09.10.2019 | 10:30 Uhr Leipzig feiert 30 Jahre Friedliche Revolution mit Lichtfest und neuen Glocken

70.000 Menschen demonstrieren am 9. Oktober 1989 in Leipzig für Freiheit und Demokratie. Sie rufen "Wir sind das Volk" und ziehen über den Innenstadtring. Die gewaltfreien Proteste gehen als entscheidender Durchbruch in die Geschichtsbücher ein. Leipzig gedenkt dieser Ereignisse jedes Jahr mit einem besonderem Fest, dem Lichtfest. Der optische Höhepunkt wird von den Besuchern des Lichtfestes am Mittwochabend selbst gestaltet: 12.000 Kerzen sollen den Schriftzug "Leipzig 89" aufleuchten lassen.

Demonstration auf dem Nikolaikirchhof in leipzig
Bildrechte: MDR/WDR/Christa Köfer

Leipzig feiert am heutigen Mittwoch mit zahlreichen Veranstaltungen 30 Jahre Friedliche Revolution. Der geschichtsträchtige 9. Oktober 2019 beginnt am Vormittag mit zahlreichen Veranstaltungen für Schüler. In der Runden Ecke können sie zu Gesprächen mit Zeitzeugen zusammenkommen. Der offizielle Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beginnt 11 Uhr im Gewandhaus und wird vom MDR im Internet live übertragen.

Friedensgebet wird live im MDR FERNSEHEN übertragen

Um 17:00 Uhr findet dann das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Dabei werden 30 Jahre Friedliche Revolution neu erklingen. Die 850 Jahre alte Kirche hat als Symbol des Umbruchs ein neues Geläut bekommen. Wenn es am Mittwochabend zum ersten Mal ertönt, wird ein Klang zu hören sein, den es so seit mehr als 100 Jahren nicht mehr gab. Denn die sieben Tonnen schwere Glocke Osana war 1917 für den Kanonenbau eingeschmolzen worden. Im Frühjahr wurden die verbliebenen drei Glocken aus dem Kirchturm gehoben. Das nun auf acht Glocken erweiterte Geläut wird nun erstmals erklingen.

An dem Friedensgebet, das vom MDR FERNSEHEN übertragen wird, werden neben Steinmeier auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und zahlreiche Zeitzeugen der friedlichen Revolution in der DDR teilnehmen. Die Predigt hält der evangelische Leipziger Superintendent Martin Henker. Mitgestaltet wird der Gottesdienst außerdem von je einer Vertreterin der Klimabewegung "Fridays for Future", der Dresdner Menschenrechtsorganisation "Mission Lifeline" und der Arbeitsgemeinschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Das Lichtfest selbst beginnt am Abend auf dem Augustusplatz. Aus zehntausenden Lichtern soll der Schriftzug "Leipzig 89" geformt werden. Als Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Lichtfestkonzeption wird der Innenstadtring mit Licht gestaltet. Dafür verwendet die Künstlerin Victoria Coeln eine vielfältige Lichtsprache.

Gysi-Auftritt umstritten

Umstritten ist eine Gedenkveranstaltung der Philharmonie in der Peterskirche. Als Redner wurde der Linken-Politiker Gregor Gysi eingeladen. Bürgerrechtler protestierten in einem offenen Brief heftig. Gysi habe als letzter SED-Chef die Revolution und Einheit versucht zu verhindern. Das Orchester spielt traditionell Beethovens 9. Sinfonie.

Ankunft des neuen, feierlich geschmückten Geläuts auf dem Nikolaikirchhof nach einem Umzug über den Leipziger Ring 45 min
Ankunft des neuen, feierlich geschmückten Geläuts auf dem Nikolaikirchhof nach einem Umzug über den Leipziger Ring Bildrechte: MDR/Schulz/Wendelmann Film

1 Kommentar

Maria A. vor 1 Wochen

Es wäre noch würdiger und feierlicher gewesen, wenn man das Jubiläum der Friedlichen Revolution ohne gesellschaftlich erhobenen Zeigefinger begangen und zum Friedensgebet in der Nikolaikirche vom Auftritt eines gewissen ehemaligen SED-Prominenten abgesehen. Ersteres hätte bei den "Ex-Ostlern" den bleibenden Eindruck hinterlassen, dass es hier wirklich mal um ihre Befindlichkeiten ging und letzteres wäre ein Entgegenkommen gewesen für dagegen protestierende und letztendlich enttäuschte Wendepartioten und -demokraten.

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