Werksgelände bei Porsche in Leipzig
Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch

22.05.2019 | 12:00 Uhr Porsche Leipzig für Nachhaltigkeit ausgezeichnet

Werksgelände bei Porsche in Leipzig
Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch

Den VW-Konzern mit grüner Unternehmensphilosophie zu verbinden fällt nach Dieselaffäre und Klimasünden schwer. Und doch wurde ein Teil des Konzerns am Dienstag für sein nachhaltiges Bemühen ausgezeichnet. Das Leipziger Porsche-Werk bekam die Platin-Plakette für seine besonders umweltfreundliche und energieeffiziente Produktion. Vergeben wurde es von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, DGNB. Gleich in 28 Kategorien erzielte der schwäbische Autobauer mit seinem Leipziger Werk die Bestnote - von Biodiversität über Ökobilanz, vom Umgang mit Ressourcen bis hin zu Klimaschutz.

Die Auszeichnung mit dem DGNB-Zertifikat in Platin ist der beste Beleg dafür, dass sich Porsche beim Bauen hohe Nachhaltigkeitsziele steckt und diese auch konsequent und transparent umsetzt.

Christine Lemaitre Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Es ist bereits die zweite Platin-Auszeichnung für Porsche. 2017 erhielt der Sportwagenhersteller die Bestnote der DGNB für Teile seines Stammwerkes in Stuttgart-Zuffenhausen. In ganz Sachsen sind bislang sieben Projekte von der Gesellschaft mit der Bestnote Platin ausgezeichnet worden.

Grün, grüner, Porsche

Seit der Eröffnung des Leipziger Porsche Werkes vor fast 20 Jahren investierte der Autokonzern einiges in sein grünes Image. Neben Exmoor-Ponys, Auerochsen und Bienen auf seinen Freiflächen wurden auf den Dächern des Karrosseriebaus von Macan und Panamera Photovoltaik-Anlagen installiert. Zusätzlich deckt ein direkt am Werk angesiedeltes Biomassekraftwerk den Wärmebedarf der Lackiererei zu 80 Prozent CO2-neutral ab. Damit werde die Produktion komplett mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben, erklärt Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold. Unter dem Motto "Green Logistics" rollen auch die fertig produzierten Sportwagen mit Öko-Strom auf Bahngleisen vom Gelände. Dass solche Maßnahmen fruchten, zeigt das Einsparpotenzial beim Strom. So hat der Autobauer nach eigenen Angaben seit 2015 mehr als 23 Gigawattstunden eingespart. Auch der CO2-Ausstoß konnte laut Reimold von 2014 bis 2018 um mehr als 75 Prozent reduziert werden.

Porsche Leipzig Beispiele einer nachhaltigen Produktion

Ein Mann hält eine Plakatte in der Hand, ein Mann und eine Frau stehen daneben.
Zwischen Auerochsen, Exmoor-Ponys und jeder Menge Bienen erhielt Gerd Rupp (l.), Chef des Leipziger Porsche Werkes, von Christine Lemaitre von DGNB (M.) die Platin-Plakete für nachhaltiges Bauen. Produktionsvorstand Albrecht Reimold (r.) freut sich über die Bestnote und will weiter umweltbelastende Emissionen reduzieren. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann hält eine Plakatte in der Hand, ein Mann und eine Frau stehen daneben.
Zwischen Auerochsen, Exmoor-Ponys und jeder Menge Bienen erhielt Gerd Rupp (l.), Chef des Leipziger Porsche Werkes, von Christine Lemaitre von DGNB (M.) die Platin-Plakete für nachhaltiges Bauen. Produktionsvorstand Albrecht Reimold (r.) freut sich über die Bestnote und will weiter umweltbelastende Emissionen reduzieren. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Fertigungshalle bei Porsche in Leipzig
Gebäudeeigene Photovoltaikanlagen gewinnen die Energie, mit der der Karosseriebau versorgt wird. Die Produktion am Standort Leipzig wird komplett mit Strom aus regenerativen Energiequellen betrieben. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungsstrecke bei Porsche in Leipzig
In einer der Montagestrecken werden die Fahrzeuge gekippt, gedreht oder auf den Kopf gestellt, um die Mitarbeiter körperlich zu entlasten. Der Boden im Montagebereich ist aus Holz. Da dieses Material bei Druck nachgibt, entlastet das die Gelenke. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungsstrecke bei Porsche in Leipzig
Das Exo-Skelett sieht aus wie ein Rucksack, nur ohne Sack. Entwickelt wurde es für Über-Kopf-Arbeiten. Dieses Hilfsmittel wird individuell auf den Arbeiter eingestellt und soll ihn entlasten. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungsstrecke bei Porsche in Leipzig
Der ergonomische Montagestuhl fährt den Arbeiter an die gewünschte Position. Bücken, kriechen, in enge Zwischenräume klettern entfällt. Arbeiten muss der Monteur aber dennoch in einer Taktzeit unter zwei Minuten. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungsstrecke bei Porsche in Leipzig
Der sogenannte Ergo-Lux-Tunnel spart dank LED-Technik und Lamellen, die das Licht spiegeln, bis zu 53 Prozent an Energie. In dem Tunnel werden die frisch lackierten Fahrzeuge geprüft, Schadstellen werden per Hand ausgebessert. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungsstrecke bei Porsche in Leipzig
Selbst der Stromverbrauch der Roboter wurde optimiert. Es gibt keine eckigen Bewegungen mehr, der Roboter fährt am Fahrzeug relativ flüssig entlang. Energiefressendes Bremsen und Beschleunigen entfällt. Zwölf Prozent Energie konnten so bislang eingespart werden. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Fertigungshalle bei Porsche in Leipzig
Das direkt am Werk angesiedelte Biomassekraftwerk deckt den Wärmebedarf der Lackierei zu 80 Prozent CO2-neutral ab. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
Teststrecke bei Porsche in Leipzig
Auch das ist Porsche. Das 132 Hektar große Offroad-Gelände ist Heimat von Exmoor-Ponys, Auerochsen sowie von einer Vielzahl von Vögeln und Insekten. Bildrechte: Porsche AG/Marco Prosch
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Wenn aus Lackresten Mörtel wird

Nach Konzerangaben wurde pro gebautem Fahrzeug der Wasserverbrauch um rund 20 Prozent gesenkt, bei der Energie waren es 30 Prozent und der Einsatz von Lösungsmitteln sogar um ein Drittel. So kommt in der Porsche-Lackiererei seit 2014 eine Steinmehlfilteranlage zum Einsatz. Diese scheidet die sogenannten Lackoversprays, also den überschüssigen Lack, mittels Steinmehl aus. Der Einsatz von Chemie und Wasser entfällt, da das Kalksteinmehl als natürliches Bindemittel für alle Lackarten fungiert. Am Ende wird das Steinmehl zu Mörtel recycelt. Auch die Roboter im Karosseriebau und die elektrischen Hängebahnen wurden so optimiert, dass sie deutlich weniger Strom benötigen - nämlich zwölf Prozent. In der Qualitätssicherung wurden LEDs statt Leuchtstoffröhren verbaut und so 53 Prozent Energie eingespart. In Sachen Nachhaltigkeit will der Autobauer noch weiter gehen. Ziel sei es, bei der Fertigung keinen ökologischen Fußabdruck mehr zu hinterlassen, erklärt Reimold. "Zero Impact Factory" nennt das der Konzern.

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - DGNB Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V., englisch German Sustainable Building Council, ist eine Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation, deren Aufgabe es ist, Wege und Lösungen für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken zu entwickeln und zu fördern. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen der Auf- und Ausbau eines Zertifizierungssystems für nachhaltige Bauten sowie die Vergabe eines Gütesiegels Nachhaltiges Bauen in den Qualitätsstufen Gold, Silber und Bronze. Im September 2015 hat die DGNB die Auszeichnungslogik bei der Zertifizierung von Gebäuden und Stadtquartieren erneuert. Die höchste Bewertungsstufe ist seitdem das Platin-Zertifikat. Die Gesellschaft wurde 2007 von 16 Organisationen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft gegründet. Nach eigenen Angaben hatte die Gesellschaft im Dezember 2015 mehr als 1.200 Mitglieder bzw. Mitgliedsorganisationen.


Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2019 | 16:50 Uhr

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