Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
Die Mibrag plant die Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Das Dorf Pödelwitz soll weichen. Auch der Kohlekompromiss wird dies wohl nicht verhindern. Bildrechte: dpa

Leipziger Land Pödelwitz plant nach Kohlekompromiss neue Proteste

Lange wurde um den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung gerungen. Am Ende steht ein Kompromiss, der für unterschiedliche Reaktionen sorgt. Die Mibrag nennt den Ausstieg für 2038 einen "harten Schlag", Umweltschützern kommt er zu spät. In Pödelwitz regt sich Protest.

Ein Schaufelradbagger SRs 2000 der MIBRAG steht bei frostigen Temperaturen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Pödelwitz (Sachsen) vor den Kühltürmen des Kraftwerks Lippendorf.
Die Mibrag plant die Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Das Dorf Pödelwitz soll weichen. Auch der Kohlekompromiss wird dies wohl nicht verhindern. Bildrechte: dpa

Der Termin steht: Die Bundesregierung plant den vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2038. Bereits 2035 soll geprüft werden, ob der Termin vorverlegt werden kann. Auf diesen Kompromiss hatte sich das eingesetzte Gremium am Sonnabend geeinigt. Glücklich sind damit weder die Kohleindustrie, noch die Kohlegegner. Die Mibrag nannte den vorzeitigen Ausstieg einen harten Schlag für die Region, verbunden mit dem Verlust von gut bezahlten Industriearbeitsplätzen.   

Pro und Contra Reaktionen aus Sachsen auf den Kohle-Kompromiss

Nachdem die Kohlekommission am Freitag ihre Ergebnisse vorgestellt hat, wird viel über den Kompromiss diskutiert. Die Meinungen gehen auch in Sachsen weit auseinander.

Michael Kretschmer
Michael Kretschmer | Ministerpräsident Sachsen (CDU) Der Ministerpräsident zeigt sich zufrieden mit dem Kohle-Kompromiss und sieht in dem Ergebnis eine Chance für Sachsen: "Wir hätten als Freistaat Sachsen nicht die Möglichkeit, die Lausitz und das mitteldeutsche Revier in so einem Umfang zu entwickeln." Mit dem Geld sollen unter anderem Straßen und Bahnverbindungen ausgebaut sowie Forschungseinrichtungen angesiedelt werden. Nach den teils schwierigen Verhandlungen schaut Kretschmer optimistisch nach vorn: "Jetzt wollen wir mit dem Ergebnis arbeiten und für alle Beteiligten das Beste daraus machen." Bildrechte: dpa
Michael Kretschmer
Michael Kretschmer | Ministerpräsident Sachsen (CDU) Der Ministerpräsident zeigt sich zufrieden mit dem Kohle-Kompromiss und sieht in dem Ergebnis eine Chance für Sachsen: "Wir hätten als Freistaat Sachsen nicht die Möglichkeit, die Lausitz und das mitteldeutsche Revier in so einem Umfang zu entwickeln." Mit dem Geld sollen unter anderem Straßen und Bahnverbindungen ausgebaut sowie Forschungseinrichtungen angesiedelt werden. Nach den teils schwierigen Verhandlungen schaut Kretschmer optimistisch nach vorn: "Jetzt wollen wir mit dem Ergebnis arbeiten und für alle Beteiligten das Beste daraus machen." Bildrechte: dpa
Mann mit Brille
Gerd Lippold | energiepolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion Der Grünen-Politiker sieht Gutes und Schlechtes im Kohle-Kompromiss. So sei der kontinuierliche Abbau der Kohlestromkapazitäten positiv zu bewerten. Es fehlt ihm aber eine explizite Empfehlung der Kommission für die Zukunft der noch durch Braunkohle bedrohten Dörfer. Lippold fordert nun vom Freistaat, ein Energie- und Klimaprogramm aufzustellen, "das dem Auslaufen der Kohleverstromung Rechnung trägt". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kai Emanuel/CDU-Landratskandidat Nordsachsen
Kai Emanuel | Landrat von Nordsachsen (parteilos) Der nordsächsische Landrat begrüßt das Ergebnis der Kohlekommission und warnt zugleich, dass das Ausstiegsdatum das Land nicht spalten dürfe. Es sei wichtiger, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und dann gehe es vielleicht auch schneller als bis 2038. "Natürlich kann ich all jene verstehen, die lieber heute als morgen sämtliche Kohlekraftwerke abschalten würden. Genauso verstehe ich aber auch die Sorgen all jener, deren Existenz an der Kohleindustrie hängt. Darum war und ist mein Standpunkt: Erst Infrastruktur, dann Braunkohleausstieg!", so Emanuel. Bildrechte: CDU-Landesverband Sachsen
Prof. Felix Ekardt bei einem Vortrag.
Felix Ekardt | Vorsitzender des BUND Landesverbandes Sachsen Der BUND Sachsen freut sich einerseits darüber, dass bis 2022 bereits 12,5 Gigawatt aus Kohlekraftwerken vom Netz gehen sollen, doch das Ausstiegsdatum sei zu spät. "Es ist enttäuschend, dass vor allem die Vertreter der ostdeutschen Braunkohleländer in der Kommission, allen voran Sachsen, eingeknickt sind unter dem Druck einer Lobby, die entgegen jeder wissenschaftlichen Erkenntnis weiterhin den Braunkohleabbau nicht konsequent stoppt", kritisiert der Vorsitzende Ekardt. Bildrechte: Prof. Felix Ekardt
Logo des Energiekonzerns LEAG.
Tagebaubetreiber & Energiekonzern LEAG Der Lausitzer Tagebaubetreiber LEAG ist nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Kohlekommission. Das Revierkonzept des Unternehmens reiche über 2040 hinaus und sei damit infrage gestellt. Bei einem Gespräch im Kanzleramt Ende Januar sollen die Konsequenzen für das Lausitzer Revier angesprochen werden. Bildrechte: MDR/Rico Herkner
Armin Eichholz | Vorsitzender der Geschäftsführung Mibrag Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist "ein harter Schlag für die Region, unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter", erklärt der Braunkohleförderer Mibrag. Der Vositzende der Geschäftsführung, Armin Eichholz, sorgt sich neben den Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und die Strompreise auch um den Verlust von gut bezahlten Arbeitsplätzen in der Industrie. Bildrechte: MIBRAG
Hans Vorländer
Hans Vorländer | Politikwissenschaftler TU Dresden Der Politikwissenschaftler bewertet den Kompromiss positiv: Er sei ein Interessenausgleich zwischen umwelt-, energie- und arbeitsmarktpolitischen Aspekten. Er rät den Parteien, den betroffenen Regionen nun Mut für den Wandel zu machen. "Es kommt jetzt also auf erfolgreiche Kommunikation und Überzeugungsarbeit an und darauf, dass man sich kümmert", so Vorländer. Bildrechte: TU Dresden
Alle (7) Bilder anzeigen

Braunkohlegegner unzufrieden

Auch die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" ist mit den Ergebnissen des Kohlekompromisses unzufrieden. "Unsere Forderung ist nicht erfüllt, wir hatten die klare Aussage erwartet, dass kein Ort in Deutschland mehr der Kohle weichen muss", sagte Sprecher Jens Hausner. Nun bestünde weiter Unsicherheit bei den Einwohnern von Pödelwitz.

Wir müssen weiter bangen, während die Kohlekonzerne in unseren Regionen die Zerstörung vorantreiben und dafür auch noch Milliarden von der Regierung bekommen sollen. Aber wir werden uns dem gemeinsam mit der Klimabewegung in den Weg stellen.

Jens Hausner Pro Pödelwitz

Proteste geplant

In den kommenden Wochen planen die Braunkohlegegner zahlreiche Protestaktionen. Am 2. Februar ruft das Bündnis zu einer Demonstration in Leipzig unter dem Motto "Hey KoKo - Kohleausstieg jetzt!" auf. Das deutschlandweite Bündnis "Alle Dörfer bleiben" will gemeinsam für den Erhalt der Orte in den Braunkohlengebieten im Rheinland, dem Leipziger Land und in der Lausitz kämpfen. Für den 23. März lädt es zu einem Sternmarsch im Raum Garzweiler im Rheinland ein.

"Realistischer Fahrplan"

Nordsachsens Landrat Kai Emanuel begrüßt derweil den Kompromiss. "Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, muss es aus der Kohleenergie aussteigen. Das ist allen klar. Doch nun haben wir mit dem Abschlussbericht der Kohlekommission auch einen realistischen Fahrplan", sagte Emanuel.

Industrieprojekte als Ausgleich

Der Landrat freute sich darüber, dass im Gegenzug die vom Landkreis Nordsachsen initiierten Projekte "Glascampus Torgau" und die Ost-West-Straßenverbindung "Milau" vom Bund die finanziellen Mittel erhalten sollen. "Der Glascampus ist ein entscheidender Punkt zur Förderung der Glasindustrie im Landkreis und in der mitteldeutschen Region", erklärte Emanuel MDR SACHSEN. "Hierbei handelt es sich um eine Ausbildungsstätte, die mit der TU Freiberg gemeinsam eingerichtet werden soll."

Torgau hat eine mehrere Jahrzehnte dauernde Tradition in der Glasindustrie. Daher haben wir ganz viele Unternehmen, die hier angesiedelt sind. Auch für diese Unternehmen ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten.

Kai Emanuel Landrat Nordsachsen

Neue Ost-West-Achse

Auch die Ost-West-Straßenverbindung "Milau" soll von Bundesmitteln profitieren. "Das ist für uns eine ganz entscheidende Sache, dass sie nicht nur ein Durchgangskorridor durch den Landkreis sein soll", sagte Emanuel. "Wichtig ist, dass wir hier eine Ost-West-Verbindung auch im europäischen Sinn einrichten können." Emanuel hofft auf eine positive Unternehmensentwicklung für Nordsachsen.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.01.2019 | ab 7:30 Uhr in den Reginalnachrichten aus dem Studio Leipzig
MDR SACHSENSPIEGEL | 28.01.2019 | 19 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 20:04 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen