Prozessauftakt Brandstiftung Eisenbahnstraße Leipzig
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

22.08.2019 | 16:25 Uhr Prozessauftakt um Brandstiftung in der Eisenbahnstraße

Am Donnerstag hat am Landgericht Leipzig der Prozess gegen eine 31-jährige Frau begonnen, die zwei Brände in einem Haus in der Eisenbahnstraße gelegt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau neben versuchten Mord in 39 Fällen ebenfalls gefährliche Körperverletzung und besonders schwere Brandstiftung vor. Die Angeklagte hat die Vorwürfe im Vorfeld des Prozesses zurückgewiesen. Im Prozessauftakt schwieg sie.

Prozessauftakt Brandstiftung Eisenbahnstraße Leipzig
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Während der Staatsanwalt die Anklage verliest, schüttelt Claudia S. mehrfach den Kopf. Den Tod von 39 Menschen soll sie billigend in Kauf genommen haben, heimtückisch gehandelt haben, erklärt der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift. Die 31-Jährige unauffällige Frau hat rot gefärbte kurze Haare und trägt über einem weißen Hemd eine geblümte Weste. Sie wirkt nervös, blickt immer wieder mit unruhigem Blick über ihre Brille. In der Prozesspause blättert sie in den Akten ihres Anwalts, ohne sie zu lesen.

Erste Zeugen sagen aus

Prozessauftakt Brandstiftung Eisenbahnstraße Leipzig
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Nach der Anklageverlesung werden am ersten Prozesstag die ersten Zeugen gehört. Drei Polizisten, die an den Tattagen vor Ort waren, geben ihre Eindrücke zu Protokoll. Aus den Befragungen geht hervor, dass Claudia S. den ersten Brand selber gemeldet haben soll. Sie wohnte damals im Hinterhaus bei ihrer Tante. Darüber hinaus interessieren sich der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt vor allem für die Zustände im Brandhaus. Alle Polizeibeamten berichten von der Unzugänglichkeit des Gebäudes während des Brandes und dem Rettungseinsatz der Feuerwehr, bei der die Eingeschlossenen mit Leitern aus den Wohnungen gerettet werden mussten. Es habe keine anderen Rettungswege aufgrund der raschen Brandentwicklung gegeben, fasst einer der Polizisten zusammen.

"Claudia war immer am Ackern"

Ein Haus in der Leipziger Eisenbahnstraße
Der Tatort: In der Eisenbahnstraße 115 hatte es 2017 und 2018 gebrannt. Beide Male wurde das Feuer gelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Ausbruchsstelle der Brände nennen alle drei Beamten den unteren Teil des Hauses. Dort stand auch der Kinderwagen einer jungen Mutter, die beim ersten Brand in dem Haus wohnte. Die als Zeugin geladene 31-jährige Mutter wohnte damals in der fünften Etage des Hauses und kennt die Angeklagte. Während sie von den schwierigen Familienverhältnissen der Angeklagten spricht, die von ihrer Tante "unterdrückt" worden sei, weint Claudia S. und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Die Zeugin gibt zu Protokoll, dass die Angeklagte in der Kneipe ihrer Tante mitgeholfen hat. "Claudia war immer am Ackern", erklärt sie. Zudem habe sie immer einen unauffälligen und fleißigen Eindruck gemacht. Die Zeugin könne sich aus diesem Grund auch nicht vorstellen, dass die Angeklagte den Brand gelegt haben soll.

Urteil im Oktober erwartet

Bei den beiden Bränden wurden jeweils 13 Menschen verletzt. Bereits beim ersten Brand hatte die Polizei vermutet, dass ein Brandstifter das Feuer gelegte hatte, indem er einen Kinderwagen anzündete, der im Flur stand. 18 Bewohner standen kurz vor dem Weihnachtsfest ohne Bleibe da. Von dem Feuer am 26. November 2018 waren insgesamt 21 Bewohner im Alter von 20 bis 75 Jahren betroffen. 17 von ihnen wurden mit Leitern und Sprungkissen aus dem Gebäude gerettet, in dem der Fluchtweg durch das brennende Treppenhaus abgeschnitten war. Das Wohnhaus war wochenlang nicht bewohnbar. Zudem kam es nach Angaben von Zeugen zu Plünderungen, während die Betroffenen in Notunterkünften untergebracht waren. Im Dezember 2018 kurz nach dem zweiten Brand wurde Claudia S. verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ein Urteil wird frühestens im Oktober erwartet.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 22.08.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 16:24 Uhr

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