31.07.2019 | 13:52 Uhr OBM Jung entsetzt über Morddrohungen gegen Kitas in Leipzig

In einem "Zwischenruf" bei Facebook hat sich der OBM Burkhard Jung entsetzt über die Hezte und Morddrohungen geäußert, die zwei Kitas in Leipzig bekamen, nachdem sie Schweinefleisch vom Speiseplan nehmen wollten. Er veröffentlichte Auszüge aus Drohungen. Jung machte CDU, AfD und konservative Kreise dafür verantwortlich, dass Debatten so aus dem Ruder laufen.

Burkhard Jung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In die Debatte um einen schweinefleischfreien Speiseplan in zwei Leipziger Kitas hat sich der Oberbürgermeister Burkhard Jung eingeschaltet. Das Stadtoberhaupt veröffentlichte in einem Beitrag bei Facebook Drohungen, die gegen den Betreiber und einige Mitarbeiter der Kindergärten ausgesprochen worden sind. Der SPD-Politiker schrieb, es sei nichts Ungewöhnliches, wenn sich Eltern und Kita-Betreiber dafür entscheiden, kein Schweinefleisch mehr anzubieten. Ein Betreiber wollte ab dem neuen Kita-Jahr Schweinefleisch und tierische Gelatine vom Speiseplan streichen. Nach der medialen Aufregung darum vor einer Woche und mehrere Bedrohungen setzte er den Beschluss vorerst aus.

Scharfe Kritik an CDU, AfD und Konservativen

Die Speiseplan-Entscheidung sei keine kulturelle Unterwerfung sondern eine freie Entscheidung, meinte Oberbürgermeister Jung weiter. "Das Thema aber hochzustilisieren, wie von der CDU, der AfD und vor allem aus konservativen Kreisen geschehen, ist unverantwortlich", schrieb er.

Die Gaulands, Weidels und Höckes dreschen verbal weiter auf Schwächere ein. Und ihre Saat geht auf: 2019 werden Kindergärten bedroht, weil sie den Speiseplan so verändern, wie es nicht in ein kleingeistiges Weltbild passt.

Burkhard Jung Oberbürgermeister (SPD) von Leipzig

Tausende teilen Facebook-Post

Den Untergang des Abendlandes und Gefahr für die aufgeklärte Freiheit gehe laut Jung nicht von denen aus, die aus welchen Gründen auch immer eine andere Ernährungskultur hätten, als es am tradierten deutschen Stammtisch üblich sei, sondern von denen, "denen jeglicher moralische Kompass und der Anstand verloren gegangen ist".
Jung appellierte an alle, wachsam zu bleiben gegenüber Hetzern. "Wir dürfen uns nicht wegducken: Die Freiheit, die Gleichheit und die Empathie sind auch in unserem Land in Gefahr", schließt er seinen Zwischenruf, der bei Facebook bereits mehrere tausend Mal geteilt wurde.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.07.2019 | ab 9:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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43 Kommentare

02.08.2019 10:44 Fakt 43

>>Marcel, #42:
"Ich bin kein rechter nur weil ich Afd wähle,"<<
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Ich frage mich, wie jemand, der von sich sagt, dass er kein Rechter ist, auf die Idee kommen kann, eine Partei zu wählen, die in großen Teilen beste Verbindungen zu rechtsextremen Organisationen hat und die sogar nach einem Spruch des Landgerichts Gießen als rechtsextrem bezeichnet werde darf.

02.08.2019 08:50 Marcel 42

Mir fehlt ein wenig der Zusammenhang zwischen den Morddrohungen und der Afd. Herr Jung instrumentalisiert hier. Mich wundert das er damit soviel Zuspruch erhält und nicht wegen hatespeech gelöscht wird. Das ist wohl die parallewelt in der für bestimmte alles erlaubt ist. Ein Grund mehr die Afd zu wählen. Lasst euch von dieser Marionette nicht beirren. Wo wären seine Beiträge als es Morde und Vergewaltigungen gab, ausser die gegen Rechts? Ich bin kein rechter nur weil ich Afd wähle, ich habe nur erkannt wer mich versucht zu zu lenken.
Ich verabscheue Morddrohungen, bin aber gegen das Verbot, da wir uns nicht anderen anpassen müssen. Es sind Gäste und sie haben unsere Kultur zu akzeptieren, wenn nicht steht es ihnen frei zu gehen.

01.08.2019 15:19 B 41

was Beschwert der sich den als Bürgerm. von D. was ??
der soll aufhören und sich um die Bürger von Leipzig ordentlich kümmern, wir leben immer noch in D. und nicht in der Türkei als Muslime !!

[Liebe(r) "B",

als oberstes Verwaltungsorgan der Stadt Leipzig und demnach auch als Aufsichtsorgang, erwidert der OBM von Leipzig offen die Angriffe auf die Kita in seinem Hoheitsgebiet. Eine Morddrohung ist keineswegs eine Bagatelle.

Herzliche Grüße,
Ihre MDR.de-Redaktion]

01.08.2019 15:19 Der Matthias 40

@ Schnibbler Nr. 39

"haben die von herrn jung benannten gauland, höcke und weidel einen post geschrieben und die leute angestachelt aktiv zu werden?"

Schauen Sie doch spaßeshalber mal auf den einschlägigen Internet-Kanälen, die z.B. die AFD betreibt und was da so zum Thema gepostet wurde und wird! Falls Sie diese Seiten nicht ohnehin frequentieren!

Übrigens: Herr Jung (mit dem ich weder parteipolitisch noch persönlich etwas am Hut habe), ist für mich keineswegs ein "Heiligtum in Person". Aber, wie mir scheint, stellen Sie dafür andere Parteien bereitwillig auf ein Heiligen-Podest oder lassen Sie sie zumindest die bewährte Rolle als "Unschuld vom Lande" spielen, die hinterher von nichts gewusst haben will.
Ich stelle übrigens fest, dass Sie meiner Aufforderung nach konkreten Zitat-Belegen für angebliche Hetze nicht nachkommen konnten (welche Überraschung!). Q.e.d.!

01.08.2019 14:56 Schnibbler 39

@38 Der Matthias
bitte zeigen sie mir einen post aus reihen der konservativen, cdu, afd in welchem den kitabetreibern mit mord gedroht wird und gegen sie gehetzt wird.
sind die entsprechenden posts mit einer parteinummer verlinkt oder wie kommt herr jung zu der behauptung? haben die von herrn jung benannten gauland, höcke und weidel einen post geschrieben und die leute angestachelt aktiv zu werden?
offenbar scheint der ob in ihren augen das heiligtum in person und nicht kritikwürdig zu sein... mir scheint es vergebene mühe ihnen hier etwas verständnis für eine neutralere sichtweise ab zu ringen, schade.

01.08.2019 14:07 Der Matthias 38

@ Schnibbler Nr. 35
Was oder wen meinen Sie mit "die Bevölkerung"? Wenn überhaupt, dann ist das nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung. Es ging Herrn Jung auch gar nicht um Kritik an dieser absolut legitimen Form des Protests, sondern um die dabei benutzte Wortwahl. Und die entsprechenden Posts, die die Hetze und die handfesten Bedrohungen maßgeblich befeuerten, kamen nun einmal aus den genannten Parteien. Das ist ein Faktum!
"Mit den Maßstäben die Sie wahrscheinlich auch ansetzen wenn jemand etwas gegen Flüchtlinge sagt (...)."
Solange diese Kritik sachbezogen und sachlich bleibt, habe ich damit keinerlei Problem. Aber Hetze, Volksverhetzung, rassistische und diffamierende Äußerungen etc. fallen für mich ganz sicherlich nicht in diese Kategorie und haben auch nichts mit Meinungsfreiheit zu tun! Und Morddrohungen schon mal gar nicht!

01.08.2019 13:35 aus Dresden 37

@Schnitzel oder Leben!

Schnitzel oder Islam ist kein Luxusproblem, es ist - wie Ihr Username zeigt - essentiell für unsere westliche, moderne, aufgeklärte Welt.

Wäre es ein Luxusproblem, würden beide Lager das Thema nicht so vehement angehen. Selbst in Österreich wird die Entscheidung zwischen Schnitzel oder Islam zum Wahlkampfthema.

01.08.2019 13:34 Eulenspiegel 36

Ich denke es gibt viele Gründe warum Eltern sich entscheiden das ihre Kinder in der Kita kein Schweinefleisch bekommen sollen. Unter vielen Gründen natürlich auch religiöse Gründe.
Wichtig ist das die Eltern über die Ernährung ihrer Kinder in der KITA entscheiden können.
Ich frage mich was soll dieser krampfhaft Versuch einen Religionskrieg zu schüren von Leuten die mit dieser KITA gar nichts zu tun haben. Also ihr werdet über das Speisenangebot in dieser KITA Gott sei Dank nicht entscheiden sonder die Eltern. Und das ist auch gut so. Auch wenn euch das nicht passt. So läuft nämlich Demokratie.

01.08.2019 13:05 Schnibbler 35

@33 Der Matthias
Herr Jung macht die Rethorik der benannten Parteien für das Aufbegehren des Bevölkerung gegen die KiTa-Betreiber verantwortlich.
Mit den Maßstäben die Sie wahrscheinlich auch ansetzen wenn jemand etwas gegen Flüchtlinge sagt ist das in meinen Augen Hetze. Und ja: das ist eine ernst gemeinte Antwort

01.08.2019 12:43 Schnitzel oder Leben! 34

Morddrohungen wegen Schweineschnitzel!? Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen (oder eben besser nicht)! Dieses erschreckende u. abstoßende Beispiel aus Absurdistan zeigt anschaulich, wie völlig unverhältnismäßig und hysterisch-aufgeheizt die politische Debatte hierzulande inzwischen geführt wird. Den Deutschen scheint es einfach viel zu gut zu gehen. Unsere Luxusprobleme hätten andere Länder gerne!

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