Vorstellung des Programms des 10. Lichtfestes in Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Programm vorgestellt 10. Lichtfest: So erinnert Leipzig an die Friedliche Revolution

Das Lichtfest in Leipzig sei wichtiger denn je, betonte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bei der Programmvorstellung des diesjährigen Lichtfests. In der zehnten Auflage der Gedenkveranstaltung geht es vor allem um doe Rolle von Frauen in der Gesellschaft. Zuletzt gab es Kritik aus Reihen der Opposition im Stadtrat - und die könnte für Veränderungen im kommenden Jahr sorgen.

Vorstellung des Programms des 10. Lichtfestes in Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Zum 10. Mal wird am 9. Oktober an den Tag der Friedlichen Revolution in Leipzig erinnert. Mit einem großen künstlerischen Programm aus Musik, Lesungen und Kunst setzen sich zahlreiche Künstler mit dem Tag auseinander.

Musikalisches Programm von Frauen gestaltet

Lichtfest auf dem Leipziger Augustusplat
Mehr als 15.000 Besucher formten im vergangenen Jahr eine aus brennenden Kerzen gestaltete "89", um an jenen für Leipzig und ganz Deutschland so wichtigen historischen Tag zu erinnern. Bildrechte: dpa

Das Motto "ich. die. wir." stellt das Thema Teilhabe in den Mittelpunkt, erklärte Marit Schulz, Leiterin des Lichtfests: "Die Menschen wollten mehr Teilhabe 1989 und wir stellen die Frage, wie es denn heute damit bestellt ist. Aus Anlass von 100 Jahren Frauenwahlrecht blicken wir vor allem auf die Rolle der Frauen in der Gesellschaft."

Das zeige sich unter anderem im musikalischen Programm: "24 Musikerinnen geleitet von einer Dirigentin legen den Fokus auf weibliche Komponistinnen. Dazu werden fünf Schauspielerinnen in anonymisierten Textpassagen Erinnerungen von Zeitzeugen rezitieren", beschrieb Schulz Teile des Programms. Die musikalische Leitung übernimmt in diesem Jahr die deutsch-französische Dirigentin Eva Meitner.

"Demokratie ist kein Selbstläufer"

Marit Schulz findet es wichtig, gerade in diesen Tagen ein Zeichen der Zivilcourage nach außen zu senden: "Leipzig steht für das Bild der Friedlichen Revolution. Gerade aktuell, wo ganz andere Bilder aus Sachsen gesendet werden, ist das ein wichtiges Signal, dass gerade auch hier Menschen sind, die sich für Demokratie einsetzen und bereit sind, für unsere demokratischen Werte zu kämpfen."

Vorstellung des Programms des 10. Lichtfestes in Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Es ist wichtig, sich an diesem 9. Oktober zu erinnern, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern immer wieder eingefordert werden muss.

Marit Schulz Leiterin des Lichtfests, Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Kritiker fordern engere Zusammenarbeit mit Bürgern

Zuletzt war Kritik laut geworden an der künstlerischen Ausrichtung des Festes. Der Bürgerrechtler Uwe Schwabe bezeichnete die Veranstaltung als "beliebig" und trat zu Beginn des Jahres aus der Initiative "Tag der Friedlichen Revolution" aus. Die Opposition stellte Anfang Juli einen Antrag auf eine verstärkte Zusammenarbeit der Organisatoren mit dem Stadtrat und den Bürgern. Dazu sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung: "Wir müssen mit dem Stadtrat darüber reden, was wir ändern, aber ich denke, dass wir das Format der künstlerischen Auseinandersetzung und des Erinnerns beibehalten."

Michael Kölsch, Sprecher Initiativgruppe "Tag der Friedlichen Revolution", erklärte MDR SACHSEN: "Die Kritik bezieht sich vor allem darauf, das Lichtfest böte zu wenig '89'. Wir haben uns damit auseinandergesetzt und überlegen, wie das Lichtfest in Zukunft noch mehr auf die zugeschnitten sein kann, die vielleicht Mühe haben, mit der künstlerischen Darbietung." Er könne sich gut vorstellen, dass es in Zukunft ein Forum im Lichtfest geben könnte, bei dem verdiente, prominente Bürgerrechtler Platz nehmen - aber eben auch solche, die nicht prominent sind, aber 1989 dabei waren. "Wir überlegen auch, ob es nicht doch einen Weg gibt, den Gang über den Ring eben nicht nur alle fünf Jahre möglich zu machen."

