16.08.2018 Sachsen, Leipzig: Zwei wegen besonders schweren Landfriedensbruchs Angeklagte betreten vor Prozessbeginn einen Gerichtssaal im Amtsgericht.
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Amtsgericht Leipzig Erster Verhandlungstag um Connewitz-Krawalle beendet

Januar 2016: Während die Polizei in der Leipziger Innenstadt eine Legida-Demo absichert, randalieren im linken Szeneviertel Connewitz 200 Neonazis in Leipzig und hinterlassen einen Schaden im sechsstelligen Bereich. Fünf Polizisten werden verletzt. Zweieinhalb Jahre danach beginnt die juristische Aufarbeitung. Seit Donnerstag sitzen die ersten beiden mutmaßlichen Täter auf der Anklagebank.

16.08.2018 Sachsen, Leipzig: Zwei wegen besonders schweren Landfriedensbruchs Angeklagte betreten vor Prozessbeginn einen Gerichtssaal im Amtsgericht.
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Zum Prozessauftakt um die schweren Ausschreitungen von Hooligans und Neonazis in Leipzig vor zweieinhalb Jahren haben zwei Angeklagte Aussagen zum Tatvorwurf verweigert. Die 26-Jährigen müssen sich seit Donnerstag wegen besonders schweren Landfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten.

Hohes Medieninteresse

Der Prozess hatte am Morgen unter erhöhten Sicherheitsbedingungen und mit etwa 20-minütiger Verspätung begonnen. Mit dem hohen Medieninteresse hatte das Amtsgericht offenbar nicht gerechnet. Weil nicht alle Pressevertreter in den Verhandlungsraum gepasst haben, wurden einige von ihnen weggeschickt.

"Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet"

Als Zeugen hatte das Gericht Polizisten und Anwohner geladen, die Situation am 11. Januar 2016 schilderten. Es fielen Hooligan-Schlachtrufe, berichtet ein Anwohner. Ein Polizeibeamter meinte, "es sah aus wie in einem Kriegsgebiet". Die Täter seien ganz klar als Rechte erkennbar gewesen, berichtet ein Dritter. Eine der festgesetzten Personen rief den Einsatzkräften zu: "Verpisst euch, wir sind wegen den Zecken hier. Nicht wegen euch."

Polizisten stehen am 11.01.2016 im Stadtteil Connewitz in Leipzig (Sachsen) vor zerbrochenen Fensterscheiben und verwüsteten Müllcontainern. Rund 250 vermummte Hooligans haben am Montagabend in dem Leipziger Stadtteil randaliert.
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Ein anderer Polizeibeamter betonte, einige der Randalierer bereits bei früheren Einsätzen auf rechten Demonstrationen oder Fußballspielen gesehen zu haben. Ein Anführer sei nicht zu erkennen gewesen. Wie ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) berichtete, sei einer der Angeklagten der Fanszene von LOK Leipzig zuzuordnen. Andere entdeckten bekannte Gesichter unter den Festgesetzten aus der Fanszene von Dynamo Dresden. Unter den Zeugen war auch ein aktuell in der JVA Torgau inhaftierter Mann. Er wird ebenfalls wegen des Angriffs beschuldigt und schwieg zu den Vorkommnissen.

Verurteilung in Dresden

Zwei Beamte des LKA berichteten über ihre Ermittlungen zur rechtsextremen "Freien Kameradschaft Dresden". Im August 2017 verurteilte das Landgericht Dresden ein Mitglied, das an den Connewitzer Krawallen beteiligt war, wegen mehrerer Straftaten zu insgesamt drei Jahren und acht Monaten Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mit Äxten und Eisenstangen randaliert

Laut Leipziger Staatsanwaltschaft sollen die beiden Angeklagten am Abend des 11. Januar 2016 zusammen mit 250 bis 300 weiteren Randalierern schwarz gekleidet und vermummt durch den linksgeprägten Stadtteil Connewitz gezogen sein. Mit Äxten, Schlagstöcken, mit Nägeln besetzten Holzlatten und Eisenstangen demolierten sie insgesamt 25 Geschäfte, Bars und andere Einrichtungen. Böller und Leuchtraketen wurden gezündet, ein Dachstuhl geriet in Brand. Die Täter zertrümmerten auch die Scheibe eines Dönerlokals, warfen einen Sprengkörper hinein und entwendeten die Kasse. Laut Staatsanwaltschaft entstand ein Sachschaden von 113.000 Euro. Die Polizei setzte mehr als 200 Tatverdächtige fest.

Die Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Links-Fraktion im sächsischen Landtag, Juliane Nagel, erhofft sich von dem Prozess eine Signalwirkung. "Es geht nicht nur um eine Tat - sondern um eine gewalttätige überregionale Neonazi-Vernetzung, die endlich ausgeleuchtet und zerschlagen werden muss." Die Tat sei eindeutig politisch motiviert gewesen, die Beteiligten wollten offenbar die linke Szene treffen. "Tatsächlich demolierten sie in einer krassen Gewaltorgie zahlreiche Geschäfte und Privatautos, beschossen Wohnhäuser mit Pyrotechnik, schüchterten Anwohner ein."

Mehr als 200 Angeklagte

Auf der Anklagebank sitzen zunächst zwei der mutmaßlich über 200 Täter. Für die Verhandlung sind nach Auskunft eines Gerichtssprechers zunächst zwei Tage angesetzt. Ein Urteil wird am kommenden Donnerstag erwartet. Mehr als 90 weitere Prozesse mit insgesamt 202 Angeklagten folgen.

Quelle: MDR/dpa/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.08.2018 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 16. August 2018, 20:46 Uhr

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48 Kommentare

18.08.2018 20:27 Kritischer Bürger 48

Also Fazit: Rechte Radikale sind genau so schlimm wie linke Radikale und bei letzeren wird wohl nicht all so viel Wirbel gemacht in der Öffentlichkeit! Was meinen all die Befürworter wie das bei Bürgern ankommt? Bestimmt mit heller Freude das es mal so richtig "heiss auf den Strassen" zugehen tut! Hier sollte also NIEMAND NUR IMMEN DIE EINEN VERDAMMEN und die ANDEREN verschweigen gerade bei den entsprechenden Verbrechen!

18.08.2018 20:23 Kritischer Bürger 47

@Mediator 44: +...69 verletzte Polizisten, 23 Demonstranten in Gewahrsam: Das ist die Bilanz schwerer Ausschreitungen von Linksextremisten am Rande einer Neonazi-Demo in Leipzig. Politiker sind entsetzt....+
+...Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden Polizisten aus einer Menge von etwa 1000 Menschen heraus „massiv“ angegriffen....+ (Quelle: Tagesspiegel 13.12.2015)
+...69 Beamte seien verletzt, 50 Dienstfahrzeuge beschädigt worden, hieß es weiter....+

Diese Randalierer haben sich dann wohl auch nur so zusammengefunden und wofür dann Ihre Worte gelten:
+...aus dem gesamten Bundesgebiet dazu anreisen und diese dann im Schutz einer Gruppe begehe, oder ob hier ein einzelner Täter sich im Affekt oder spontan zu einer Straftat hinreist....+

Also auch merkwürdige Rechtsauffassung oder wie Sie es schreiben:
+...Das ist eine typische Argumentation um eigene Verbrechen oder die einer genehmen Gruppe zu relativieren....+
Nur hier werden linke Straftaten relativiert oder nicht?

18.08.2018 20:13 Klara Morgenrot 46

Wo sind die Ursachen zu suchen?
Keine Kulturangebote in der Stadt dort?Linke oder rechte Gesinnung?
Wer kann das 100% bestätigen?
Neonazi? Ja oder Nein?
Alles zu oberflächlich hier ohne Tiefgang. An die Gesetze muss man sich aber halten, wenn nicht, ab zum Gericht auf die Anklagebank.
Bis dahin sind alle unschulig bis zum Urteil.

18.08.2018 20:10 Kritischer Bürger 45

@42: +...Wer die 'Gefahr von rechts' trivialisiert, hat aus der Geschichte nichts gelernt....+
Wer die Rechtbrechung der gesellschaftlichen Ordnung, durch Auslegung von eigenem Gesetzesverständnis missachtet und Sicherheitskräfte angreift, genau so wie seine eigene politische Überzeugung anderen aufzudrängen, hat auch nichts aus der Geschichte gelernt und diese Geschichte liegt mal gerade einiges mehr als 30 Jahre zurück! Während die von Ihnen angeführte Geschichte über 70 Jahre zurückliegt! Also kann niemand sich irgend etwas herausnehmen!
@43: +...MMn. sind Deine Äußerungen für die Gesellschaft höchst toxisch!...+
Vllt soll es auch ein wenig ätzend sein, damit man auch mal dazu übergeht gleiches Recht FÜR ALLE, gleiche Pflichten für ALLE und der Umstand, VOR DEM GESETZ SIND ALLE GLEICH konsequent umzusetzen!
Nur wer als Anwalt nach den NUR POSITIVEN Rechtslagen für seinen Mandanten sucht und diese im Gesetz findet dann sind die Gesetze NICHT EINDEUTIG GENUG!

