Nashornkuh Nandi auf der Kiwara
Bildrechte: Zoo Leipzig

Artenschutz Nashorn Nandi erreicht England kurz vor dem Brexit

Nashorndame Nandi ist am Mittwoch vom Leipziger Zoo ins britische Twycross umgezogen. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Grenzen am 29. März schließen. Wie es danach mit dem Artenschutz in Europa weitergeht, ist unklar.

Nashornkuh Nandi auf der Kiwara
Bildrechte: Zoo Leipzig

Die Nashorndame Nandi hat den Leipziger Zoo verlassen und ist am Mittwoch in Mittelengland angekommen. Im Zoo von Twycross soll sie fortan für Nachwuchs sorgen. Ein Umzug im Rahmen des Artenschutzes: Spitzmaulnashörner sind vom Aussterben bedroht, die Exemplare im Zoo sind längst eine wichtige Reserve geworden.

Neues Zuhause in Twycross

Die Nashornkuh Nandi wurde vor zwanzig Jahren in Leipzig geboren, bekam hier aber nur einmal Nachwuchs. Für die stark bedrohte Tierart nach Ansicht des Europäischen Zuchtprogramms zu wenig. Sie bekommt nun einen neuen Partner in Großbritannien. Der aufwändige Transport in einer per Kran verladenen Spezialbox ging am Dienstag auf Reisen und ist wohlbehalten angekommen, berichtete der Zoo.

Verladungssituation bei Nashornkuh Nandi
Mit Kran und LKW: Nashornkuh Nandi geht auf Reisen Bildrechte: Zoo Leipzig

Artenschutz nach dem Brexit

Für die Artenschützer war dies eine Punktlandung. Am 29. März schließen die Grenzen: Großbritannien plant den Ausstieg aus der europäischen Union. Wie in vielen Bereichen herrscht auch bei den europäischen Zoos Ungewissheit über die Folgen des Brexit.

Dabei ist der Austausch zwischen den Zoos essentiell, um den Genpool für den wichtigen Nachwuchs zu vergrößern, sagt Carolin Kade, Primatenforscherin am Leibnitz-Institut in Göttingen. "Das Nashorn ist ein wichtiges und trauriges Beispiel für den Artenschutz. Sein Horn ist begehrt in Teilen Asiens. Ein Kilogramm des daraus gewonnenen Keratin-Pulvers ist mehrere tausend Dollar wert." Deshalb sind die Östlichen Spitzmaulnashörner ebenso wie die Breitmaulnashörner vom Aussterben bedroht.

Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms soll mit Nandi in Twycross eine neue Zuchtgruppe aufgebaut werden. In Leipzig verbleiben Bulle Ndugu und die beiden Kühe Saba und Serafina. Der kleine Nashornbulle Sudan kam am Ende 2017 zur Welt und entwickelt sich prächtig, so der Zoo.

Jede Nachzucht ist bedeutsam im Kampf gegen die Ausrottung dieser Dickhäuter.

Jörg Junhold Direktor Zoo Leipzig

Zukunft unklar

Mit Inkrafttreten des Brexit kommt auf die europäischen Artenschützer nun eine große Hürde zu. Derzeit sind die Zollbestimmungen innerhalb der EU klar geregelt. Hygienekontrollen sind dank europäischer Richtlinien hinfällig. Europaweit herrschen hohe Standards. Mit dem Austritt Großbritanniens werden die Grenzkontrollen nun drastisch zunehmen, befürchtet Volker Homes, Geschäftsführer des deutschen Verbandes der zoologischen Gärten. "Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt. Die Briten haben bisher wenig geregelt." Durch die zusätzlichen Kontrollen werden die Transporte in jedem Fall deutlich länger und anstrengender für die Tiere.

Weltartenschutztag Zoo Leipzig
Nashornnachwuchs Sudan wurde gerade ein Jahr alt und entwickelt sich prächtig, so ein Zoosprecher. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Transport schwieriger

Trotzdem sieht Homes den Artenschutz in Europa durch einen Austritt Großbritanniens nicht gefährdet. "Wir haben in Europa genügend Zoos, das sollte auch ohne die Briten klappen." Außerdem betont er: "Die rund 100 britischen Zoos, die sich an den Artenschutzprogrammen beteiligen, scheiden wegen des Brexits nicht daraus aus. Nur der Transport wird wesentlich schwieriger. Außerdem ist vieles im Veterinärrecht und den Arten- und Tierschutzbestimmungen noch unklar."

Zusätzliche Bedrohung

Auch beim Leipziger Zoo herrscht Ungewissheit, solange die Verträge nicht final verhandelt sind und "überhaupt irgendetwas feststeht", teilte eine Sprecherin MDR SACHSEN mit. Kirsten Pullen, Leiterin des britischen und irischen Verbands der Zoos und Aquarien, warnt davor, dass besonders Tiere mit einer kurzen Lebensdauer durch den langwierigen Transport gefährdet sein könnten.

Geschlossene Grenzen

Zuletzt berichtete die britische Tageszeitung Mirror von zwei misshandelten Löwen, die im spanischen Alicante aus einem Zirkus gerettet wurden. Eigentlich sollten die Tiere auf die Isle of Wight transportiert werden, wo sie im Zoo ein sicheres Zuhause finden sollten. Ob der Transport vor dem 29. März ermöglicht werden kann, sei aber derzeit noch unklar, berichtet der Wildheart Trust, der die Auffangstation betreibt. Die Perspektive, dass die Tiere in kilometerlangen Staus vor der Grenze festsitzen, bereitet den Verantwortlichen Sorge.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.03.2019 | ab 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 10:01 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen