Klimaschutz "Omas for Future" wollen 600.000 Bäume für Leipzig pflanzen

Eine Gruppe Umweltaktivisten aus Leipzig hat eine Vision: Die "Omas for Future" wollen das Klima retten. Mit Informationen und Workshops aber auch Spaten und Setzlingen. Am Sonnabend hatten sie ihren ersten Einsatz.

Baumpflanzaktion
Die Initiative ""Omas for Future"" hat südlich von Leipzig eine Baumpflanzaktion gestartet. Gekommen sind aber nicht nur Helfer jenseits der 50. Auch junge Menschen, Eltern mit Kindern und Umweltaktivisten aus anderen Gruppen haben die Aktion unterstützt. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und milde 15 Grad zeigt das Thermometer an, als sich viele Freiwillige auf dem ehemaligen Tagebaugelände Peres südlich von Leipzig treffen. Es ist Sonnabend kurz nach 9 Uhr. Autos und Fahrräder passieren die Schranke, die sonst das Gelände für neugierige Besucher versperrt. Doch heute dürfen sie drauf. Rund 70 Menschen sind dem Aufruf der "Omas for Future" gefolgt.

Große Visionen

An diesem Vormittag sollen 2.500 Bäume in den Boden gesetzt werden. Die Aktion ist ein Herzensprojekt von Thomas Gärtner. Er selbst ist seit einem Jahr in der Umweltbewegung aktiv und gehört somit zu den Gründungsmitgliedern: "Heute ist der große Tag, wo wir unsere erste Pflanzung durchführen. Wir haben die große Vision, 600.000 Bäume zu pflanzen, um Leipzig herum und auch in Leipzig. 600.000 Bäume - auf jeden Leipziger einen Baum. Und wir wollen natürlich mit vielen Leipzigern zusammen pflanzen."

Pioniere für den Naturwald

Baumpflanzaktion
Olaf Kroggel ist Projektleiter bei der Stiftung Wald für Sachsen. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Birken und Schwarzkiefern hat die Stiftung Wald für Sachsen für die Aktion ausgesucht. Projektleiter Olaf Kroggel erlärt: "Sie sind klimaresistent, das trifft insbesondere für die Schwarzkiefer zu. Im Bereich der Nadelgehölze ist das in unseren Regionen die resistenteste Baumart. Sie kann also trockene Perioden recht gut überstehen. Die Birke ist eine Pionierbaumart, die ein Initial setzen soll für einen künftigen naturnahen Wald. Dort setzen sich irgendwann die Vögel obendrauf, haben auch mal eine Eichel oder Samen dabei, die herunterfallen." So setzten sie den Startpunkt für einen Naturwald.

2.500 Spatenstiche

Doch bevor sich Vögel in den Ästen der Birken niederlassen können, müssen die Setzlinge in den Boden. Wie das geht, macht Experte Olaf Kroggel vor: Mit dem Gerät, das aussieht wie ein Fahrradlenker mit angeschraubtem Spaten, tief in die Erde. Auflockern, vor, zurück, vor, zurück. Dann kommt der Setzling zum Einsatz: Die Wurzel etwas auseinanderfriemeln und dann in das Loch setzen. Mit der Schuhspitze wird das junge Bäumlein fest in Erde verbracht. Der erste Baum steht, es folgen an diesem Tag noch 2.499.

Spenden in Rekordzeit

Finanziert wird das Projekt nach Angaben der "Omas for Future" durch Spenden und Fördergelder. Thomas Gärtner erklärt: "Für diese ersten Pflanzungen waren 7.500 Euro nötig. Und wir haben es wirklich geschafft, in knapp zwei Monate das Geld einsammeln zu können. Es war genial."

Baumpflanzaktion
Birken und Kiefern werden an diesem Sonnabend in den Boden gebracht. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Unterstützer jenseits der Gruppe

Thomas Gärtner scheint zufrieden - nicht nur die Mitglieder der Ortsgruppe sind gekommen. Die Aktion hat sich offensichtlich herumgesprochen: "Das sind Klima-Bewegungsgruppen, Employes for Future, Parents for Future, Kinder aber auch ganz normale naturbegeisterte Menschen, die wissen, dass es darauf ankommt, jetzt was zu tun und einen Baum zu pflanzen. Das ist immer eine schöne Geste, ein schönes Ritual."

