Bürgerbeteiligung Leipzig startet Umfrage für neue Markthalle

Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig
So könnte der Wilhelm-Leuschner-Platz einmal aussehen: Konzeptmodell der Architekten Pelcak & Wolf Bildrechte: Pelcak & Wolf Architekten/Grunwald & Grunwald Architekten

Die Start Leipzig hat am Montag eine Bürgerbefragung gestartet, die zeigen soll, ob eine Markthalle auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz gebraucht wird. Die Umfrage der Stadtverwaltung ist online abrufbar. Sie richtet sich an alle Haushalte in Leipzig sowie an Menschen, die zur Arbeit in die Stadt pendeln. Auch die Einzel- und Markthändler sind gefragt. Von Interesse ist vor allem das aktuelle und künftige Einkaufsverhalten der Leipziger. Das Ergebnis der Umfrage fließt ein in ein unabhängiges Gutachten. Dieses soll prüfen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Konzept eine Markthalle wirtschaftlich zu betreiben wäre.

Bedürfnisse ermitteln

Der Bebauungsplan für den Leuschnerplatz steht, jetzt gehe es darum, wie eine Markthalle aussehen könnte, erklärt Steffen Böttger vom Stadtplanungsamt. Dafür wurde ein Gutachten beauftragt, bei dem die Leipziger mitreden können. "Im Rahmen dieses Gutachtens werden auch die Leipziger befragt: Wie oft besuchen sie den Markt, was kaufen sie ein, würden sie eine Markthalle besuchen. Alle diese Themen werden untersucht und zusammengetragen." Noch gebe es kein Modell, keinen Grundriss, aber Vorstellungen, wie so eine Markthalle aussehen könne. "Es gibt ja unterschiedliche Konzepte in Deutschland, es geht jetzt darum, herauszufinden, welches Konzept für Leipzig das geeignetste wäre", sagt Böttger

Viele Leipziger dafür

Das Gutachten wird Ende des Jahres zusammengestellt. Dann wird sich der Stadtrat mit den Ergebnissen befassen und eine Entscheidung treffen. Viele Leipziger sind von der Idee einer Markthalle auf dem Leuschnerplatz angetan, wie eine Umfrage von MDR SACHSEN zeigt: "Ich fände es gut, dann würden die Stände nicht immer wechseln, mal auf dem Marktplatz, mal auf dem Augustusplatz. So wären sie immer fest an einem Ort", sagt eine Passantin. Ein Leipziger meint: "Ich habe die Markthallen in Ungarn und an anderen Orten gesehen. Eine Markthalle mit seinen regionalen Waren könnte es doch auch hier geben und die Händler wären dann auch nicht dem Wetter ausgesetzt." Für eine Leipzigerin ist die Vielfalt entscheidend: "Ich würde es mir nicht als großes Objekt wünschen, sondern mit vielen kleinen Läden."

Das ist doch ideal hier: Die Straßenbahnanbindung ist günstig, Ältere Leute können durchgehen, es gibt ja nicht nur Blumen und Fleisch, sondern alles dann da drinnen. Ich finde das schon noch zeitgemäß. Das würden auch die jüngeren Leute annehmen.

Passant

Händler skeptisch

Die Händler sind allerdings nicht alle begeistert von der Idee. Einige stehen den Plänen skeptisch gegenüber, fürchten, dass kleine Händler außen vor bleiben, weil sie sich die Miete nicht leisten können. Auch Genusswarenhändler Dominik Brähler warnt: "Man sieht in anderen Städten, dass Markthallen mehr und mehr zu 'Food Courts' werden, wo dann einfach Gastronomie einzieht und der eigentlich Handel immer mehr an die Seite gedrängt wird.

Das kann nicht das Ziel der Händler sein, dass man eigentlich nur als Staffage für die Gastronomie dient.

Dominik Brähler Händler

Brähler würde sich eher ein Konzept wünschen, wie etwa auf dem Wiener Naschmarkt. "Dort hat man kleingestaltliche Hütten. Dadurch entsteht ein gewisses Flair, das man auch wirklich wahrnimmt."

Auswertung Ende des Jahres

Bis zum 15. November ist die Umfrage online und dauert etwa fünf Minuten. Die Ergebnisse werden vom Befragungsunternehmen anonymisiert und dienen ausschließlich der städtischen Planung sowie statistischen Erhebungen, heißt es. Das Gutachten soll Ende des Jahres stehen, dann geht es in die politische Diskussion. Ein Bautermin stehe noch nicht fest, sagt Böttger.

Ruine der Markthalle in der Brüderstraße in Leipzig
Ehemalige Markthalle an der Brüderstraße Bildrechte: dpa

Leipziger Zentralmarkthalle Die Zentralmarkthalle wurde 1891 nach Plänen des Stadtbaudirektors Hugo Licht gebaut. Mehr als fünfzig Jahre diente sie als Versorgungseinrichtung für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Die Zentralmarkthalle lag etwa 100 Meter südlich des Roßplatzes, der heute einen Teil des Innenstadtrings darstellt und sich bis zur Straßenbahnhaltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz erstreckt. Sie besaß Straßenfronten zur Brüder- und zur Markthallenstraße. Im zweiten Weltkrieg wurde die Halle schwer beschädigt und schließlich in den 1950er Jahren abgerissen.

Quelle: MDR/dh/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN | 26.10.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

3 Kommentare

Peter vor 4 Wochen

Lieber MDR, was soll dieses Bild? Selbst ich als Leipziger musste mehrfach hinschauen, um mich zurechtzufinden. Der Auswärtige kann wohl überhaupt nicht erkennen, worum es geht.
Die vorgesehene Neubebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes befindet sich ganz hinten im Bild. Vorn das Neue Rathaus, die vorhandene Bebauung zur Harkortstraße und die Katholische Kirche.
Aber zum Thema: Ich würde mich über eine lebendige Markthalle freuen (allerdings keinen weiteren Supermarkt, der sich Markthalle nennt).

Rieger vor 4 Wochen

Markthalle in Zentrumsnähe? Keine gute Idee.
Noch ist der Wilhelm-Leuschner-Platz
Teil einer Luftschneise und auch ein Platz der Artenvielfalt mit Platz für Stadtnatur.
Klar, damit verdient erstmal keiner direkt Geld.
Aber fragt man mal Anwohner und anliegende Läden, gäbe es mehr Verlierer, als Gewinner.
Statt riesiger Blockbebauung wäre eine gestreute Bebauung mit nicht mehr als 2 Etagen ratsam. Viele Bäume, Hecken vielleicht auch ein Gewässer sorgen dann für angenehmes Stadtklima und Wohnqualität für die Anwohner.
Klares "Nein!" zur Markthalle!

Klaus Egon vor 4 Wochen

Noch mehr zu pflastern, noch mehr zu betonieren, noch mehr Kauf- und Handelszentren in der Stadt?
Ich finde das völlig Banane. Ja ein Platz für ein Marktgeschehen wäre tatsächlich gut. Aber das sinnlose zu pflastern durch die Jung- Administration führt dazu, dass das Klima im Sommer in der Stadt erdrückend ist. Da helfen auch nicht wirklich die Pseudo Verkehrsbeschränkungen,die subventionierte mehrspurige Straßen nur noch einspurig befahren lässt. Wenn Burkard Jung der Meinung bin dass er die Innenstadt mit Glas und Beton mit nebeneinander stehenden Konsumtempel zu pflastern muss, und dann herum heult, dass die Innenstadt ausstirbt, dann zeigt es nur dass er einiges in dieser Welt nicht verstanden hat.
Vorschlag:
Höfe am Brühl bis auf die Blechbüchse abreisen, die Baugrube für eine Tiefgarage verwenden, von mir aus eine kleine Markthalle drauf und der Rest wird ein Park ...
Bei der Gelegenheit bitte gleich alles um das Museum der bildenden Künste wieder abreißen und Bäume pflanzen!

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