Friedliche Revolution 1989 Leipziger Lichtfest dieses Jahr nicht ganz so hell

Lichtfest auf dem Augustusplatz in Leipzig 2018
Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld

Das Leipziger Lichtfest zur Erinnerung an die Friedliche Revolution in der DDR wird in diesem Jahr nur im kleinen Kreis und zum Teil im Internet stattfinden. Grund ist die Corona-Pandemie, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Demnach wird es am 9. Oktober statt eines großen Festes auf dem Augustusplatz nur eine kleine Veranstaltung im Nikolaikirchhof geben. Zu ihr und zum traditionellen Friedensgebet in der Kirche sind den Veranstaltern zufolge nur 250 Teilnehmer zugelassen.

Teilnahmebewerbung möglich

Für 135 Plätze können sich interessierte Bürger per E-Mail im Pfarramt der Nikolaikirche bewerben. Die anderen Plätze werden unter anderem an Zeitzeugen und Ehrengäste vergeben, darunter an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz. Das Friedensgebet wird in diesem Jahr der Leiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Roland Löffler, halten. Für die Rede zur Demokratie hat der Direktor des Europäischen Solidarnosc-Zentrums im polnischen Danzig, Basil Kerski, zugesagt.

Kerzenpaten und erleuchtete Fenster

Nicht vor Ort, aber dennoch dabei sein, können die Menschen über das Internet und ihr Lokalfernsehen. Dort werden alle Veranstaltungen übertragen, auch das Leuchten der traditionell aus tausenden Kerzen bestehenden Zahl 89. Normalerweise werden sie von den Bürgern selbst entzündet und aufgestellt. Diesmal können die Menschen "Kerzenpate" werden und für einen Euro ein Teelicht kaufen, das für sie platziert wird.

Außerdem rufen die Organisatoren alle Leipziger auf, am 9. Oktober daheim Kerzen auf ihre Fensterbretter zu stellen, getreu dem diesjährigen Motto des Lichtfestes: "Zu Hause bleiben und doch dabei sein". Im Vorfeld wird es zudem vier kleine, individuelle Lichtfeste in verschiedenen Einrichtungen geben, so in einem Seniorenheim und in einem Kinderkrankenhaus.

 Der Anfang vom Ende der DDR

Am 9. Oktober 1989 hatte in Leipzig die bis zu diesem Zeitpunkt größte Montagsdemonstration stattgefunden. Rund 70.000 Menschen beteiligten sich an dem Protest gegen das SED-Regime in der DDR und liefen von der Nikolaikirche aus den Leipziger Stadtring ab. Seit 2009 erinnert die Stadt mit einem Friedensgebet, einer Rede zur Demokratie und dem Lichtfest an die damaligen Ereignisse.

Quelle: MDR/stt/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.09.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

2 Kommentare

Maria A. vor 5 Wochen

Wenn man sich in den letzten Wochen umgehört hat hinsichtlich des nahenden 30jährigen - so richtige Feierlaune kommt wohl in diesem Jahr kaum auf. Man kann sich vorstellen, dass sich genau deshalb das öffentliche Bedauern über die Beschränkungen beim Lichtfest in Grenzen halten könnten. Wie man einen seltsamen Schluckauf bekommt, wenn man liest, dass das Friedensgebet vom Leiter einer Landeszenrale für politische Bildung gehalten wird. Was natürlich Quatsch ist, also, das ungute Gefühl, aber es drängt sich auf, weil im Hinterkopf immer noch paar ungute Erinnerungen an "politische Zentralorgane" herum schweben. Und man für einen Moment geneigt ist, das Friedensgebet lieber von einem ehemaligen Bürgerrechtler zu hören, oder, im eigentlichen Sinne, von einem Pfarrer.

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