Einstellungsoffensive LVB erhält Verstärkung auf Leipzigs Straßen

Die LVB braucht Personal. Mit dreimonatiger Verspätung fährt die Linie 10 ab Montag wieder im 10-Minuten-Takt. Auch beim Busverkehr herrschen Engpässe. Um die Lücke zu schließen, geht man jetzt ungewöhnliche Wege.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe suchen Nachwuchs. Vor allem die Altersstruktur macht dem Unternehmen zu schaffen. Viele Fahrer gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, und zu wenige rücken nach. Hinzu kommen der saisonbedingte Krankheitsstand und eine Vielzahl an Sonderveranstaltungen, wie Fußballspiele oder Konzerte, zu denen die Besucher befördert werden wollen.

"Ausfälle nicht zu vermeiden"

Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärte Arbeitsdirektor Michael Halberstadt: "Das ist für uns eine große Herausforderung. Wir müssen bis spät in die Nacht Sonderverkehre einrichten und die Spitzenlast auch am nächsten Morgen wieder bewältigen. Wir haben aufgrund von Baumaßnahmen sehr viele Schienenersatzverkehre. Das verdichtet sich mitunter zu der für unsere Kunden unschönen Situation, dass es Ausfälle gibt."

Ausfälle werden sich auch in der nächsten Zeit nicht gänzlich ausschließen lassen.

Michael Halberstadt Arbeitsdirektor LVB

Verstärkung aus Spanien

Nach dem Sommer kulminierte die Situation in unfreiwilligen Fahrplanänderungen. Die Linie 10 verblieb im Ferientakt und verkehrt weiterhin nur alle 20 statt der vorgesehenen zehn Minuten. Am kommenden Montag soll sich die Lage aber auch hier wieder entspannen. Um die Lage auch perspektivisch zu verbessern, greift die LVB zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: "Wir haben beschlossen, ab Januar externe Busfahrer zu beschäftigen. Wir werden zunächst fünf spanische Fahrer einstellen, die über ein Unternehmen deutschlandweit vermittelt werden. Derzeit sind sie in einer sprachlichen Vorbereitung. Unser Ziel ist es, im nächsten Jahr 15 weitere einzustellen. Wenn sich das als Erfolgsmodell herausstellt, können wir es ausweiten. Wir schauen aber auch in andere Kreise, um neue Bewerber zu finden, etwa Menschen mit Migrationshintergrund."

"Wachstumsschmerzen"

Die Stadt wächst und mit ihr der Bedarf an Transport. Deshalb plant die LVB, im kommenden Jahr insgesamt 185 neue Fahrer einzustellen und auch in den Folgejahren in einer Größenordnung von mindestens 80 pro Jahr, sagte Halberstadt. "Wir wollen auch ungewöhnliche Wege gehen, um Personal zu finden."

Straßenbahnfahrer aus Leidenschaft

Felix Heimlich ist durch die Rekrutierungsoffensive Anfang des Jahres ins Unternehmen gekommen. Der 32-jährige Leipziger hatte zunächst eine Ausbildung zum Koch gemacht und die letzten acht Jahre als Kaufmann im Einzelhandel gearbeitet, bevor er umsattelte. "Das war für mich schon als Kind damals in Leutzsch immer der Hammer, wenn die Tram um die Kurve gequietscht ist und alles hat geknattert. Deshalb habe ich mich beworben und nach vier Tagen kam schon die Einladung zum Kennenlernen. Das ging alles ganz zügig." Am 27. Februar, ging es dann los auf dem Straßenbahnhof Angerbrücke. 14 Tage Rangierdienst, eine "Schnupperkur", wie Heimlich es nennt, "wo man erstmal ein Gefühl bekommt für alles. Ich habe mich da gleich gut aufgenommen gefühlt vom Kollegium. Als wäre ich schon zehn Jahre dabei."

Die Theorie ist hart. Viel Stoff, viel Neues. Aber wenn man wirklich Interesse hat, klemmt man sich dahinter.

Felix Heimlich Straßenbahnfahrer

Komplexes Arbeitsfeld

Ein Lastwagen steht zur Hälfte auf der Straße, daneben ein Bagger. Dahinter warten zwei Straßenbahnen.
Straßenbahnfahrer müssen auf alles vorbereitet sein, um rechtzeitig reagieren zu können. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Sechs Monate später ist er immer noch hoch motiviert und reif für die Straße. "Unsere Fahrlehrer waren wirklich top. Wir werden auch danach weiterhin von unserem Fahrtrainer betreut und können rund um die Uhr anrufen, wenn wir Fragen haben." Heimlich hätte nicht gedacht, dass der Beruf des Straßenbahnfahrers so komplex ist. "Man hat eine ganz andere Sichtweise auf den Straßenverkehr. Wir werden auch auf alles vorbereitet und müssen ja nicht nur auf den Autoverkehr achten, sondern auch unsere Fahrgäste. Bevor ich da irgendwo auf die Eisen gehe, muss ich vorher schon sehen, dass ich rechtzeitig bremse. Wenn man da am Hauptbahnhof steht, die Fußgänger, die Ampeln, die Weichen und dann musst du los, du kannst hier nicht stehen bleiben, denn es kommt alle 30 Sekunden eine Bahn reingefahren. Wenn da einer hängen bleibt, ist das ganze System hinfällig." Als großen Pluspunkt bezeichnet er die flexiblen Arbeitszeiten. "Ich weiß über 52 Wochen im Voraus, wann ich frei habe und wann ich arbeiten muss. Das ist top."

Ich bin stolzer Leipziger und so kann ich für meine Stadt unterwegs sein.

Felix Heimlich Straßenbahnfahrer

Zukunftsperspektiven

Sechs Monate dauert die Ausbildung bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Anschließend folgen noch sechs Wochen, in denen die frisch gebackenen Fahrer sogenannte Lehrfahrten absolvieren. Heimlich träumt schon vom nächsten Karriereschritt: "Mein Ziel ist es, selber Fahrlehrer zu werden." Andere, wie Christoph Müller, leidenschaftlicher Busfahrer und Ausbilder bei der LVB, planen eine Weiterbildung zum Straßenbahnfahrer. "Die sogenannten Kombifahrer sind das höchste Gut, was wir haben, weil wir sie im ganzen Liniennetz einsetzen können."

Wer sich bei den Leipziger Verkehrsbetrieben bewerben möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen Pkw-Führerschein besitzen. Am Ende der Ausbildung winkt ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Für die Arbeitsverhältnisse gelten Tarifverträge, eine fünf Tage Woche und eine geregelte, feste Arbeitszeit, sagte Arbeitsdirektor Halberstadt. "Ein sicherer Arbeitsplatz mit Perspektive."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 26.11.2018 | ab 6:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 26. November 2018, 13:15 Uhr

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