11.06.2020 | 17:38 Uhr | Update Ermittlungen gegen Polizisten in Leipzig wegen gestohlener Fahrräder

Ein Fahrrad vor einer Wand, halb verschwunden.
Leipziger Polizeibeamte sollen jahrelang mit gestohlenen Fahrrädern gehandelt haben. (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Unsplash/Joe Woods

Seit Sommer 2019 ermittelt das Innenministerium gegen rund ein Dutzend Beamte der Polizeidirektion Leipzig wegen des Verdachts der Korruption. Sie sollen bei der Behörde eingelagerte Fahrräder aus Diebstählen illegal weiterverkauft haben. Dies bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums MDR SACHSEN auf Anfrage. Es gehe um den Verkauf sichergestellter Fahrräder. Die Polizeidirektion Leipzig selbst habe das Landeskriminalamt um die Übernahme der Ermittlungen gebeten. Diese dauerten noch an und werden bei der Staatsanwaltschaft Leipzig geführt, hieß es weiter.

Offenbar mehr als 1.000 gestohlene Fahrräder verkauft

Demnach sollen Beschäftigte der Leipziger Polizeidirektion und der sächsischen Polizei über mehrere Jahre hinweg gestohlene Fahrräder weiter verkauft haben. Die Anklagebehörde teilte mit, dass sie "gegen eine Vielzahl von Beschuldigten" ermittele. Wie "Tag 24" berichtete, soll eine 43 Jahre alte Polizistin innerhalb von vier Jahren mehr als 1.000 sichergestellte Fahrräder über einen zwischengeschalteten Verein weiterverkauft haben. Sie war demnach bei der Ermittlungsgruppe "Zentrale Bearbeitung der Fahrradkriminalität" tätig und hatte Zugang zu den Asservaten.

Korruptionsvorwürfe und Unterschlagung im Amt?

Die Ermittler gehen demnach außerdem gegen Dutzende Polizeibeamte vor, die die gestohlenen Räder gekauft haben sollen. Die Tatvorwürfe reichen von Strafvereitelung im Amt über Diebstahl bzw. Unterschlagung bis hin zu Tatbeständen des Korruptionsstrafrechts wie Vorteilsgewährung, Vorteilsnahme, Bestechlichkeit und Bestechung, zählte die Leipziger Staatsanwaltschaft auf.

Wie eine Sprecherin der Polizei Leipzig auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, seien alle betroffenen Bediensteten nicht mehr mit der Bearbeitung und Verwertung von sichergestellten Fahrrädern betraut. Die im Jahr 2012 geschaffene Ermittlungsgruppe sei aufgelöst und die Bearbeitung von den Kriminaldiensten der Polizeireviere übernommen worden. Die Asservatenstelle für die Aufbewahrung der sichergestellten Fahrräder bleibe jedoch erhalten.

Umfassende Aufklärung gefordert

Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen im Sächsischen Landtag, verlangte eine umfassende Aufklärung durch das sächsische Innenministerium. "Innenminister Wöller hätte die Öffentlichkeit frühzeitig über den Verdacht und das Ausmaß dieser Machenschaften in der Polizei informieren müssen. Immerhin steht hier der Verdacht eines korrupten kriminellen Netzwerkes innerhalb der Sicherheitsbehörden im Raum."

Valentin Lippmann
Bildrechte: Grüne Fraktion Sachsen / Elenor-Breusing

Durch die bisher unterlassene Information der Öffentlichkeit wird nun der Eindruck befeuert, man hätte Angst gehabt, mit diesem Vorgang transparent umzugehen.  

Valentin Lippmann Innenpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen im Sächsischen Landtag

Quelle: MDR/lt/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN | 11.06.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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