Zerstörung der Zukunft stoppen

Zukunft ist natürlich das zentrale Thema der Bewegung. Cordula Weimann ist Gründerin der "Omas for Future". Viele kleine Begebenheiten haben sie vor einem Jahr dazu bewogen, die Initiative zu ergreifen. Doch eines ist ihr besonders im Kopf geblieben: "Ich habe meinem Enkel Fahrradfahren beigebracht. Das war ein Punkt, wo ich dann innerlich noch mal richtig Gas gegeben habe. Ich bereite ihn auf eine schöne Welt vor, erzähle ihm von den Bäumen und von allem und gleichzeitig mit jedem Tag, den ich so weiterlebe wie bisher, zerstöre ich seine Zukunft. Das war der Moment, wo ich wirklich gesagt habe, jetzt halte ich Vorträge."

Baumpflanzaktion
Cordula Weimann ist Gründerin der "Omas for Future". Ihre Tochter hatte sie auf die Idee gebracht. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Ich habe meine Eltern gefragt: 'Wie war das mit den Nazis damals? Warum habt ihr euch nicht gewehrt?' Meine Eltern konnten zu recht sagen: 'Es hätte uns das Leben gekostet.' Wenn mein Enkel oder meine Enkelin mich fragt: 'Warum hast du damals nichts gegen die Erderwärmung getan?' Dann kann ich nur sagen, dass ich zu bequem war.

"Klimawende von unten"

Cordula Weimann erklärt, die Bewegung richte sich vor allem an die Generation 50 plus. Die jüngeren Semester haben sich längst in anderen Gruppen zusammengeschlossen und versuchten, mit der Politik in Kontakt zu kommen und dort Einfluss auszuüben. Für die Basisarbeit fühlt sich Cordula Weimann zuständig: "Die Hauptverursacher und vor allen Dingen mit Abstand die größte Bevölkerungsschicht sind die Leute 50 plus. Wir sind 40 Millionen Wähler. Ich behaupte, dass ganz viele Leute nicht wissen, wie sie im Alltag die Natur belasten. Das heißt, wir machen Klimawende von unten."

Die vielen Gesichter des Klimaschutzes

Aufklärung ist das Ziel der Initiative. Wie viel CO2 erzeuge ich mit meinem alltäglichen Verhalten? Und welche Alternativen gibt es? Die "Klimawende von unten" habe viele Gesichter, erklärt Cordula Weimann. "Es gibt also Ortsgruppen, da gehen die Omas in die Schulen und bringen den Kindern Nähen bei. Andere haben sich auf Plastik spezialisiert, wiederum andere machen Weiterbildungskurse." Oder sie pflanzen Bäume, wie die Leipziger Ortsgruppe.

Drei Stunden Arbeit für die Zukunft

Rund drei Stunden haben die vielen helfende Hände an diesem Vormittag gebraucht, um die Setzlinge in den Boden einzubringen. Doch damit ist die Arbeit nicht getan. Olaf Kroggel und seine Helfer von der Stiftung Wald für Sachsen werden sich ab jetzt weiter kümmern. Mindestens fünf Jahre brauchen die Mini-Bäume ihre Pflege. Nicht alle werden es schaffen. Aber ein Anfang ist gemacht.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.10.2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Tacitus vor 4 Wochen

Sehr gute Aktion. Diese Oma packen an und leisten im Unterschied zu den Freitagshüpfern und Schulschwänzern wirklich etwas für die Umwelt und unser Land. Chapeau!

Maria A. vor 4 Wochen

Oh, hier ist doch wirklich mal ein Blog zu sehen... Die Initiative ist begrüßenswert. Und die daraus entstandene Pflanzaktion zeigt, dass manche bekennenden Umweltschützer bereit sind, nicht nur hehre Reden zu schwingen, sondern "richtig" tätig zu werden für ihre Visionen. Von mir vorrangig allen Helfern der Stiftung "Wald für Sachsen" Dank und Anerkennung. Wenn wohl auch die Omas für die Zukunft den Anstoß für diese Aktion gaben, zeigt mir die Gründerin zu sehr mit dem Fingerchen Richtung ältere Menschen. Denn aus ihren Äußerungen geht deutlich hervor, dass sie die verantwortlich machen möchte für alle gefühlte oder reale klimabezogene Unbill. Sowas erzeugt beim bereits durch Corona, Medien und Politkaste mittlerweile genug gemaßregelten "reiferen" Normalbürger einen bitteren Nachgeschmack.

Jan vor 4 Wochen

Beide Daumen hoch für diese tolle Aktion!

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