Das autonomen Kulturzentrum ''Black Triangle'' aufgenommen am 31.8.2017 in Leipzig, Sachsen.
Das "Black Triangle" vor der Räumung Bildrechte: dpa

27.08.2019 | 14:39 Uhr "Black Triangle" in Leipzig wird Kulturzentrum

Auf dem lange besetzten Bahngelände an der Arno-Nitzsche-Straße entsteht ein Kulturzentrum mit zwei Leipziger Clubs. Die Situation in der Clubszene der Stadt bleibt jedoch weiterhin angespannt.

Das autonomen Kulturzentrum ''Black Triangle'' aufgenommen am 31.8.2017 in Leipzig, Sachsen.
Das "Black Triangle" vor der Räumung Bildrechte: dpa

Die Euphorie war gebremst am Montagabend in der Distillery. Am Sonntag war bekannt geworden, dass der Leipziger Club gemeinsam mit dem TV-Club ein Kulturzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Umspannwerks an der Arno-Nitzsche-Straße plant. Das zeitweise besetzte Gelände war zuletzt als "Black Triangle" in den Medien. Doch Steffen Kache, Mitbegründer und Betreiber der Distillery, kann derzeit noch nichts Endgültiges verkünden: "Es ist alles noch in der Schwebe."

Zukunft gefährdet

Sicher ist, dass der älteste Techno-Clubs Ostdeutschlands spätestens 2022 umziehen muss. Die Räumlichkeiten an der Kurt-Eisner-Straße sind durch die Erschließung des neuen Wohnquartiers am Bayerischen Bahnhof gefährdet. Eine Wohngegend und ein Club gehen nicht zusammen, sagen die Investoren. Auch der TV-Club muss im Frühjahr sein Quartier auf dem Eutritzscher Freiladebahnhof verlassen. Auch hier entsteht ein großes neues Wohnprojekt.

"Clubs vor dem Bagger retten"

Eine Situation, wie sie zwischenzeitlich vielerorts anzutreffen ist. "75 Prozent der Clubs in Leipzig sind bereits geschlossen", sagt Kache. "Zuletzt hat es das 'So & So' in Eutritzsch erwischt." Deshalb hat sich mit der IG Livekombinat eine Interessengemeinschaft der Leipziger Musik-Spielstätten gegründet, zu der auch die Distillery gehört. Luise Amtsberg, Bundestagsabgeordnete für die Grünen, geht es darum, das Image der Clubs auf Bundesebene zu verbessern. "Die Clubs fallen gesetzlich immer noch unter die Vergnügungsstätten, haben aber mit Spielhallen oder Table-Dance-Bars nicht viel zu tun. Deshalb wird es höchste Zeit, Clubs als Kultur einzuordnen."

Menschen unter einem Zeltdach vor einer Bar am Abend.
Bis 2022 muss die Distillery ihre Räumlichkeiten in der Kurt-Eisner-Straße verlassen. Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Spannungsfeld Wohnungsmarkt

Dabei hat sich das Ansehen der Clubs in Leipzig in den letzten Jahren deutlich gebessert, unterstreicht Grünen-Politiker Jürgen Kasek. "Das Problem der Sperrstunde ist erstmal vom Tisch. Da hat der massive Widerstand der Leipziger etwas bewirkt." Er sieht in den Existenzproblemen vor allem ein Symptom der Entwicklung des Leipziger Wohnungsmarktes. "Der Raum wird weniger und enger und das, was wir haben, droht ohne Ersatz zu verschwinden. Vorher war es okay, dass es laut war. Jetzt wird es zum Problem. Es geht darum, dieses Spannungsfeld zu beseitigen."

Wir müssen wegkommen von der Frage, welche Rendite bringt das Ganze, sondern vielmehr nach dem gesellschaftlichen Wert fragen. Nicht alles im Leben lässt sich Verökonomisieren. So funktioniert Gesellschaft einfach nicht.

Jürgen Kasek Bündnis90/Die Grünen

Eigentum als Lösung

Die Entwicklungen rund um das "Black Triangle" wertet Kasek als ein gutes Signal. "Die beste Lösung ist, wenn Kulturräume auch Eigentum der Kulturmacher sind, denn dann sind sie am sichersten und nicht abhängig von Mietverträgen." Geplant ist die Einrichtung einer Stiftung, die eine nicht-kommerzielle Nutzung auch in Zukunft absichern würde, heißt es von Seiten der Initiatoren. Neben den Clubs könnte es Raum für Künstlerateliers und Proberäume geben. Am 19. September wollen die Initiatoren das Konzept im UT Connewitz vorstellen und weitere Ideen der Anwohner sammeln.

"Black Triangle" Das Gleisdreieck an der Arno-Nitzsche-Straße war zuvor als "Black Triangle" bekannt geworden. Seit 1994 stand das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück leer. 2016 hatte sich dort das "Kulturkollektiv Arno-Nitzsche" angesiedelt. Die besetzten Gebäude wurden im Januar dieses Jahres von der Polizei geräumt.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.08.2019 | ab 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2019, 14:40 Uhr

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