10.06.2020 | 13:08 Uhr Pödelwitz will mit klassischem Konzept Dorf der Zukunft werden

Lange Zeit war die Zukunft von Pödelwitz bei Leipzig ungewiss. Nun soll in unmittelbarer Nachbarschaft zum Braunkohletagebau eine lebendige Dorfgemeinschaft entstehen.

Der Ortseingang mit Ortseingangsschild von Pödelwitz.
Bildrechte: dpa

Das 700 Jahre alte Pödelwitz will zurück zu den Wurzeln des Dorflebens. Nachdem sich die Landesregierung für den Erhalt des Dorfes ausgesprochen hat, wird nun über die Zukunft nachgedacht. Es ginge darum, eine lebendige Dorfgemeinschaft aufzubauen, die mit neuen und alten Konzepten den kommenden Umwelt- und Wirtschaftskrisen trotzen kann, sagt Jens Hausner, Sprecher der Initiative Pro Pödelwitz. Das Dorf soll damit zu einem Modell für den Strukturwandel nach dem Kohleausstieg werden.

Zurück zum Dorfleben

Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" hat zusammen mit den verbliebenen Bewohnern und zahlreichen Bündnispartnern ein Maßnahmenpapier zur Zukunft des Ortes vorgelegt. Das Papier sieht unter anderem vor, dass sich das Dorf vollständig mit erneuerbaren Energien selbst versorgt, kleine Betriebe und Genossenschaften entstehen und Menschen aller Generationen zusammenleben. "Wir erleben es auch in Sachsen, dass die Dörfer nur noch Wohndörfer sind", erklärt Hausner.

Jens Hausner
Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Wir wollen, dass aus Pödelwitz wieder ein Dorf wird, wie man es von früher kennt. Wo sich Handwerksbetriebe, kleine Genossenschaften, ein kleiner Laden und Wohnprojekte ansiedeln. Wo man sich gegenseitig hilft. Wir wollen wieder einen dörflichen Charakter herstellen, wie er eigentlich auf dem Dorf sein sollte.

Jens Hausner Pro Pödelwitz

Zunächst sollen Konzepte für einzelne Grundstücke erstellt werden, erklärt Hausner, die dann gemeinsam mit den Entscheidungsträgern geplant und umgesetzt werden sollen. Die Pödelwitzer sprechen sich gegen Neubauten aus, stattdessen sollen die historischen Gebäude des Dorfes erhalten und die umliegenden Tagebaue nach ihrer Nutzung zu Naturschutzgebieten erklärt werden.

Wir haben jetzt die Chance, ein Dorf so zu gestalten, wie es sein sollte. Das Dorf hat durch den hohen Leerstand ein hohes Gestaltungspotential, das wir vollumfänglich nutzen wollen.

Jens Hausner Pro Pödelwitz

Demo gegen Braunkohle in Pödelwitz
Von den einstmals 140 Einwohnern leben heute nur noch 35 in Pödelwitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Zukunft für Pödelwitz

Lange Zeit war die Zukunft des kleinen Dörfchens bei Leipzig ungewiss. Der Energiekonzern MIBRAG plante den Braunkohletagebau Vereinigtes Schleenhain auszubauen. Dabei sollte das Dorf weggebaggert werden. Dagegen formierte sich ein breiter Protest. Die sächsische Landesregierung sprach sich schließlich für den Erhalt des Dorfes aus. Ursprünglich wohnten in Pödelwitz 140 Menschen. Die verbliebenen 35 Einwohner machen sich nun daran, eine lebendige Dorfgemeinschaft zu schaffen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Braunkohletagebau.

Kohleausstieg bis 2035?

Dass Pödelwitz doch noch abgebaggert werden könnte, sieht Hausner nicht als Gefahr. "Wir haben hier einen Tagebau, der bis 2040 geplant ist. Da ist es nicht mehr genehmigt, Pödelwitz zu überbaggern. Jetzt wird über einen Kohleausstieg im Kraftwerk Lippendorf bis 2035 nachgedacht – mit was will man denn eine Abbaggerung weiterer Dörfer begründen?" Nach dem Willen der Dorfbewohner soll die Entwicklung des Dorfes über das Strukturstärkungsgesetz, sowie spezielle Fördertöpfe des Landes für die Revitalisierung von Pödelwitz finanziert werden. Hausner geht davon aus, dass es innerhalb der nächsten drei, vier Jahre möglich sei, das Dorf wieder zu bevölkern.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN | 09.06.2020 | ab 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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