Fußballfans im Stadion.
RB Leipzig musste anderen Vereinen schon oft beim Jubeln zuschauen – so wie hier in Ingolstadt 2015. Bildrechte: imago/ActionPictures

24.05.2019 | 10:55 Uhr RB Leipzig und der Jubel der Anderen

Rasenballsport Leipzig hat in seiner kurzen Geschichte schon viele Erfolge errungen. Ein Makel begleitet den Klub aber seit Jahren. Ständig muss er anderen beim Feiern zusehen. Eine Chronik.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN

Fußballfans im Stadion.
RB Leipzig musste anderen Vereinen schon oft beim Jubeln zuschauen – so wie hier in Ingolstadt 2015. Bildrechte: imago/ActionPictures

Rasenballsport Leipzig ist mittlerweile zehn Jahre alt. Seit der Gründung im Mai 2009 hat der Verein beachtliche Erfolge gefeiert. Innerhalb von sieben Jahren stiegen die Leipziger von der Oberliga in die Bundesliga auf. Dort haben sie sich mittlerweile in der Spitzengruppe etabliert und nehmen in der kommenden Saison zum dritten Mal am Europapokal teil. Bereits zum zweiten Mal gelang dabei die Qualifikation für die Champions League.

Zur Geschichte der Leipziger gehört aber auch die seltsame Tradition, anderen Mannschaften beim Feiern zusehen zu müssen. Denn trotz stetiger sportlicher Entwicklung und – zumindest bis zum Bundesligaaufstieg – enormer finanzieller Dominanz in den jeweiligen Spielklassen, hat Rasenballsport bisher kaum Titel gewonnen.

Der Jubel der anderen - ein Überblick

Nadelöhr Regionalliga

Nach der Oberliga-Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg 2010 gewann Leipzig 2011 erstmals den Landespokal in Sachsen und qualifizierte sich für den DFB-Pokal. Den wichtigeren Titel in jener Saison 2010/11 verpassten die Rot-Weißen aber: die Meisterschaft in der Regionalliga Nord, die zum Aufstieg in die 3. Liga berechtigt hätte.

Stattdessen sicherte sich der Chemnitzer FC mit deutlichem Vorsprung Platz 1. Zu allem Überfluss musste Leipzig am vorletzten Spieltag auch noch bei den Himmelblauen antreten. Chemnitz gewann und feierte den Aufstieg, RB Leipzig schaute in die Röhre.

Wieder nur Gäste

In der Folgesaison wollten es die Leipziger besser machen. Gemeinsam mit dem Halleschen FC und Holstein Kiel lieferte sich die Mannschaft, die damals von Peter Pacult trainiert wurde, einen spannenden Dreikampf. Und scheiterte wieder. Bereits nach dem vorletzten Spieltag stand fest, dass Leipzig den Aufstieg erneut verpassen würde.

Das letzte Saisonspiel bestritt Rasenballsport dann ausgerechnet beim Hauptkonkurrenten Hallescher FC. Es hätte also ein richtiges Endspiel werden können. Stattdessen musste sich Halle nur im Fernduell gegen Kiel behaupten. Ein 0:0 reichte dem HFC zum Aufstieg und RB durfte bei der Meisterfeier wieder nur Spalier stehen.

Meisterschaft ohne Wert

Die beiden verpassten Aufstiege hatten für die Messestädter unangenehme Folgen. Denn es folgte eine Regionalligareform, die die Meisterschaft in dieser Liga künftig enorm abwertete. Denn der Tabellenerste musste sich fortan noch gegen einen anderen Staffelsieger in der Relegation durchsetzen. Immerhin: Im dritten Anlauf holte Leipzig die Meisterschaft und konnte sich auch in der Relegation gegen Lotte behaupten. Der Aufstieg in den Profifußball war geschafft. Zudem holten die Rasenballer erneut den Landespokal.

Jubelnde Fußballspieler 2 min
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Es waren vergleichsweise unbedeutende und bis heute die letzten Titel, die RB Leipzig gewann. Im ersten Drittligajahr gelang gleich der Durchmarsch in die 2. Bundesliga. Auch ohne die Meisterschaft eine beachtliche Leistung.

Mit aller Macht in die Bundesliga

Obwohl sie gerade erst zwei Mal hintereinander aufgestiegen waren, strebten die Leipziger sofort mit aller Macht in die Bundesliga. Zwar lagen sie lange aussichtsreich im Aufstiegsrennen, mussten kurz vor dem Saisonende aber abreißen lassen.

Wie groß der Wunsch direkt wieder aufzusteigen war, ließ sich im Spiel gegen Darmstadt 98 im April 2015 sehen. Die Hessen waren ebenfalls im Vorjahr aufgestiegen und träumten, wie Leipzig, vom Durchmarsch. Beim Spielstand von 1:1 kam RB-Torwart Fabio Coltorti kurz vor Schluss mit in den gegnerischen Strafraum. Ein für dieses Ergebnis unglaublicher Vorgang. Coltorti erzielte dann auch das Siegtor.

Der Erfolg nutzte aber nichts, denn am Ende verpasste Leipzig doch den Aufstieg. Und war dann am vorletzten Spieltag auch noch in Ingolstadt zu Gast, als die Bayern die Zweitligameisterschaft feierten.

