30.06.2020 | 19:33 Uhr Lehramtsstudenten in Leipzig protestieren gegen Pläne des Rektorats

Studentenleben vor dem Hörsaalgebäude.
Die Universität Leipzig ist auch beliebt bei Lehramtsstudenten. Mittlerweile beginnen jedes Jahr 1.400 Menschen ihre Ausbildung als Lehrer in Leipzig. Bildrechte: dpa

Am Nachmittag haben Studierende der Universität Leipzig mit einem Protest auf Probleme in der Lehrerausbildung aufmerksam gemacht. Mit Fahrrädern trafen sich Studierende und Dozenten auf dem Campus der Erziehungswissenschaften und fuhren als Korso zum Rektorat der Universität.

Höhere Arbeitsbelastung für Dozenten

Hintergrund der Aktion sind dem Studierendenrat zufolge Stellenstreichungen und eine Erhöhung des Arbeitspensums der Dozenten. Felix Fink vom Studierendenrat Leipzig sagte: "Jeder Dozierende, der Seminare gibt, muss eine gewisse Anzahl an Stunden jede Woche lehren und Seminare geben. Bisher waren das 16 Semesterwochenstunden, diese Anzahl soll aber auf 20 Stunden erhöht werden. Das erachten wir als viel zu hoch."

300 Studierende pro Dozent

Mit einer einfachen Rechnung will Fink das Problem deutlich machen: Ein Dozent, der 20 Semesterwochenstunden als Lehrperson arbeite, gebe zehn anderthalbstündige Seminare. "Im Schnitt nehmen 30 Studierende an den Seminaren teil und schreiben dann eine Hausarbeit. Der Dozent ist demnach für 300 Studierende in diesem Semester zuständig, von der Betreuung bis zu Korrektur der Hausarbeit", rechnet der Student vor. Hinzu kämen das Vor- und Nachbereiten der Seminare.

Das ist viel zu viel. Das führt aus unserer Sicht dazu, dass die Universität zumindest in der Lehrerbildung zum reinen Abfertigungsbetrieb wird. Das wollen wir nicht akzeptieren.

Felix Fink Referent Lehramt im Studierendenrat Leipzig

Immer mehr Studierende in Leipzig

Gerade vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels in Sachsen sei auch die Entscheidung falsch, zehn Stellen zu streichen, heißt es aus dem Stura. "Wir stellen fest, dass es viel zu wenig Lehrerinnen und Lehrer gibt und deswegen kommen ja auch immer mehr Lehramtsstudierende an die Unis. Die Plätze, die vorgehalten werden, werden immer weiter erhöht – um Hunderte", meint Fink. Die müssten von der gleichen Anzahl an Lehrpersonen betreut werden. Da es nicht mehr Dozenten gebe, erhöhe das Rektorat einfach die Anzahl der Studierenden, die betreut werden.

Die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking, spricht am 24.11.2017 im Paulinum der Universität in Leipzig (Sachsen) auf einer Pressekonferenz.
Die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking. Bildrechte: dpa

Eine Stellungnahme von Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig, widerspricht zumindest in diesem Punkt nicht. Darin heißt es: "Die Staatsregierung erwarte von der Universität eine konkrete Anzahl von Studienplätzen für Lehramtsstudierende. 'Diese Zahl steigt gegenüber den letzten Jahren weiter: Bis 2020 waren es 1.300, nun müssen wir 1.400 Lehramtsstudierende aufnehmen und zusätzlich noch weitere 90 Lehramtsstudienplätze für berufsbildende Schulen bereitstellen. Dafür gibt uns die Landesregierung Geld, knapp 15 Millionen Euro pro Jahr.'"

Befristete Stellen werden ersetzt

Weiter heißt es, die Stellen in der Lehrerausbildung seien bis jetzt über das sogenannte Bildungspaket bezahlt worden. Das läuft Ende dieses Jahres aus. Das heißt, zum 31. Dezember 2020 fallen alle befristeten Stellen der Dozenten weg. Stura-Mitglied Fink meint: "Das nutzt die Universität, um neue, schlechtere Ausschreibungen zu machen." Das Rektorat hält dagegen: "Alle neuen Stellen im Rahmen des ‚Zukunftsvertrags Studium und Lehre stärken – Lehrerbildung‘ können als unbefristete Beschäftigungsverhältnisse ausgebracht werden."

Rektorat beschwichtigt

Die Universität argumentiert, Leipzig bleibe mit 20 Semesterwochenstunden noch deutlich unter der Höchstgrenze von 24 Stunden, die laut Sächsischer Dienstaufgabenverordnung an Hochschulen maximal möglichen wären. Außerdem sei die Studentenzahl bei unbefristeten Stellen deutschlandweit höher als bei unbefristeten Stellen.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 30.06.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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