Zum Weltfrauentag wurden die Gleichberechtigung in den europäischen Parlamenten diskutiert.
Bildrechte: MDR/punctum/Stefan Hoyer

MDR Europa-Konferenz | Tag 2 "Frauen, kämpft euch in die Parlamente!"

Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen beschäftigte am zweiten Tag die MDR Europa-Konferenz. Klar ist, dass es noch längst keine Gleichverteilung in Wirtschaft und Politik gibt. Wie lässt sich das ändern? Für MDR-Intendantin Karola Wille steht nach der Tagung fest: "Der Europa-Dialog muss intensiviert werden."

Zum Weltfrauentag wurden die Gleichberechtigung in den europäischen Parlamenten diskutiert.
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Diskussion: "Die Hälfte der Welt. Frauen in die Parlamente"

Im Deutschen Bundestag sitzen in dieser Legislaturperiode weniger Frauen als noch in der vorhergehenden. Der Frauenanteil liegt nicht einmal bei einem Drittel. Auch in der Wirtschaft sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Aber woran liegt das? Am Frauentag diskutierten sechs Frauen darüber, wie mehr Frauen in die Parlamente kommen können.

Elke Büdenbender, derzeit beurlaubte Richterin und Frau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Runde mit einem Impulsvortrag. Für sie steht fest: "Ohne Freiheit gibt es keine Demokratie. Und echte Freiheit gibt es erst mit der Freiheit von Männern und Frauen." Obwohl Frauen heute so gut ausgebildet seien wie nie zuvor, seien sie noch viel zu oft unterrepräsentiert. "Besonders Mütter erleben einen Karriereknick oder mit Beruf und Familie eine starke Doppelbelastung", so Büdenbender. Deshalb müssten strukturelle Hindernisse abgebaut werden, die verhindern, dass Frauen in Führungspositionen kommen oder Macht ausüben. In diesem Zusammenhang sei auch Bildung ein Schlüssel für ein besseres Leben.

Elke Büdenbender, Richterin und Frau des Bundespräsidenten Steinmeier.
Elke Büdenbender hielt einen Impulsvortrag zum Thema Gleichberechtigung. Bildrechte: MDR/punctum/Stefan Hoyer

Ich möchte alle Frauen auffordern, sich selbst für ihre Rechte einzusetzen, in den Ring zu steigen und den Machtkampf auszutragen. Denn: Frauenrechte sind eben ein Machtkampf.

Elke Büdenbender Richterin und Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Diesen Enthusiasmus begrüßte die rein weiblich besetzte Diskussionsrunde. Doch Petra Köpping, sächsische Staatsministerin für Gleichstellung (SPD), zweifelt am Kampfbegriff. "Frauen sind anders als Männer und überlegen viel intensiver, ob sie eine bestimmte Position annehmen", so Köpping. "Natürlich ist es ein Machtkampf, gerade in der Politik. Doch diesen Begriff scheuen viele Frauen."

"Eine Quote würde den Prozess beschleunigen"

Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des MDR und Marion Horn, Chefredakteurin der BILD am SONNTAG.
Karola Wille, Intendantin des MDR und Marion Horn, Chefredakteurin der Bild am Sonntag. Bildrechte: MDR/punctum/Stefan Hoyer

MDR-Intendantin Karola Wille blickte auch kritisch auf die Arbeit im eigenen Haus. "In den letzten Jahren haben wir uns angeschaut, welche Bilder wir selbst in den Medien produzieren. Zugespitzt gesagt verschwinden Frauen ab einem Alter von 30 Jahren vom Bildschirm und nur noch Männer erklären uns die Welt." Obwohl die Intendantin lange Zeit mit einer Frauenquote gehadert hat, befürwortet sie diese inzwischen: "Die Frage ist, ob uns eine gesetzliche Regelung hilft. Ich bin der Meinung, dass eine Quote den Prozess jedenfalls beschleunigen würde."

Einer solchen Quote hat Anna Cavazzini, mitteldeutsche Europakandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, ihre politische Karriere zu verdanken. "Natürlich muss man auch in solche Positionen wollen. Aber manchmal braucht es eben einen kleinen Anstoß", so Cavazzini. Marion Horn, Chefredakteurin der Bild am Sonntag, griff noch einmal das Thema Bildung auf. "Wenn wir glauben, dass das der Schlüssel ist, dann brauchen wir auch eine Quote für männliche Lehrer und Kindergärtner", so Horn. "Ich glaube, der Kontakt zu Männern hilft. So lernen Kinder diesen spielerischen Ehrgeiz, gewinnen zu wollen."

Frauen müssen kämpfen, verstehen und sich zeigen

Anna Cavazzini, EU-Spitzenkandidatin der Grünen in Mitteldeutschland diskutiert auf dem MDR Europa-Kongress.
Anna Cavazzini, EU-Spitzenkandidatin der Grünen in Mitteldeutschland, diskutiert auf der MDR Europa-Konferenz. Bildrechte: MDR/punctum/Stefan Hoyer

Doch wie kommen nun mehr Frauen in die Parlamente? Europakandidatin Anna Cavazzini sieht viele Chancen nach der Europawahl. "Im Juni wird angefangen, viele Spitzenposten zu verteilen. Nicht nur im Parlament, sondern auch als Beauftragte und in den EU-Kommissionen." Ihrer Meinung nach müssten die gewählten Frauen dann dafür kämpfen, die Posten zu übernehmen.

Karola Wille meint, dass Frauen auch klar werden müsse, dass Politik etwas ist, wo man gestalten kann. "Eben etwas, bei dem es nicht nur um Macht geht", so Wille. Marion Horn fordert außerdem, dass die Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen und in der Politik wichtig ist. "Frauen dürfen nicht mehr nur als Opfer dargestellt werden, sondern es muss auch gezeigt werden, dass sie etwas leisten und geleistet haben."

Konferenz-Fazit: "Der Dialog zwischen den europäischen Staaten muss stärker geführt werden"

Nach zwei Tagen und hitzigen Diskussionen rund um die europäischen Probleme und Sorgen bleibt die Frage, was man von der MDR Europa-Konferenz mitnehmen kann?

Für MDR-Intendantin Karola Wille ist klar geworden, dass der Dialog zwischen den Staaten intensiviert werden muss, schließlich stehe Europa vor großen Herausforderungen. "Zunächst müssen wir die Vielzahl inhaltlicher Aussagen sortieren und schauen, was das für unsere journalistische Arbeit bedeutet", so Wille. "Ich denke aber, dass wir als Mitteldeutscher Rundfunk gut damit beraten sind, wenn wir das Thema Ost- und Mitteleuropa und die Entwicklung dort immer wieder in den Fokus unserer Angebote stellen."

Viele der insgesamt zehn Gesprächsrunden werden in den kommenden Tagen bei Phoenix, dem Informationskanal von ARD und ZDF übertragen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 19:40 Uhr

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