Ein Mitarbeiter poliert den Lack einer Karosse eines Porsche Macan in der Lackiererei im Werk Leipzig.
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Mangelnder Absatz Porsche will sich in Leipzig von Hunderten Leiharbeitern trennen

In der vergangenen Woche sorgte die Grundsteinlegung für ein neues Porsche-Werk in Leipzig noch für reichlich gute Presse. Nun sieht das anders aus. Porsche will sich noch in diesem Jahr von mehreren Hundert Leiharbeitern am Standort in Leipzig trennen.

Ein Mitarbeiter poliert den Lack einer Karosse eines Porsche Macan in der Lackiererei im Werk Leipzig.
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Als in der vergangenen Woche der Grundstein für ein neues Porsche-Werk in Leipzig gelegt wurde, sprachen die Unternehmensvertreter von einer einzigartigen Standortenwicklung. Es sei immerhin die fünfte Produktionserweiterung in Leipzig. In den kommenden Jahren wolle das Unternehmen hier den Macan mit Elektroantrieb fertigen. "Porsche freut sich auf das E-Auto, Beschäftigungssicherung und leichten Personalaufbau", sagte Knut Lofski, der Betriebsratsvorsitzende von Porsche Leipzig. Kleiner Zusatz: "Wir haben eine Stammbelegschaft, die muss man absichern."

Diese Sicherheit gilt offenbar nicht für die Leipziger Leiharbeiter, die rund ein Drittel der über 6.300 Beschäftigten am Standort ausmachen. Gleich mehrere Hundert von ihnen dürfen nach den Betriebsferien im August nicht zurück ins Werk kommen. Man will sich von ihnen trennen. Nach Angaben des Unternehmensprechers für das Werk Leipzig, Christian Weiss, soll eine Nachtschicht in der Montage gestrichen werden. Von der Freistellung seien aber nicht alle Leiharbeiter betroffen. "Wir sprechen von einer mittleren dreistelligen Anzahl", so Weiss. Die Stammbeschäftigten seien zudem nicht vom Personalabbau betroffen. Diese haben eine Beschäftigungssicherheit im Werk Leipzig bis 2021.

Sparprogramm und rückläufige Nachfrage

Ein Porsche Panamera schwebt durch die Montagehalle im Werk Leipzig.
Ein Porsche Panamera schwebt durch die Montagehalle im Werk Leipzig. Bildrechte: dpa

Porsche konnte seinen Umsatz konzernweit im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent steigern, er lag bei knapp 26 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu stieg der Gewinn um nur drei Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro. Die Rendite ist im Verhältnis also geringer ausgefallen. Weil der Vorstand in Stuttgart damit nicht zufrieden ist, hat man deshalb nun ein Sparprogramm verordnet. Bis 2025 will Porsche an allen Standorten sechs Milliarden Euro einsparen. Das hätte nach Unternehmsangaben auch mit den hohen Kosten in der Branche zu tun. Der Einstieg in die Elektromobilität, die Umstellung auf den neuen Abgasteststandard und die Suche nach digitalen Geschäftsfeldern würden Porsche Millarden kosten.

Den Personalabbau in Leipzig begründet Weiss allerdings nicht mit dem neuen Sparprogramm. Vielmehr sei die Nachfrage nach den Modellen Panamera und Macan zurückgegangen, die hier seit Jahren produziert werden. "Wenn ein Fahrzeug ganz neu ist, wird es auch anders abgefragt. Mit der Zeit geht die Nachfrage eben zurück", so Standortsprecher Christian Weiss zu MDR SACHSEN. Vor allem die Nachfrage aus China sei rückläufig.

Quelle: MDR/cg/bb/syst/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.03.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 15:41 Uhr

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22 Kommentare

22.03.2019 18:18 Möwe 22

@Rasselbock so ist es!
Porsche hat doch auch lange genügend Leute in Lohn und Brot gehalten, dass wird ganz schnell vergessen. Wenn ihr so sozial seid, kauft keine Ware aus Fernost. Dagegen haben wir hier in bei den "bösen" Arbeitgebern paradiesische Zustände. Mal nachdenken.

22.03.2019 09:07 Ichich 21

"Geschäftsmodell Leiharbeit": Hier geht es nicht um "Arbeitsspitzen", nicht um die Vermittlung zu anderen Firmen und noch nicht einmal um Kostenersparnis (da auch die Leiharbeitsfirma bezahlt werden muß). Es geht darum, daß Konjunkturrisiko auf die Arbeiter zu verlagern. (Frage: Wie geht es eigentlich Autovision in Zwickau ?). Skandalös ist, daß selbst zu Hochkonjunkturzeiten diese Praxis exzessiv beibehalten wurde. Was sagten denn die Gewerkschaften dazu ? Porsche hat sich in TV-Sendungen feiern lassen, weil sie so vielen Flüchtlingen "eine Chance geben" - mit einem enthusiasmiertem Betriebsratsvorsitzenden Hück. Da werden für die "paar Hundert" sicherlich auch ganz viele Chancen angeboten werden. ;-)

21.03.2019 22:06 Paule 20

Der Sklave hat seine Schuldigkeit getan!

21.03.2019 22:05 Rasselbock 19

Die einseitig auf das Auto ausgerichtete deutsche Industrie bekommt nun zu spüren was sie lange zeit ignoriert hat, den technologischen Wandel, Digitalisierung und Industrie 4.0. Dagegen hilft nur Innovation und nicht festhalten an veralteten Prinzipien. Der Abbau geht auch weiter, das E-Mobil braucht ca 65% weniger Teile,verspricht höheren Profit. Und das wird dann auch gemacht. Flexibilität ist gefragt und die Fähigkeit zum Umlernen. Wer das nicht kann fäöllkt durchs Sieb.

21.03.2019 21:45 Bernd 18

Der totale Hohn!!! In einer Woche zu verkünden, dass man sparen muss ( 6. Mrd.) - um dann einige hundert Leiharbeiter gehen zu lassen, weil es eben nicht mehr läuft und dann den Porsche-Mitarbeitern einen fetten Bonus von 9.700 Euro zahlen. Hallo Porsche-Management - welcher Otto-Normal-Verbraucher wollt ihr sowas noch bei bringen?! Ach gar nicht?! Stimmt ihr lebt in eurer eigenen Welt. Und nun an die Mitarbeiter von Porsche: die nächsten Entlassungen kommen bestimmt! Muss ja, denn wie will man sonst gegen die Niedriglohnländer bestehen? Bloss wenn man keine Leiharbeiter mehr gehen lassen kann - tja wer geht dann?!?

21.03.2019 21:05 Möwe 17

@Wo ist das Lobbyregister? @Max W. - nicht zu fassen... = Zwei die die Weisheit gepachtet haben, Wahnsinn.

Auch hier wird wieder in großer Unkenntnis daher geschwafelt. Wie würden Sie die Situation lösen?

21.03.2019 18:50 Wo ist das Lobbyregister? 16

@21.03.2019 18:04 wolle1

(Gerade um Stammkapazitaeten zu halten, nicht staendig Leute einzustellen um sie dann ein paar Monate spaeter wieder entlassen zu muessen und trotzdem Auftragsspitzen abfangen zu koennen, genau dafuer gibt es Leiharbeiter.)

In vielen Berliner Kliniken arbeiten K'schwestern mittlerweile lieber im "Leasing" und nicht an einem festen Arbeitsplatz - WEIL sie dort mehr verdienen und sich den Zumutungen der AG entziehen können. Sie können damit begrenzt sogar Druck ausüben - und siehe da! Das passt den Herrn Lobbyisten und den Klinikbetreibern nun aber gar nicht. Und schon geht das Gerede von der gefährdeten "Versorgung" los...

Sie und ihresgleichen haben im übrigen nicht verstanden, wie unser Wirtschafts- und Sozialsystem untrennbar miteinander verflochten sind und das bewährtermaßen. Das wundert mich aus dieser Ecke wenig.

21.03.2019 18:44 Max W. - nicht zu fassen... 15

@21.03.2019 18:04 wolle1 (Gerade um Stammkapazitaeten zu halten, nicht staendig Leute einzustellen um sie dann ein paar Monate spaeter wieder entlassen zu muessen und trotzdem Auftragsspitzen abfangen zu koennen, genau dafuer gibt es Leiharbeiter. Diese wissen es auch.)

"Auftragsspitzen? 5000 Beschäftigte bei VW? Aha. Das ist schlichter Unsinn. Den Beschäftigten wird i. d. R. eine konstante Beschäftigung durch den "Verleiher" vorgespiegelt und die "Arbeitsagenturen" erzwingen diese Art der Beschäftigung. Das ist alles hinlänglich bekannt - incl. der Folgen. Nur ihnen nicht. Abgesehen davon entgeht den LA ihr Anteil am erwirtschafteten Mehrwert - und DAS ist der Hauptgrund für die Noskes der SPD gewesen, die Agenda2010 der OV Bochum der SPD durch den vorbestraften Gen. Hartz im Sinne des Verwertungsinteresses frisieren zu lassen. Ihr Sozialismus-Gequatsche können sie stecken lassen.

21.03.2019 18:04 wolle1 14

Die meisten hier sollten mal den Bergriff " Leiharbeiter " versuchen zu verstehen. Gerade um Stammkapazitaeten zu halten, nicht staendig Leute einzustellen um sie dann ein paar Monate spaeter wieder entlassen zu muessen und trotzdem Auftragsspitzen abfangen zu koennen, genau dafuer gibt es Leiharbeiter. Diese wissen es auch.
Und im Uebrigen @2 der Sozialismus ist 30 Jahre vorbei. Mit Ihrer Einstellung wuerden Sie kein Jahr am Markt bestehen. Und muessten folglich ihre Belegschaft auch entlassen

21.03.2019 17:46 Zeitgeist 13

Leiharbeiter , der Name sagt es schon.
Aber bei den Fachkräftemangel in D' Land kommen diese Leiharbeiter doch überall nun auch mit besseren Lohn unter.

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