Verkehr in Leipzig
Bildrechte: IMAGO

14.11.2019 | 17:15 Uhr Boomendes Leipzig sucht nach Lösungen für Pendlerverkehr

Verkehr in Leipzig
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Leipzig ist zurzeit die am schnellsten wachsende Stadt Deutschlands. Und Leipzig ist auch die Pendlerhochburg in Ostdeutschland. Volle Straßen, Staus, überlastete S-Bahnen und sogar Radwege - davon können Menschen, die in der Stadt unterwegs sind ein Lied singen. Verkehrsexperten und Politiker haben bei einer bundesweiten Konferenz in Leipzig, dem "Business Mobility Brunch", besprochen, wie sich Pendlerströme bewältigen lassen. Darunter auch, wie man das Umland und den ländlichen Raum in die mobile Entwicklung mit einbinden kann.

Die Visionen für Mobilität und Pendlerverkehr im Jahr 2030 klingen fast zu schön, um wahr zu sein: Stadt und Region in Bewegung halten, CO2 reduzieren, weniger Autos, keine Staus, keine überfüllten Züge, flexibel sein mit Bahn und Bus und das bei moderaten Preisen. Und doch sind Verkehrsexperten und Politiker davon überzeugt: genau das wird kommen. Stephan Heimlich vom Auto Club Europa ist einer dieser Optimisten: "Der ÖPNV insbesondere in den Städten wird eine herausragende Stellung haben. Er wird ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein für eine lebendige Stadt." Im ländlichen Raum werde das Auto noch eine bedeutendere Rolle spielen, aber: "Wir haben heute schon gute Beispiele, so im Landkreis Hof in Bayern. Dort habe ich die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche meine Reise zu organisieren ohne, dass ich ein eigenes Auto habe."

Rufbusse und Carsharing

Dort funktioniere das hauptsächlich über Rufbusse und Sharing-Angebote. "Auch in den Berliner Randgebieten gibt es einen Abholservice. Per App auf dem Smartphone kann man sich eine Mitfahrgelegenheit heraussuchen. Gibt es noch zwei oder drei Mitfahrende, kommt man auf ein Preisniveau, das zwar etwas höher ist als das eines ÖPNV-Tickets, aber es wird deutlich billiger ist als das Taxi."

Im Leipziger Norden wird gerade ein flexibles Rufbus-Projekt getestet. Steffen Lehmann vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund zufolge will man damit Wohngebiete auch in verkehrsschwachen Zeiten besser bedienen und Menschen zu ihren Arbeitsstätten bringen. Lehmann zum MDR: "Es ist eine App geschaffen worden in der man seinen Bus bestellt und dann an den jeweils gesetzten Haltestellen rausgelassen wird."

Die App Flexa kann sich jeder runterladen und ausprobieren. Auch an anderen Stellen wird geschraubt: Das S-Bahn-Netz in und um Leipzig-Halle soll erweitert werden, noch mehr Züge müssen fahren, mehr und bessere Radwege werden benötigt, E-Bikes sollen noch flexibler angeboten werden. Dafür sind natürlich Investitionen notwendig. Steffen Lehmann ist der Meinung, dass die Politik das Thema mittlerweile so ernst nimmt wie noch nie. "Getrieben durch die jungen Menschen, getrieben durch klimapolitische Ziele." Im Moment gebe es eine sehr gute Ausgangssituation dafür, den Nahverkehr im gesamten Bundesgebiet deutlich zu stärken.

Autonomes Fahren macht ÖPNV wettbewerbsfähig

Der Wille zur Investition scheint gegeben. Doch Nahverkehr muss auch passen für die Menschen: "Das Auto hat uns flexibel gemacht und daran haben wir uns dreißig Jahre lang gewöhnt", sagt Steffen Lehmann. Und noch scheint das Autofahren einigen attraktiver, ergänzt Stephan Heimlich: "Die Ticketpreise für ÖPNV-Angebote steigen regelmäßig, während die Parkgebühren in den Innenstädten relativ moderat bleiben." In Zukunft kann ÖPNV günstiger werden, sagt er. Das autonome Fahren werde diese Entwicklung befördern: "Diese Fahrzeuge werden Mitte der 2020er Jahre in Serie gehen. Stellen wir uns doch einfach mal einen öffentlichen Verkehr mit Bus, Straßenbahn und U-Bahn vor, der ohne Fahrer auskommt. Mit deutlich geringeren Personalkosten sind attraktive Preise möglich und dann werden die Menschen umdenken."

Und die Arbeitsplätze? Keine Sorge, meint Stephan Heimlich. Im ÖPNV gäbe es schon jetzt einen großen Personalmangel. Und mit der Verkehrswende und den sauberen Innenstädten entstünden auch neue Jobs. All diese positiven Visionen bedürfen freilich viel Arbeit und Geld, das wissen auch die Verkehrsexperten. Doch man müsse eben Festhalten an hohen Zielen, wenn man wirklich etwas erreichen wolle.

Quelle: MDR Wissen/Antje Uebel

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 17:17 Uhr

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