Der ehemalige Uni-Riese (heute "City-Hochhaus", vorn), das Paulinum der Universität Leipzig (r), dahinter Nikolaikirche, Altes Rathaus und die Thomaskirche (l) in Leipzig (Sachsen).
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09.11.2019 | 15:57 Uhr Sozialreport Leipzig: Mehr Wohnungsnotfälle, höhere Armutsgefahr

Leipzig hat Wachstumsschmerzen. Die Stadt wächst und wächst. Verkehr, Wohnen, Bildung und Wirtschaft sind die großen Themen, mit denen sich die Metropole konfrontiert sieht. Denn so schön das Wachstum auf den ersten Blick auch sein mag, sie bringt auch Verdrängung mit sich. Beispielsweise auf dem Wohnungsmarkt und bei den Einkommen.

Der ehemalige Uni-Riese (heute "City-Hochhaus", vorn), das Paulinum der Universität Leipzig (r), dahinter Nikolaikirche, Altes Rathaus und die Thomaskirche (l) in Leipzig (Sachsen).
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Während Leipzig die 600.000 Einwohner-Marke geknackt hat, zeigt der neue Sozialreport der Stadt auch die negativen Seiten des Booms. Demnach ist die Zahl der Wohnungsnotfälle in Leipzig 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr seien vom Leipziger Sozialamt in 216 Fällen Mietschulden im Wohnungsnotfall* übernommen worden. Die durchschnittliche Summe habe sich damit seit 2005 (824 Euro) fast verdoppelt und liegt dem Report zufolge im Schnitt bei 1.547 Euro.

* Wohnungsnotfälle sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Haushalte und Personen mit einem Wohnungsbedarf von hoher Dringlichkeit. Aufgrund besonderer Zugangsprobleme zum Wohnungsmarkt bedürfen sie Unterstützung. Der Sozialdienst Wohnungsnotfallhilfe des Sozialamtes Leipzig berät und hilft Menschen mit dem Ziel, einen drohenden Wohnungsverlust abzuwenden, Wohnungslosigkeit zu beenden oder einen erneuten Wohnungsverlust zu verhindern.

Zahl der Notunterbringungen steigt weiter

Auch die Zahl der Personen in den Notunterbringungen steigt seit 2015 (577) kontinuierlich an. 708 Personen übernachteten im vergangenen Jahr demnach mindestens einmal in einer Gemeinschaftsunterkunft. Das waren 27 mehr als im Jahr 2017. Bei der sogenannten Armutsgefährdungsquote ist auch kein Abwärtstrend zu erkennen. Auch wenn Zahl der Hartz IV-Empfänger gesunken ist, sind 17,7 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger einkommensarm. 2017 waren es noch 16,8 Prozent.

Was ist der Sozialreport? Der Sozialreport der Stadt Leipzig stellt jährlich die sozialpolitischen Entwicklungsverläufe dar. Kernthemen sind unter anderem Bevölkerung, Wohnen, Lebensunterhalt sowie Kinder und Familie. Der Sozialreport dient der Stadtpolitik und der Verwaltung als Arbeitsmaterial. Er wird aber auch den Bürgerinnen und Bürgern bereitgestellt.

Leipzig hinkt beim Einkommen hinterher

22 Prozent aller Haushalte hatten laut Bericht im vergangenen Jahr 1.100 Euro Haushaltsnettoeinkommen monatlich zur Verfügung. 19 Prozent konnten auf mindestens 3.200 Euro zugreifen. Zudem seien die Einkommen in Leipzig niedriger als im sächsischen und im gesamtdeutschen Durchschnitt, hieß es. 2018 lag das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen mit 1.832 Euro um 65 Euro höher als im Jahr 2017.

Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen hat sich von 208 Euro (2017) auf 282 Euro (2018) erhöht. Im Jahr 2018 wurden 3.049 Schuldnerberatungen gezählt. Das sind 31 Beratungen mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der Beratungen habe sich seit 2010 tendenziell erhöht.

Ausgewählte Fakten aus dem aktuellen Sozialreport

Weniger Menschen beziehen Hartz IV

Die Zahl der Hartz IV-Empfänger ist 2018 weiter gesunken. Insgesamt haben 60.705 Menschen diese Leistungen erhalten. Die Zahl liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung im Jahr 2005.

Arbeitslosenquote gesunken

Auch die Arbeitslosenquote ist weiter gesunken. Lag sie vor zwei Jahren noch bei 7,0 Prozent, betrug sie 2018 noch 6,1 Prozent. Die wenigsten Arbeitslosen gibt es mit 1,5 Prozent in Hartmannsdorf-Knautnaundorf und Seehausen. In Grünau-Mitte liegt die Quote bei 10 Prozent.

Leipzig wird jünger

Der Altersdurchschnitt lag in Leipzig 2018 bie 42,4 Jahren. Die Altersverteilung ist in den Ortsteilen sehr unterschiedlich. In Schönefeld-Ost, Gohlis-Nord, Marienbrunn, Probstheida, Mölkau, Großzschocher, Grünau-Ost und Lößnig gibt es einen besonders hohen Anteil ab 80+. Die jungen Menschen leben in Volkmarsdorf, Neustadt-Neuschönefeld, Lindenau, Altlindenau und Schleußig.

Angebot in der Kinderbetreuung wurde erweitert

Sieben neue Kindertagesstätten wurden 2018 fertig gestellt. 1.812 Plätze konnten so mehr zur Verfügung gestellt werden. Der städtische Versorgungsgrad bei der Kindertagesbetreuung für Kinder zwischen einem und drei Jahren betrug 71,3 Prozent. Für Kinder zwischen drei bis sechs Jahren lag die Betreuungsquote bei 94,6 Prozent.

Mehr Wohnungen in Leipzig

2018 konnte 2.314 neue Wohungen fertiggestellt werden. Der Wohnungsbestand im Jahr 2018 ist damit auf 339.094 Wohnungen angewachsen. Jedoch fehlt es laut Bericht besonders an kostengünstigen Wohnungen. 30 Prozent des Nettoeinkommens müssen im Schnitt für die Gesamtmiete aufgewendet werden.

Quelle: MDR/mar/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 28.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 15:58 Uhr

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