20.08.2019 | 06:21 Uhr Neue Welle von Betrugsanrufen falscher Polizisten in Leipzig

ILLUSTRATION - Ein Mann hält einen Telefonhörer in der Hand.
Bildrechte: dpa

In Leipzig sind seit Anfang August 22 Fälle bekannt geworden, in denen sich Betrüger als falsche Polizisten ausgegeben haben. Allein am vergangenen Donnerstag wurden 14 Fälle zur Anzeige gebracht. Das sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf MDR SACHSEN. Die Betrüger würden sich dabei am Telefon oder direkt an der Haustür als Beamte ausgeben und vorgeben, dass Schmuck und Bargeld zu Hause nicht sicher seien, sondern besser der Polizei übergeben werden sollten. In einem Fall erschlich ein Täter von einer 78 Jahre alten Rentnerin einen fünfstelligen Bargeldbetrag. In allen anderen Fällen bemerkten die Betroffenen den Schwindel.

"Viele Senioren riechen den Braten", so Braunsdorf. Und sie bekräftigt:

Die Polizei wird niemals am Telefon Daten abfragen. Derartige Geldforderungen, welche erpresserischen Charakter tragen, werden niemals seitens der Polizei ausgesprochen.

Maria Braunsdorf Pressesprecherin Polizeidirektion Leipzig

Angehörigen rät die Polizei, mit den Senioren zu sprechen und sie auf die Gefahrenlage hinzuweisen. Bei einem verdächtigen Anruf soll sofort die Polizei informiert werden, betont Braunsdorf. Je früher die Beamten von dem Betrug erfahren, desto wahrscheinlicher sei ein Ermittlungserfolg. In der letzten Woche konnte so ein 55 Jahre alter Mann gefasst werden, so die Sprecherin weiter. Neben Einzeltätern könnten aber auch Personengruppen als Betrüger auftreten.

Fallbeispiele der Polizei Leipzig: 1. Fall: Ein unbekannter Anrufer gab sich als Polizist aus und setzte eine 80-jährige Frau unter Druck, um von ihr einen fünfstelligen Geldbetrag zu erpressen, mit dem sie ihre Tochter vor einer Haftstrafe bewahren soll. Weil die Frau erklärte über soviel Geld nicht zu verfügen, fragte der Anrufer weiter, was für Wertgegenstände sich in ihrem Besitz befinden. Die 80-Jährige verlangte dann ihre Tochter zu sprechen. Daraufhin legte der Anrufer auf. Ein Anruf bei der Tochter zeigte, dass diese wohlauf zu Hause war.

Fall 2: Ein 73-Jähriger erhielt zahlreiche Anrufe von einem vermeintlichen Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank, der sich als Herrn Michael Baumgärtner ausgab. Dieser forderte den Senior auf, einen Betrag von 750 Euro per Western Union auf ein türkisches Konto zu überweisen. Hintergrund wäre ein Gewinnspiel, welchem der 73-Jährige 2015 mündlich zugestimmt und damit Kosten verursacht hätte. Mit dem Betrag sollte er eine vermeitliche Gerichtsverhandlung umgehen. Dieses Telefonat kam dem Senior komisch vor und er legte auf.

3. Fall: Eine 86-Jährige wurde auf der Straße von einem Mann angesprochen, der sich als Kripo-Beamter ausgab. Er erklärt, dass ihr Name auf einer bei Straftätern gefundenen Liste gestanden hätte. Er folgte ihr nach Vorzeigen eines Ausweises in die Wohnung und verwickelte das Ehepaar in ein belangloses Gespräch. Die 86-Jährige forderte daraufhin den vermeintlichen Polizisten auf, die Wohnung zu verlassen. Aus der Wohnung fehlte nichts.

Die Summe der bekanntgewordenen Betrugsversuche, so mutmaßt die Polizei, "spiegelt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht annähernd die Häufigkeiten wider, mit welcher die Betrüger versucht hatten, ihre Opfer um ihr Erspartes zu bringen." Nicht auszuschließen sei, dass sie möglicherweise erfolgreich waren. Bei solchen Fällen sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Quelle: MDR/kk/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.08.2019 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 06:24 Uhr

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