denn es kommt viel Kritik. Im Google-App-Store hat die "Leipzig mobil"-App nicht einmal zwei Sterne Durchschnittsbewertung. Die App werde aktuell überarbeitet, so LVB-Sprecher Backhaus.

Wer die App nicht auf dem Handy hat, aber schnell in die Tram hüpfen will, der muss sein Papier-Ticket am Automaten in der Bahn lösen. Dafür muss man allerdings entweder Geldmünzen dabei oder den Geld-Chip der EC-Karte aufgeladen haben. Beide Möglichkeiten sind für Leipziger beschwerlich, aber machbar. Für ausländische Touristen jedoch hinderlich.

Fahrplandaten bei Google-Maps

Die Routenkarte Google Maps zeigt seit kurzem nicht mehr nur die S-Bahnen, sondern auch die Angebote der LVB, an.
Früher sahen Leipziger und Touristen nur die S-Bahn-Verbindungen im Nahverkehr. Fortan teilen die LVB ihre Verbindungen aber bei Google Maps. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und dann ist da noch das Problem mit der Routenkarte Google-Maps, die von unzähligen Menschen auch zur Navigation im Nahverkehr genutzt wird. Lange waren die Verbindungen für Leipzigs Busse und Bahnen überhaupt nicht in der Routenkarte abrufbar, sondern lediglich die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Im Herbst dann kündigte die LVB an, die Fahrplandaten fortan mit Google zu teilen. Nun bekommt man wenigstens bei der Suche neben den S-Bahnen auch die LVB-Verbindungen angezeigt. Für Informationen zu Verspätungen oder Ausfällen bleibt dennoch die "Leipzig mobil"-App die einzige Anlaufstelle. Oder eben die digitale Anzeige an den Haltestellen.

Ticketpreise bleiben 2020 stabil

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Die Leipziger Ticketpreise wurden nach einem Beschluss des Stadtrates für zwei Jahre eingefroren. Deshalb gab es nicht nur 2019 keine Preiserhöhung, sondern auch im kommenden Jahr werden die Fahrpreise stabil bleiben.

Quelle: MDR/bb/cg/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.12.2019 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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