19.03.2020 | 12:17 Uhr Leipziger Soziologe warnt vor vorschneller Ausgangssperre

Der Leipziger Soziologe Holger Lengfeld warnt trotz der steigenden Zahlen an Corona-Infektionen vor einer vorschnellen Verhängung eines Ausgangsverbotes. Dies könne nur das allerletzte Mittel sein, sagte der Geisteswissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst. Laut Lengfeld bringe ein Ausgangsverbot "viele negative Folgen für den Zusammenhalt der Gesellschaft mit sich".

Vereinsamung und Konflikte nehmen zu

Der Soziologe verwies unter anderem auf die dann drohende Vereinsamung alter Menschen. Hinzu kämen Konflikte innerhalb von Familien, "wenn alle Mitglieder eines Haushaltes die Wohnung nicht verlassen dürfen". Lengfeld warnte zudem vor "massiven" wirtschaftlichen Folgen. Man könne eine "hochspezialisierte Volkswirtschaft" nicht einfach herunterfahren, meint Lengfeld. "Die geht nicht einfach so auf Knopfdruck wieder online nach der Ausgangssperre."

Sollte die Bundesregierung dennoch ein Ausgangsverbot verhängen, rät der Soziologe dazu, dies von vornherein als befristet anzukündigen. Menschen seien dann eher bereit, "die Regeln zu akzeptieren und die Belastungen zu ertragen", erklärt er weiter.

In vielen Ländern in Europa gilt bereits eine Ausgangssperre. Italien verlängerte am Donnerstag seine Einschränkungen über den 3. April hinaus. In Deutschland gilt bisher nur in der Gemeinde Mitterteich (Oberpfalz, Bayern) eine Ausgangssperre. Das zuständige Landratsamt hatte am Mittwoch die Verfügung erlassen, nachdem zahlreiche Neuinfektionen aufgetreten sind. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) denkt über weitere Ausgangssperren nach.

Quelle: MDR/fg/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.03.2020 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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