Zum 30. Jahrestag soll es im kommenden Jahr erneut einen großen Zug über den Leipziger Ring geben.

Das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz.
Bildrechte: Westend PR/Dieter Grundmann

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.08.2018 | ab 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 29. August 2018, 19:19 Uhr

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6 Kommentare

30.08.2018 16:39 Ist der sächsische Wald dran schuld, wenn er brennt? 6

Muss ich mich jetzt schämen, dass ich in Sachsen des Schattendeutschlands geboren
wurde?
Muss ich mich jetzt schämen, dass ich in Clausnitz im Erzgebirge in jenem Haus aufgewachsen bin, davor die Asylanten beleidigt wurden?
Muss ich mich jetzt schämen, dass ich in Chemnitz meine Arbeit und mein ertes Studium hatte?
Dann Sorry...
Muss ich mich jetzt schämen, dass ich am Connewitzer Kreuz in Leipzig meine Studentenbude hatte?
Muss ich mich jetzt schämen, dass ich in Dresden lebe?
Muss ich mich jetzt schämen, dass ich Verwandtschaft in Hamburg und Freunde in Rostock habe?

30.08.2018 16:22 karstde 5

Kommt mir alles bissl wie in der DDR vor. Da wurde auch alles bewegt, um ihre Ideologie und Meinungen als das einzig wahre hinzustellen. Diese Art der Politik mit ihren Handlangern bewirkt in diesem Land nichts gutes. Gelernt haben solche Truppen noch nie. Der Stein ist ins Rollen gekommen und wird immer schneller. Da ist es egal, ob man die Chemnitzer oder Sachsen als Nazis bezeichnet. Wer dies tut, sollte einmal schnell ein Geschichtsbuch nehmen und nachlesen, was ein Nazi ist. Wären das alle Nazis, hätten viele ein Problem. Und zwar ein gewaltiges.

30.08.2018 13:13 Spottdrossel 4

Dürfen auch Herren ohne Migrationshintergrund an der Veranstaltung teilnehmen?

[Natürlich, wenn sie Zeit und Lust dazu haben! Beste Grüße, MDR.DE_Red]

30.08.2018 13:02 Phrasenhasser 3

Leipzig ist "dank" Rückzug ehemaliger Wendedemokraten in Teilnahmslosigkeit oder Ruhestand zum Hoheitsgebiet linker Kräfte geworden. Die ehemalige Heldenstadt hat längst ihren Glanz verloren. Bereits das Thema ist aussagekräftig genug, denn anstatt der früher üblichen Würdigung der Friedlichen Revolution wird ein Lichtfest für Minderheiten daraus konstruiert, wo die in diesem Land bekanntlich generell das ganze Jahr über im Vordergrund von Politik und Medien stehen. Dies ist übrigens der einzige Unterschied zum allgemeinen DDR-Feeling, das mehr und mehr aufkommt, nicht nur angesichts der verfallenen Brücken, baufälliger Schulgebäude, maroder Straßen und nachlassender Lebensqualität.
Man könnte sich angesichts dieser Entwicklung tatsächlich vorstellen, dass bald gewisse Plakate wieder auftauchen, wie "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"...

30.08.2018 09:00 Rolf Konrad 2

Wieso Leipzig! Gibte es keine anderen Orte in Sachsen, wo die "Revolution" auch begonnen hat. Als die "große" Demonstration in Leipzig stattfand, waren entlang der Eisenbahnstrecke von Prag nach Hof, die Messen schon gelesen!!

29.08.2018 22:38 Paule 1

Glaube nicht, dass für das heutige D soviel auf die Strasse gegangen wären. Wer auf dem Bild war 1989 dabei?

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