verpixeltes Porträtfoto der vermissten Studentin Sophia L. aus Leipzig
Bildrechte: Polizei Leipzig

23.07.2019 | 09:00 Uhr Prozess im Fall der getöteten Tramperin Sophia hat begonnen

Im Juni 2018 wollte Sophia L. per Anhalter von Sachsen nach Bayern zu ihrer Familie. Doch sie kommt nie an. Die Studentin wird tot in Spanien gefunden. Ein Lkw-Fahrer muss sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten.

verpixeltes Porträtfoto der vermissten Studentin Sophia L. aus Leipzig
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Gut ein Jahr nach dem Mord an der Tramperin Sophia hat am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess begonnen. Angeklagt ist ein Lastwagenfahrer aus Marokko, der die 28-jährige Studentin auf ihrem Weg von Leipzig nach Bayern mitgenommen und ermordet haben soll. Er selbst gab dem Gericht zufolge an, Sophia bei einer Auseinandersetzung getötet zu haben. Die Leiche der Frau wurde einige Tage nach ihrem Verschwinden in Spanien gefunden.

Die Eltern der Studentin und ihr Bruder treten im Prozess als Nebenkläger auf. Es sollen laut Gericht 17 Zeugen und drei Sachverständige gehört werden. Zunächst sind zwölf Prozesstermine angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich am 18. September fallen.

Wir erwarten, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Als Angehöriger will man sie wissen, auch wenn sie noch so grausam ist.

Andreas L., Bruder des Opfers dpa

Was geschah mit Sophia?

Die Studentin wollte am 14. Juni 2018 von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen. Von dort wollte sie laut ihrem Bruder Andreas per S-Bahn weiter zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Doch dort kam Sophia nie an.

Ihr Bruder sagt, Sophia sei häufiger getrampt. An einer Tankstelle in Schkeuditz soll der Angeklagte die Tramperin mitgenommen und laut Anklage später ermordet haben. Nach Gerichtsangaben starb sie infolge stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Der genaue Tathergang ist unklar.

Der Angeklagte gab laut Gericht an, die Studentin bei einer Auseinandersetzung getötet zu haben. Als Tatort wird Oberfranken vermutet. Der damals 41 Jahre alte Lkw-Fahrer wurde noch im Juni 2018 in Spanien festgenommen. Dort wurde auch Sophias Leiche entdeckt, einige Tage nachdem ihre Familie sie vermisst gemeldet hatte. Im August 2018 wurde der Angeklagte schließlich nach Deutschland überstellt. Seitdem sitzt er in einem Gefängnis in Oberfranken in Haft.

Familie kritisiert deutsche Ermittlungsbehörden

Die Familie hat im Vorfeld des Prozesses wiederholt die Arbeit der deutschen Ermittler kritisiert. Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe.

Auch die Kommunikation zwischen Bayern und Sachsen habe nicht funktioniert. "Es kann nicht sein, dass man sich drei Tage darüber streitet, wer zuständig ist", sagt Sophias Bruder Andreas. Die spanische Polizei habe hingegen "vorbildlich" und "in Windeseile" gearbeitet.

Polizisten sichern am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren.
Sophias Leiche wurde in Spanien gefunden. Bildrechte: dpa

Familie wehrt sich gegen Instrumentalisierung

Vor Prozessbeginn stellt Sophias Bruder auch erneut klar, dass es in der Verhandlung um Gewalt gegen Frauen und nicht um Flüchtlinge gehe. Hintergrund ist, dass Rechtspopulisten versucht hätten, Sophias Tod zu instrumentalisieren.

Unter anderem hatten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz bei einem sogenannten Schweigemarsch im vergangenen Jahr das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt getragen. "Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird", hatte die Familie danach erklärt.

Hass-E-Mails auch aus dem Raum Leipzig

Die Familie bekam auch Hass-E-Mails. Diese Mails und Äußerungen in sozialen Medien wurden von der bayerischen Zentralstelle Cybercrime in Bamberg geprüft, wie ein Sprecher bestätigt. In einem Fall sei ein Täter aus dem Raum Leipzig identifiziert worden. Das Verfahren habe jedoch wegen Schuldunfähigkeit eingestellt werden müssen.

Quelle: MDR/dpa/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.07.2019 | ab 10:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Leipzig

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