17.01.2020 | 19:44 Uhr Patenbrigade reloaded - Pilotprojekt in Markranstädt

Menschen, die zu DDR-Zeiten in die Schule gegangen sind, können sich vielleicht noch an die Patenbrigaden erinnern. Schulklassen besuchten damals die Patenbetriebe, lernten die Berufe kennen und arbeiteten auch für einige Stunden in der Woche mit. Die Stadt Markranstädt hat das Modell gerade wieder neu belebt. Unter dem Begriff "Firmenpaten" sollen Schule und Wirtschaft zusammengebracht und dadurch potenzieller Nachwuchs gewonnen werden. Am Freitag wurde das erste Großprojekt vorgestellt: der Flur de luxe.

Farblich gestalteter Schulflur
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein gutes Jahr hat Christiane Nestler, Kunst- und Geschichtslehrerin, mit Schülern der fünften Klassenstufe und der Patenfirma, dem Malerbetrieb Heinrich Schmid, gearbeitet. Als erstes wurde das Schulhaus gemeinsam besichtigt, um zu sehen, wo sich die Schüler gestalterisch austoben können. Fündig wurde man im ersten Stock. Das Projekt "Neugestaltung des Flurbereichs vor den Informatikfachkabinetten" war geboren.

Bildergalerie Flur de luxe - Wenn Schüler zum Pinsel greifen

Rund 300 Schüler haben an der Oberschule in Markranstädt beim Projekt "Flur de luxe" mitgemacht. Selbstständig erarbeiteten sie Konzepte und realiserten ihre Vorstellungen zusammen mit einem Malerbetrieb aus der Stadt.

Farblich gestalteter Schulflur
Die linke Seite des Flurs wurde von den Schülern allein gestaltet. Rund 300 Schüler beteiligten sich daran. Fertig ist der selbstgestaltete "Wall of Fame" noch nicht. Schüler, die künftig von der Schule abgehen werden, können sich mit einem farbigen Quadrat verewigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Die linke Seite des Flurs wurde von den Schülern allein gestaltet. Rund 300 Schüler beteiligten sich daran. Fertig ist der selbstgestaltete "Wall of Fame" noch nicht. Schüler, die künftig von der Schule abgehen werden, können sich mit einem farbigen Quadrat verewigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Die rechte Seite des Flurs war den Malerprofis vorbehalten. Bedingung war, dass Motive aus der digitalen Welt verwendet werden sollten. Immerhin liegen die Informatik-Fachkabinette in diesem Flur. Bevor aber die neue Farbe an die Wand kommen konnte, musste erst einmal renoviert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Die Vorbereitungen, um den Flur zu gestalten, war auch Thema im Kunstunterricht. Vorbild war der Farbenkreis und so ergibt sich aus den knapp 400 Quadraten ein Farbverlauf: von blau bis rot. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Was die Patenklasse zusammen mit dem Malerbetrieb Heinrich Schmid seit Januar vergangenen Jahres geleistet hat, zeigt eine Infotafel im "Flur Deluxe". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Zahlreiche Entwürfe entwickelte die Klasse. Es wurde im Internet recherchiert und es gab massenweise Brainstorming zum Thema "Mediengestaltung und Digitalisierung". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farblich gestalteter Schulflur
Das Motiv des Regenbogens und der Farbverlauf war Bedingung. So wurden die Farben von der Fassade des Mittelbaus aufgegriffen. Der Regenbogen findet sich auch im Schulhof wieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle (6) Bilder anzeigen

Im Juli 2019 ging es schließlich los. Zunächst rückten die Profis an, um den Flurbereich zu renovieren und die Qudratraster vorzuzeichnen, die sich die Schüler ausgedacht haben. Die Firma spendierte Abdeckplanen, Malerkrepp, Farben sowie Pinsel und stellte Leitern zur Verfügung. Seitdem gestalten die Schüler ihren Flur, der aber noch lange nicht fertig ist. Und das soll er auch nicht. Er soll auch für nachfolgende Schulgenerationen als Erinnerungswand dienen.

Nirgendwo ist irgendeine Farbe gefunden worden, die dort nicht geplant war. Die Schüler haben das sehr wertschätzend und auch mit sehr viel Respekt behandelt.

Christiane Nestler Lehrerin

Für die 12-jährige Fanny war das Projekt eine gute Erfahrung. Zum einen fand sie es cool, dass ihre Schule so etwas überhaupt macht, zum anderen war sie begeistert davon, dass sie ihren Ideen zur Gestaltung freien Lauf lassen konnte. Und noch etwas hat ihr das Projekt gebracht. Die Erkenntnis, dass sie keine Malerin werden will.

Ich habe es mir ein bisschen leichter vorgestellt. Es ist sehr anstrengend, die ganze Zeit die Hand mit dem Pinsel so zu halten.

Fanny Schülerin

Alle an einem Strang

Die Idee der Firmenpaten findet Malermeister Michael Förster gut. Vor allem, dass die Kinder seinen Beruf frühzeitig kennenlernen.

Ich habe die Hoffnung, dass wir pro Jahrgang immer so ein bis zwei Interessenten finden, die vielleicht überlegen, sich bei uns für einen Ausbildungsplatz zu bewerben.

Michael Förster Maler

Auch Schulleiterin Gabriele Reißmann freut sich über die Kooperation. "Hier wurde was gemeinsam gestaltet. Ich hoffe, dass es von langer Dauer ist und geachtet wird, weil es mit der eigenen Hände Arbeit geschaffen wurde."

Dass aus einer 2011 gestarteten Initiative jetzt eine wirkliche Partnerschaft geworden ist, freut Heike Helbig von der Wirtschaftsförderung Markranstädt:

Wir wollen, dass die Schüler rechtzeitig Praxiserfahrung sammeln, um dann auch später zu wissen, in welchem Beruf sie tätig sein wollen. Wir hoffen natürlich, dass auch andere Unternehmen Lust haben, sich zu engagieren und so dem Fachkräftemangel ein Stück weit entgegenzuwirken.

Heike Helbig Stadt Markranstädt

Das nächste Firmenpaten-Projekt steht auch schon in den Startlöchern. Zusammen mit dem Malerfachbetrieb Heinrich Schmid und einer Patenklasse des Markranstädter Gymnasiums soll im Physikunterricht ein Raum neu geplant und realisiert werden, der fürs Musizieren genutzt wird.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.01.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 19:44 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen