Mehrere hundert Leute protestieren in Leipzig gegen die Abschiebung eines Mannes.
Bildrechte: Jürgen Kasek

12.07.2019 | 10:18 Uhr Linken-Politiker Marco Böhme nach Protesten gegen Abschiebung bedroht

Mehrere hundert Leute protestieren in Leipzig gegen die Abschiebung eines Mannes.
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Der Leipziger Landtagsabgeordnete Marco Böhme (Die Linke) ist nach seiner Kritik an einer Abschiebung in Leipzig bedroht worden. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Zuvor hatte die "Leipziger Volkszeitung" berichtet. Der 29 Jahre alte Politiker ist nach eigenen Angaben von einem Unbekannten mit dem Tode bedroht worden. Auf Böhmes Webseite tauchte der Kommentar auf: "(...) Leider war die Polizei viel zu lieb, bei mir hätte es Maschinengewehrfeuer und Handgranaten gegeben! (...)" Der Politiker erstattete Anzeige. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Böhme hatte ein Video hochgeladen

Böhme hatte ein Video von den Geschehnissen am Mittwoch bei Twitter hochgeladen und das Vorgehen der Polizei kritisiert. Der Abgeordnete Böhme erklärte, sich nicht einschüchtern zu lassen. "Es muss in einer Demokratie möglich sein, mit friedlichen Mitteln gegen eine Abschiebung und die damit einhergehende Familientrennung zu protestieren. Und es muss möglich sein, den Verlauf einer Versammlung sowie das Agieren der Polizei zu dokumentieren und es kritisch zu hinterfragen", sagte Böhme.

Böhme: "Drohung gegen Politiker leider an der Tagesordnung

Der Politiker erklärte, er sei als Abgeordneter des Sächsischen Landtages vermehrt Anfeindungen ausgesetzt. Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige die Gefahr, die von Rechtsterroristen ausgeht. "Ich nehme das ernst", erklärte Böhme. "Drohungen gegen Politikerinnen und Politiker sind inzwischen leider an der Tagesordnung. Wir dürfen keinen Gewöhnungseffekt zulassen."

Marco Böhme (DIE LINKE)
Marco Böhme (DIE LINKE) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Etwa 500 Menschen hatten gegen Abschiebung demonstriert

Am Dienstagabend hatten rund 500 Menschen gegen die Abschiebung eines 23-Jährigen in Leipzig-Volkmarsdorf demonstriert. Durch eine Sitzblockade wollten die Demonstranten die Abschiebung verhindern. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, elf Beamte wurden leicht verletzt. Am Mittwochabend versammelten sich am selben Ort erneut mehrere Hunderte Demonstranten, um auf einer Kundgebung ihre Solidarität zu zeigen. Die Versammlung verlief nach Polizeiangaben überwiegend friedlich.

Quelle: MDR/dpa/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.07.2019 | ab 12 Uhr in den Nachrichten

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