Ludwigstraße Polizei räumt besetztes Haus in Leipzig

Die Polizei räumt ein besetztes Haus in Leipzig.
Polizeieinsatz in Leipzig: In der Ludwigstraße wird ein besetztes Haus geräumt. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Die Polizei hat am Mittwochmorgen ein besetztes Haus in der Ludwigstraße im Leipziger Osten geräumt. Wie die Polizeisprecherin Maria Braunsdorf MDR SACHSEN sagte, verlief die Aktion ohne Zwischenfälle. Umgesetzt wurde ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts: Der Hauseigentümer hatte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

Polizei, Spezialkräfte und Feuerwehr im Einsatz

Neben Einsatzkräften der Leipziger Polizei waren ab 6 Uhr auch Bereitschaftspolizisten und Spezialkräfte vor Ort, informierte die Polizei. Sprecherin Braunsdorf sagte außerdem, man habe die Feuerwehr um Hilfe gebeten.

Im Nachbargebäude haben wir festgestellt, dass die Treppe baufällig ist Treppenabschnitte nicht mehr vorhanden sind, deswegen war ein Hineingelangen in die obersten Etagen nicht möglich. Wir haben die Feuerwehr um Unterstützung gebeten, die mit Drehleiter uns dann den Zutritt über die Fenster ermöglicht hat.

Maria Braunsdorf Polizeisprecherin

Nach Angaben der Polizei hatten die Beamten vor Ort angenommen, dass einzelne Hausbesetzer ins Nachbarhaus geflüchtet seien.

Vier Menschen im Haus angetroffen

Bei der Durchsuchung des besetzten Hauses trafen die Beamten zwei Männer und zwei Frauen an. Gegen einen der Männer lag ein Haftbefehl vor. Der zweite Mann und eine Frau flohen, konnten aber von der Polizei gestellt werden. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs ermittelt. Die zweite Frau durfte nach der Identitätsfeststellung gehen. Im Nachbargebäude sei niemand angetroffen worden. Nach dem Einsatz wurden Eingangstüren und Fenster gesichert, um Unberechtigte am Zutritt zu hindern.

Besetzung als Protest gegen hohe Mieten

Mitglieder der Gruppe "Leipzig besetzen" hatten am 21. August das leerstehende Haus in Beschlag genommen und in einer öffentlichen Stellungnahme die Aufwertung und Verteuerung von Wohnraum kritisiert. In den vergangenen Tagen hatte sich eine Eskalation angedeutet.

Dass es zur Räumung gekommen ist, findet Juliane Nagel, Mitglied im Leipziger Stadtrat für die Linke, schade: "Die Stadt hat gemacht, was sie konnte: versucht, zwischen Besetzerinnen und Eigentümer zu vermitteln. Aber der Eigentümer hat sehr überraschend entschieden, dass er kein Gespräch will. Ich hätte mir gewünscht, dass hier eine einvernehmliche Lösung gefunden worden wäre, wie zum Beispiel in Form einer Zwischennutzung durch die Besetzerinnen." Die Stadträtin sieht das Land in der Verantwortung, in Zukunft den Leerstand von Gebäuden zu verhindern.

Die Polizei räumt das besetzte Haus an der Ludwigstraße in Leipzig.
Die Polizei räumt das besetzte Haus. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Die Besetzung hatte auch im Stadtrat für Streit gesorgt: Während Vertreter von CDU und AfD die Räumung forderten, solidarisierten sich Grüne und Linke mit den Leuten.

Hausbesetzung in Leipzig
Am 21. August wurde das Haus in der Ludwigstraße besetzt. Bildrechte: Christian Grube

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2020 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

12 Kommentare

Sonnenanbeter vor 20 Wochen

Wie friedlich das Umfeld bzw. die Sympathisanten der Besetzer so sind, zeigte sich gestern Abend, siehe auch "Demo und Krawalle in Leipzig", MDR (04.09.2020). Verharmlosend und verklausulierend sprechen einige Medien wie die LVZ dann heutzutage oft von sogenannten "Resonanzaktionen" (= Vergeltung oder Rache). Außerdem entschied man sich schon davor, auf der Webpräsenz #leipzigbesetzen die Identität des Hausbesitzers preiszugeben (wozu wohl ...), während man es selbst vorzieht, anonym zu bleiben. Das hat natürlich den unbestrittenen Vorteil, dass einem im Zuge der Strafverfolgung kein Räumungsbefehl zugestellt werden kann. Angesichts dessen, wie die entsprechende Klientel in der Vergangenheit in Leipzig mit dem Besitz (vorzugsweise den Fahrzeugen) von unliebsamen privaten Immobilienbesitzern, Hausverwaltungen bzw. Immobilienfirmen verfuhr, dürfte hier in der Folge leider noch einiges zu erwarten sein, vermutlich auch gegen die Polizei.

SGDHarzer66 vor 20 Wochen

"Unsere Jugend"? - diese Leute vereinen rudimentär das in sich, was man mit Jugend in Verbindung bringen könnte!
Ansonsten handelt es sich meiner Meinung nach um Personen, welche ich eingangs beschrieben habe.
Guten Tag.

nasowasaberauch vor 20 Wochen

Eigentum verpflichtet, aber ungenutztes fremdes Eigentum verpflichtet nicht zur straffreien Okkupation. Wer bezahlt nun die Räumung unter Beteiligung von mehr als 100 Beamten samt Technik. Für die Begleichung der Rechnung plädiere ich dafür die Tagessätze als Ersatzfreiheitsstrafe einzutreiben. Das gibt Zeit zum Nachdenken, was die Voraussetzungen für eine Verhandlung auf "Augenhöhe" sind.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen