Fahrradstadt Leipzig
Bildrechte: MDR/Lars Tunçay

Neu ab 8. März 2019 Parkverbot in Leipziger Jahnallee

Die Jahnallee im Leipziger Waldstraßenviertel ist eigentlich eine vierspurig ausgebaute Straße. Doch Kurzzeitparker besetzen regelmäßig eine Fahrspur. Das engt den Verkehr ein und lässt die Unfallzahlen steigen. Nun zieht die Stadt Konsequenzen.

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Über die Verkehrssicherheit in der Inneren Jahnallee in Leipzig wird schon länger diskutiert. Nun hat das Verkehr- und Tiefbauamt der Stadt eine Entscheidung gefällt, wie der Verkehr auf der stark frequentierten Strecke künftig geregelt werden soll. Das geht aus einem Schreiben der Stadt an den Bürgerverein Waldstraßenviertel hervor. Demnach soll zwischen Waldplatz und Leibnitzsstraße nicht mehr geparkt werden dürfen. Kurzzeitparkplätze sollen dafür in die Seitenstraßen der Jahnallee verlagert werden. Dadurch wird die Straße faktisch wieder vierspurig. Zudem soll die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert und die Ampelschaltung entsprechend angepasst werden. Für Händler werden drei Bereiche ausgewiesen, in denen sie wochentags von 9 bis 14 Uhr beliefert werden können. Die Maßnahmen sollen nach Angaben der Stadt bis zum 8. März umgesetzt werden.

Die Stadtverwaltung hat ihre Entscheidung mit den Unfallzahlen begründet. Eine Analyse habe ergeben, dass ein Großteil der dortigen Unfälle mit Personenschaden "mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen wären, wenn der ruhende Verkehr dort nicht zugelassen gewesen wäre", hieß es in dem Schreiben.

Händler befürchten Einbußen

Die Streichung der Kurzzeitparkplätze in der Inneren Jahnallee stößt vor allem bei den Händlern auf Kritik. Robert Maihöfner, Betreiber eines Spätverkaufs und Imbisses, sagte MDR SACHSEN: "Die Entscheidung bedroht die Existenzgrundlage der Händler, sorgt für Lieferschwierigkeiten und führt zu Unmut bei der Stammkundschaft". Maihöfner vertritt die rund 60 Gewerbetreibenden in der Straße. Er erklärt: "Meine Kollegen und ich teilen diese Ängste, leider bleiben wir damit gänzlich ungehört."

Maihöfner hofft, dass das Verkehrs- und Tiefbauamt eine angemessene Frist einräumt. Es sei absolut unmöglich und utopisch, innerhalb von ein paar Tagen allen Lieferanten Bescheid zu geben, und von denen zu verlangen, dass sie ihre Tourenplanung so umstellen, dass alle Händler nur noch vormittags und in gänzlich unbekannten Lieferzonen beliefert werden sollen, kritisiert der Händler.

Das ist überhaupt nicht praktikabel. Das Verkehrs- und Tiefbauamt sollte uns der Fairness halber eine Frist von mindestens einem Monat geben, um uns mit den Lieferanten abzustimmen.

Robert Maihöfner Sprecher "Händler der Inneren Jahnallee"
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Befürchtet wird zudem, dass es auf der dann wieder vierspurigen Straße zu Wettrennen und Überholmanövern zwischen Autos und Straßenbahnen kommen könnte. Anstatt mehr Sicherheit werde genau das Gegenteil bewirkt, befürchtet Maihöfner. Auch dieses Thema habe er beim Amt angesprochen, auch hier sei er nicht gehört worden.

Ein von den Grünen per Petition geforderter Radfahrstreifen ist in dem Maßnahmen-Paket der Stadt nicht vorgesehen. Wie es in der Nachricht des Verkehrs- und Tiefbauamtes heißt, wolle man zunächst schauen, wie gut die geplanten Maßnahmen wirken. Erst in einem zweiten Schritt gehe es darum, ob es bauliche Veränderungen in der Straße gibt und welche das sein könnten.

"Signal der Ignoranz"

Kristian Kirpahl, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig kritisierte die Neuregelung des Verkehrs in der Inneren Jahnallee ebenfalls scharf: "Bei allen berechtigten Belangen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, zeigt die Entscheidung, dass die Interessen der dort ansässigen Gewerbetreibenden überhaupt nicht berücksichtigt werden."

Sie ist ein Signal der Ignoranz gegenüber den Händlern, Dienstleistern und Gastronomen vor Ort.

Kristian Kirpahl Präsident der IHK zu Leipzig

Mit dem Wegfall der Parkflächen werde wichtige "Laufkundschaft" verloren gehen, verbunden mit erheblichen Umsatzeinbußen und Erschwernissen bei der Belieferung, kritisiert der IHK-Präsident weiter. Ob sich die Verkehrssicherheit durch zwei beiderseits durchgängige Fahrspuren wirklich verbessern wird, sei hingegen mehr als fraglich, befürchtet Kirpahl. Sicher ist für ihn nur soviel: "Eine weitere Belebung der Jahnallee wird so nicht erreicht".

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.02.2019 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2019, 17:01 Uhr

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4 Kommentare

26.02.2019 22:24 keiner24 4

endlich wieder zweispurig selbst zu ddr zeiten haben die sich was dabei gedacht die wichtigsten ausfallstrassen zweispurig zu machen und nicht wie unsere sch..... dubrau alles nur für die fahrradfahrer zu machen die sich eh nicht an verkehrsregeln halten

25.02.2019 21:00 B.T. 3

Wenn in jeder Fahrtrichtung zwei Spuren vorgesehen und Radfahrer erlaubt sind, dann muss der jeweils rechte Fahrstreifen für Radfahrer eine gestrichelte Markierungsline erhalten, die ggf. von Kfz. überfahren werden kann. Dann habe ich aber meine Zweifel, ob das für Radfahrer sicherer wird. Es wird wohl eher problematisch bis gefährlich grenzwertig für Radfahrer. Das wird sich schnell erweisen, ob die angestrebte Lösung hilfreich ist.

25.02.2019 18:54 Franz Richter 2

Ignoranz und Arroganz seitens der Stadtverwaltung. Nichts neues.
Man sollte der Jahnalle einen neuen Namen geben.
" Highway to Hell".
Was wird mit denen, die mit dem Rad unterwegs sind. Diese werden untergepflügt. Tote nimmt man seitens der Stadt in Kauf,wie in der Vergangenheit.uns die Geschichte lehrt.
Wo zu Geschäfte dort? Alles abreißen, wie dreihundert Jahre alte Eichen die man ohne Grund fällt und dann eine Autobahn- Kirche bauen. Tun die dort nur so, oder sind die so geht...?

25.02.2019 16:36 maheba 1

Nennen wir diesen Abschnitt einfach mal "Engstelle". Davor und dahinter ist es ja schon mehrstreifig.
Das nervige "Anstehen" wird durch die Erhöhung der Durchlassfähigkeit entfallen.

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