18.08.2018 15:40 Mediator an Kritischer Bürger(39) 44

Selbstverständlich ist kein Verbrechen etwas positives, aber es macht doch schon einen Unterschied aus, ob ich mich wie im Fall der Neonaziausschreitungen von Connewitz für eine Straftat verabrede, aus dem gesamtenBundesgebiet dazu anreise und diese dann im Schutz einer Gruppe begehe, oder ob hier ein einzelner Täter sich im Affekt oder spontan zu einer Straftat hinreist.

Der Rest ihres Beitrags sind dumpfe Verschwörungstheorien wer angeblich in unserem Staat Verbrechen begehen darf ohne dass die Polizei ermittelt und die Staatsanwaltschaft anklagt. Das ist eine typische Argumentation um eigene Verbrechen oder die einer genehmen Gruppe zu relativieren.

18.08.2018 12:13 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 43

@ 40:
"Wird das so sein das rechte wie Linke wie auch Zugewanderte gleichermaßen abgestraft werden für Verbrechen dann kann man auch von mir lesen das ich wieder EIN WENIG VERTRAUEN zur Gerichtsbarkeit sowie zu den Rechtslagen in Form von Paragrafen und verkündeten Urteilen haben würde."

Den 'anständigen Bürger' macht aus, daß er seine 'Hingabe' zur Rechtsstaatlichkeit nicht von anderen Umständen abhängig macht, denn nur daraus kann ein gesellschaftliches Vertrauen zur Rechtsstaatlichkeit entstehen.
MMn. sind Deine Äußerungen für die Gesellschaft höchst toxisch!

18.08.2018 12:09 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 42

@ 39:
Zitat "Die Zusammenhänge will man nicht sehen weil es eben auch hier nur gegen rechts zu gehen hat!"

Wer die 'Gefahr von rechts' trivialisiert, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

18.08.2018 10:31 psteffen 41

@ Krause 32

Zitat „Du meinst also, "Linke" machen sich die Mühe, Menschen, gegen die sie eigentlich nichts haben, religiös auszugrenzen, um diese Ausgrenzung den Rechten anzulasten?“

Nein ,diese Linken tun es nicht um den Rechten etwas anzulasten sondern weil sie Antisemiten sind.

Auch wenn es nicht in dein Weltbild passt ,Antisemitismus ist in der Linken Szene weit verbreitet.

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17.08.2018 22:41 Kritischer Bürger 40

Nun es wird ja in kommenden Monaten oder Jahren auch wieder Demos geben und Polizei zum Einsatz kommen, wieder ggf. Sitzblockaden oder brennende Container geben, mal sehen wie dann die so gerechte Gerichtsbarkeit, wie Ermittlungsbehörden mit solchen Fällen dann umgehen! Es bleibt zu hoffen auch aus der Gerechtigkeit heraus das dann auch entsprechende Verfahren anhängig werden und Täter verurteilt werden! Wird das so sein das rechte wie Linke wie auch Zugewanderte gleichermaßen abgestraft werden für Verbrechen dann kann man auch von mir lesen das ich wieder EIN WENIG VERTRAUEN zur Gerichtsbarkeit sowie zu den Rechtslagen in Form von Paragrafen und verkündeten Urteilen haben würde.

17.08.2018 22:18 Kritischer Bürger 39

@Mediator 38: +... der seine Straftat i.d.r. im Affekt begeht. ...+ Schön wie Sie es erklären ganz nach eigener Meinung und Überzeugung. So wird es ja auch oft genug hingestellt doch am Ende ist jede Auseinandersetzung (wie die kürzlich in Magdeburg-Hasselbachplatz) JA NUR EINE AFFEKTHANDLUNG oder der letzte Mord an einen Arzt durch einen Somalischen Asylsuchenden auch nur eine Affekthandlung, die Toten auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, auch nur Affekthandlung. Soll ich noch weitere vortragen. Ich denke darüber sollten Sie mal selbst etwas nachdenken wenn Sie nur mal das Spektrum der Verbrechen in Ihren Vergleich mit einbeziehen! Ich denke Verbrechen sind und bleiben Verbrechen nur die Beweise sind in einigen Fällen viel zu oft UNAUFFINDBAR oder eben Unzureichend und das trifft dann auch immer für eine besondere poli. Gruppe zu. Die Zusammenhänge will man nicht sehen weil es eben auch hier nur gegen rechts zu gehen hat! Zerstörung von Bahnsicherungsanlagen nicht an irgend einem Tag.

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