Musiklehrer protestieren auf einer Straße
Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

2. Sächsischer Musikschulkongress Musikschullehrer protestieren in Leipzig

Sachsen ist stolz auf die Dichte seines musikalischen Angebots an den öffentlichen Musikschulen. Doch viele der Musiklehrer dort sind frustriert. Sie kritisieren ihre Anstellung als Honorarkraft und die zu geringe Bezahlung.

Musiklehrer protestieren auf einer Straße
Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Anlässlich des 2. Sächsischen Musikschulkongresses in Leipzig haben am Sonnabend Honorar-Musiklehrer protestiert. Vor der Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" forderten die rund 100 Teilnehmer vor allem die Anerkennung ihrer Leistungen. Sie kritisierten unter anderem, dass mehr Honorarkräfte als Festangestellte an den öffentlichen Musikschulen tätig seien und dafür viel zu gering entlohnt würden. Laut Verband der Deutschen Tonkünstler wird der Musikunterricht gerade mal von einem Viertel festangestellter Musiklehrer abgedeckt. Ein weiterer Kritikpunkt war die deutlich schlechtere Position der Honorarlehrkräfte aufgrund ihrer Vertrags- und Rechtsstellung.
Auch der zunehmende Mangel an Fachkräften wurde thematisiert. Die stagnierende Nachwuchsgewinnung für Musikschullehrer zeige nur, dass der Beruf "Musiklehrer" unattraktiv sei.

Die musikalische Bildung der zukünftigen Jugend und der Erhalt unserer kulturellen Werte sind damit in ernster Gefahr.

Deutscher Tonkünstler Verband Landesverband Sachsen

Das Honorar für freiberufliche Musikschullehrer zum Beispiel in Leipzig liegt seit Januar 2018 bei 24 Euro pro Unterrichtseinheit, davor gab es jahrelang 20 Euro, Brutto wohlgemerkt. Zudem gibt es eine große Diskrepanz an den verschiedenen Musikschulen. Die meisten zahlen nur 20 Euro oder weniger. Abgerechnet dürfen außerdem nur Honorare in den Schulwochen. Sind Ferien oder fällt der Unterricht auf einen Feiertag, fallen die Honorare weg. Ebenso in Krankheitsfällen der Schüler und Musikschullehrer. Um eine Scheinselbständigkeit zu vermeiden, deckeln die meisten Musikschulen zusätzlich das Stundenkontingent. So dürfen viele Musikschullehrer nicht mehr als 14 Stunden pro Woche unterrichten.

Ein halbiertes Musikinstrument
Symbolhaft für das zu geringe Entgeld für die Honorarmusiklehrer wurden bei der Protestaktion Instrumente halbiert. Der Verband Deutscher Tonkünstler erklärte, die Honorarlehrkräfte würden verglichen mit festangstellten Kollegen nur die Hälfte bekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sorgen bekannt

Dass es immer schwerer werde, Nachwuchs für den Beruf des Musikschullehrers zu gewinnen, wisse man, sagte Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) bei der Eröffnung des 2. Sächsischen Musikschulkongresses in Leipzig.

Ich teile mit Ihnen die Sorge, dass wir auch zukünftig eine ausreichende Anzahl von Musikpädagogen haben.

Eva-Matia Stange Kunstministerin Sachsen

Sie wolle sich daher weiterhin dafür einsetzen, dass Sachsen Beschäftigungsverhältnisse anbieten kann, die attraktiv für hochqualifizierte Lehrkräfte sind. Gleichzeitig würdigte sie die Musikschulen als wichtigen Faktor für das gesellschaftliche und kulturelle Miteinander. Das Musizieren übe nicht nur die technischen Fähigkeiten und das musikalische Zusammenspiel, es erfordere auch ein intensives aufeinander Hören und einen respektvollen Umgang miteinander, so die SPD-Politikerin.

Der Sächsische Musikschulkongress wird unter anderem vom Verband deutscher Musikschulen veranstaltet. Im Landesverband Sachsen sind 25 Einrichtungen zusammengeschlossen. Rund 63.000 Kinder und Jugendliche werden dort unterrichtet. Nach Angaben des Landesverbands Deutscher Tonkünstler arbeiten in den sächsischen öffentlichen Musikschulen knapp 1.900 Musikschullehrer auf Honorarbasis.

Protestschilder
Die Honorarlehrkräfte fordern flächendeckend für Sachsen eine höhere Würdigung ihrer Leistungen, auch monetär, sowohl durch die Politik als auch durch den Verband deutscher Musikschulen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2018 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 08:55 Uhr

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