Der Sohn des ehemaligen Leipziger Zoodirektors Gebbing Johannes Gebbing steht im Zoo Leipzig neben der Plastik «Der Athlet» von Max Klinger
Der Sohn des ehemaligen Leipziger Zoodirektors Gebbing Johannes Gebbing erhebt auch Anspruch auf die Plastik "Der Athlet" von Max Klinger. Bildrechte: dpa

Klage abgewiesen Zoo Leipzig bleiben Skulpturen erhalten

Der Sohn des ehemaligen Leipziger Zoodirektors Gebbing Johannes Gebbing steht im Zoo Leipzig neben der Plastik «Der Athlet» von Max Klinger
Der Sohn des ehemaligen Leipziger Zoodirektors Gebbing Johannes Gebbing erhebt auch Anspruch auf die Plastik "Der Athlet" von Max Klinger. Bildrechte: dpa

Der Sohn des früheren Leipziger Zoodirektors Johannes Gebbing junior hat den Rechtsstreit um die kostbaren Skulpturen aus dem Leipziger Zoo in erster Instanz verloren. Die vorgelegten Dokumente reichten nicht aus, um nachzuweisen, dass dem früheren Zoodirektor Gebbing die "Jason-Gruppe" oder die Skulptur "Athlet" von Klinger gehört hätten, begründete das Leipziger Landgericht seine Entscheidung. In einer Korrespondenz von 1944 hätte er zudem auf sämtliche Ansprüche verzichtet und schon damals lediglich zwei Gemälde und einen ausgestopften Hirschkopf zurückgefordert.

Skulpturen seien Leihgabe

In der Klage ging es um die Herausgabe der Skulpturen "Der Athlet" von Max Klinger sowie die "Jason-Gruppe" von Walter Lenck, die in den 1920er- beziehungsweise 1930er-Jahren im Zoo aufgestellt worden waren. Alle Werke wurden vor über 80 Jahren vom früheren Tierparkdirektor Johannes Gebbing senior angeschafft - und zwar privat, meint dessen Sohn und Erbe, Johannes Gebbing junior. Die Stadt Leipzig habe die wertvollen Objekte nur als Leihgabe erhalten, sagt der 87-Jährige und beansprucht die Figuren für sich.

Gegenbeweis aus dem Stadtarchiv

Auch die Stadt hat ihre Archive durchforstet und kam zu dem Ergebnis, dass die Skulpturen keineswegs nur Leihgaben waren. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sagte vor der Verhandlung: "Wir können, so meinen wir, belegen, dass Herr Gebbing damals in seiner Funktion als Zoodirektor und damit in städtischer Funktion die Skulpturen erworben hat und gehen davon aus, dass sie der Stadt gehören." Die Stadt beruft sich außerdem darauf, dass Rückforderungs- und Herausgabeansprüche mittlerweile verjährt seien.

Skadi Jennicke
Bildrechte: DiG/trialon

Im kollektiven Gedächtnis der Leipziger ist insbesondere die 'Jason-Gruppe' unmittelbar mit dem Leipziger Zoo verbunden. Wenn man an den Pinguinen vorbei, hin zu den Elefanten geht, dann weiß man, dass da der Jason steht.

Skadi Jennicke Leipzigs Kulturbürgermeisterin

Berufung und Vergleich möglich

Der Frankfurter Kunsthändler Gebbing junior hat bereits signalisiert: Er wolle die Kunstwerke nicht wirklich abholen und wäre auch mit einer Entschädigung zufrieden. Der 87-Jährige will in Berufung gehen. Die Stadt hatte zuvor einen Vergleich abgelehnt.

Quelle: MDR/lm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.05.2018 | ab 5:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 18:38 Uhr

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8 Kommentare

16.05.2018 15:24 Franz Willer 8

@real_silver
Haben wir zusammen Schweine gehütet oder waren Sie und ich zusammen im Swingerclub bei den Damenhipster im fernen Afrika ?
Contenance!!!! Reißen Sie sich am Riemen!!!!

16.05.2018 14:36 Franz Willer 7

Sie haben wohl keinen Kulturbeutel über den ich Ihnen um die Ohren schlagen darf?
Den letzten Schuss von den Steuerprognosen 2028/19 nicht gehört?

16.05.2018 13:01 real_silver 6

@Nr 1 Franz Willer - Gegenvorschlag: Wie wäre es, wenn du selbst den Herren angemessen "entschädigst", wo du doch so sehr dafür bist? Alle anderen Steuerzahler für diesen Mumpitz bezahlen zu lassen, den Gedanken darfst du gerne streichen, Kollege.

16.05.2018 12:13 Franz Richter 5

Im kollektiven Gedächtnis der Leipziger
sind nicht nur Schönmalerei und heile Welt spielen,
Frau Skadi Jennicke, ihres Zeichens Kulturbürgermeisterin.
Was ist mit der Stadtverwaltung als lokaler Akteur bei der Deportation von andersdenkenden Menschen im dritten Reich. Diese wurden dann ermordet Auch das niederknüppeln von jungen Menschen
beim hören von Beatmusik in der DDR. Warum sind denn die Menschen gerade in Leipzig 1989 auf die Straße gegangen, nicht wegen der 'Jason-Gruppe' am Zoo.
Die herrschende Diktatur, dazu gehörte auch das
Stadtgeklünge müssen dann ja logischweiser am schlimmsten sich gegenüber Freidenkern und Parteilosen benommen haben die nicht in den städtischen Zoo aus deren Sicht passten. Die Menschen vergessen zu schnell wer die wirklichen Affen sind....

15.05.2018 21:13 Morchelchen 4

Da wollen wir nur alle froh sein...
Schönen Abend noch allerseits!

15.05.2018 20:43 Peter 3

@1: Lieber Herr Willer, die Wörtchen "vor über" (80 Jahren) scheinen Sie überlesen zu haben.
Ich unterstelle, Sie meinen, die Statuen wären "Raubkunst" der Nazis.
Aber Sie irren: Die Kunstwerke wurden 1928 und 1932 angeschafft.
Ergo: keine Nazis, keine Raubkunst

15.05.2018 18:15 colditzer 2

"Der Frankfurter Kunsthändler Gebbing jr. hat bereits signalisiert: Er wolle die Kunstwerke nicht wirklich abholen und wäre auch mit einer Entschädigung zufrieden."

Die tonnenschweren Skulpturen auch noch abholen,
nee, so weit geht die Freundschaft dann doch nicht.
Das kostet ja richtig Geld.
Geld, Knete, Money will der smarte Herr nur sehen.
Hat er aber lange gebraucht, bis er auf den Dreh mit den Skulpturen kam.
Wem gehören sie denn nun wirklich?
Was wird denn das freundliche Gericht Im Namen des Volkes feststellen?

15.05.2018 15:25 Franz Willer 1

1938 wehte die NS- Fahne am Zoo.
Die Stadt soll die Augen zu machen, um sehen zu können was ihnen gehört.
Denken wir an die " herrenlosen Gründstücke"...
Dem Herrn sollte man entschädigen wie die NS- und DDR Opfer. Aber
alles aus der vollen Stadtkasse..