Im Folgejahr kam es in der Bundesliga erneut am vorletzten Spieltag zum Aufeinandertreffen mit dem Meister: den FC Bayern. Zwar mussten die Leipziger im eigenen Stadion keine Feier ertragen. Den erhofften Achtungserfolg gegen die Münchner verpassten die Rasenballer aber. In einem spektakulären Spiel siegte Bayern 5:4.

Keine Lust mehr auf zuschauen

Es ist nur allzu verständlich, dass in Leipzig niemand mehr Lust hat, die Partys der anderen zu beobachten. Schon im letzten Spiel gegen die Bayern wurde diese Motivation deutlich. Mit einem Sieg bei RB hätte der FC Bayern vor zwei Wochen das Titelrennen vorzeitig entscheiden können. Die Leipziger stemmten sich dagegen, erkämpften ein Unentschieden und verschoben die Feierlichkeiten um eine Woche.

Am Samstag will Rasenballsport in Berlin dann nicht nur den erneuten Jubel eines anderen Vereins verhindern. Vielmehr wollen die Leipziger eine hervorragende Saison krönen und zehn Jahre nach ihrer Gründung endlich einen großen Titel gewinnen. Den DFB-Pokal.

Quelle: MDR/olei

AKTUELLES AUS SACHSEN

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSENSPIEGEL | 24. Mai 2019 | 19:00 Uhr

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18 Kommentare

25.05.2019 14:58 matze0106 18

Es wäre zu schön, wenn den Bayer heute ein Bein gestellt werden würde. RB hat das Zeug dazu und hoffentlich genug Adrenalin um in die letzten Minuten zu kommen und dann den Bayerndusel zu überstehen.

25.05.2019 11:24 Ddrler 17

Blau Gelb Weisses Daumendrücken aus Jena......für den FC BAYERN.........denn der andere Verein heute Abend ist so überflüssig wie ein KROPF..werde mir es trotzdem nicht anschauen....einfach nur ein sinnloses Finale!!!!!!

25.05.2019 10:45 Randthüringer 16

Seit 1974 bin ich Bayernfan.
Damals bestand die deutsche Nationalmannschaft überwiegend aus Bayernspielern und wurde Weltmeister.
Ich konnte den Weg des FCB im 3. Programm immer verfolgen.
Also, auf geht's, Buam.
Mia san mia!
Bayern gewinnt das Pokalendspiel am 25.05.2019.

25.05.2019 09:45 Blick nach vorn 15

ich hoffe Rb gewinnt . Schön das es einer gewagt hat vor 10 Jahren mal Geld in die Hand zu nehmen und hier auch einen Club zu erschaffen wie es ihn überall in vielen Ländern schon gibt . Bayern wäre ohne den großen Sponsoren und Geldern in der Bayernliga .

25.05.2019 09:41 Leo-Armine 14

Das geht mir genauso wie @12 - noch nie war mir ein Pokalfinale so wurscht wie das heute.
Bayern-Uli und Ösi-Didi planen eine gemeinsame Sporthalle in München, der Franz hat dem Didi mal beratend zur Verfügung gestanden und der Rest war Finanzdoping und Copy and Paste. Beste Voraussetzung für eine wurstige Inszenierung heute Abend.

Sind eigentlich bei diesem "historischen" Ereignis mal die Leute vom SSV Markranstädt eingeladen worden, denen man die Spielerlaubnis für'n Appel und 'n Ei abgekauft hat? Oder Joachim Krug, der dem Konstrukt gezeigt hat, wie man mit Firmennamen geschickt Vereine benennt? DAS wäre doch mal ein netter Zug.

25.05.2019 08:34 Gerald 13

Zu @Real 5
Sie werden lachen, ich war wirklich schon bei zwei DFB-Pokalendspiele mit Ost-Beteiligung in Berlin! Nämlich 1997 bei Energie gegen Stuttgart und im Jahre 2001 beim Spiel Union gegen Schalke! Und Beziehungen um eine Karte zu bekommen hatte ich auch! War schönes Erlebnis!
Und dieses Mal interessiert mich das Spiel heute nicht! Ich hätte auch nicht geschaut, wenn Bayern gegen eine andere Mannschaft gespielt hätte! Kann alle Beide nicht leiden! Genauso verhält sich das auch bei der Sportschau, wenn sie dann die Ausschnitte der beiden Teams bringen!
Dann wir sofort weggeschaltet!
Und das Abschneiden der beiden Teams in der Championsleague interessiert mich dann auch nicht! Jetzt wissen Sie, warum ich es nicht schaue!

24.05.2019 23:55 Z. 12

Eigenartige neue Empfindung, so noch nie erlebt: Da ist DFB-Pokalfinale, und in mir kein Bauchkribbeln, nix, einfach nur egal das Spiel, null Interesse zu erfahren wer gewinnt, die pure Belanglosigkeit; irgendwann wirds vorbei sein. Der Unterschied zum vorigen Jahr, als Eintracht im Finale stand, könnte nicht krasser sein.

24.05.2019 22:44 74 11

Heute war auch so ein Spiel wehen vs audistadt......

24.05.2019 22:25 Marcel 10

Millionenkredite aus Österreich machen es möglich...und Leipzig verkauft dafür seinen Namen. Ohne Worte.

24.05.2019 22:08 Kai 9

Hoffentlich bleibt es morgen dabei.Ich hätte zwar lieber die Dortmunder als Meister gesehen, aber den Pokal gönne ich den Bayern.Ein 4 oder 5:0 gegen den Gegner wäre sehr schön.

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