Im mobilen OP-Truck üben die Ärzte an Knochenmodellen.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

18.07.2019 | 17:22 Uhr Leipziger Unfallchirurgen üben im OP-Truck neue Techniken

Einen Tag lang praktizierten die Unfallchirurgen und Orthopäden des Leipziger Diakonissenkrankenhauses im mobilen OP-Truck. An Kunstknochen übten die Mediziner dabei neue Techniken.

von Christopher Gaube

Im mobilen OP-Truck üben die Ärzte an Knochenmodellen.
Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Während die pensionierten Diakonissen einen Spaziergang im Park machen, surren nur ein paar Meter weiter medizinische Bohrer. Mit Dr. Ulrich Socha, Chefarzt des Leipziger Diakonissenkrankenhauses, betrete ich einen riesigen, mobilen OP-Truck. "Wir üben gerade die Versorgung von Oberarmkopfbrüchen mit Platte oder Nagel", erklärt Socha.

Einer der Mediziner bohrt gerade in das Knochenmodell.
An Modellen können die Ärzte neues Wissen ausprobieren. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Im Inneren des Trucks stehen acht einfache OP-Tische, darauf liegen Bohrer, Kunstgelenke und Kunstknochen aus festem Styropor - mal ein Fuß, mal eben ein Oberarmknochen. "Wir Unfallchirurgen und Orthopäden müssen regelmäßig in solchen Weiterbildungen trainieren", erklärt der Mediziner. "Dabei kommt man nebenbei auch in fachliche Diskussionen: Was ist etwa die bessere Methode zur Versorgung eines bestimmten Knochenbruches?"

OP-Truck tourt durch ganz Europa

Der Operations-Truck, der nur für einen Tag in Leipzig gastiert, ist in ganz Europa unterwegs. Er wurde von einem Hersteller medizinischer Implantate kostenlos zur Verfügung gestellt. "Es besteht unsererseits aber keine Abhängigkeit gegenüber der Firma", erklärt Socha. "Das haben wir sogar anwaltlich prüfen lassen." Wichtig sei dem Chefarzt, dass seine Kollegen medizinisch und fachlich hochwertig weitergebildet werden. Immerhin würden über 2.700 unfallchirurgische und orthopädische Operationen jährlich im Diakonissenkrankenhaus durchgeführt.

Der OP-Truck in dem die Chirurgen neue Techniken lernen.
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Johannes Vogt schaut interessiert zu, wie ein Schulungsleiter gerade in einen der Kunstknochen bohrt und zahlreiche Erläuterungen gibt. Der junge Assistenzarzt erklärt den Reiz solcher Operations-Workshops. "Es ist spannend, einmal den Knochen blank in der Hand zu halten und daran zu arbeiten. Normalerweise sind da ja Muskeln und Haut drumherum. So bekommen wir auch mal neue räumliche Eindrücke."

"Unser Platz in der Krankenhauslandschaft ist wichtig"

Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopäde Dr. med. Ulrich Socha an einem Fußknochen-Modell.
Dr. Ulrich Socha an einem Fußknochen-Modell. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube

Insgesamt sechs Stunden lang lernen, trainieren und diskutieren die Ärzte, OP-Mitarbeiter und Schwestern im OP-Truck. In Gruppen versteht sich - schließlich laufe der normale Betrieb auf Station weiter. "Am Ende des Tages haben wir alle für uns wichtigen Themen besprochen", sagt Socha. "Brüche der Hüftregion und des Oberarmkopfes sowie minimalinvasive Eingriffe und künstliche Gelenke."

Zum Schluss brennt dem Chefarzt noch ein Thema auf den Nägeln. Es geht um die Diskussion zur Schließung kleinerer Krankenhäuser um Kompetenzkliniken auszubauen. "Wir sind ein kleines Krankenhaus, aber sehr innovativ und schulen unsere Mitarbeiter." In diesem Sinne sei auch das Diakonissenkrankenhaus in der Kliniklandschaft wichtig und erfülle seinen Beitrag. "Auch weil wir einen direkten Draht zu unseren Patienten pflegen", so Socha. Ob das in einer riesigen Klinik noch möglich wäre, bezweifelt er.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.07.2019 | 14:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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