18.10.2019 | 16:30 Uhr Pfandsystem für Kaffeebecher in Leipzig wird gut angenommen

Recup Leipzig Pfandbecher Kaffee
Bildrechte: BUND Leipzig, Jan Zombik

Im Oktober 2018 hat der BUND Leipzig eine Kampagne für die Einführung eines Pfandsystems für Kaffeebecher ins Leben gerufen. Ein Jahr danach haben sich 45 Bäckereifilialen und Cafés in Leipzig entschieden, ihr To-go-Angebot um die Pfand-Variante der Münchner Firma Recup zu erweitern oder die Pappbecher ganz abzuschaffen. Auch in Dresden, Chemnitz und in zahlreichen anderen sächsischen Städten wird das System bereits genutzt.

Wie funktioniert das Recup-System? Beim Kauf eines Kaffee-to-go wird für den Becher ein Euro Pfand fällig. Der Becher kann in jeder Filiale, die ebenfalls Recup-Becher führt, abgegeben werden – also auch in Berlin oder München. Wer einen Deckel braucht, der muss diesen für 1,30 Euro kaufen. Er kann aus Hygienegründen allerdings nicht zurückgegeben werden und verbleibt beim Käufer. In Leipzig beteiligen sich derzeit 45 Bäckereien und Cafés am Recup-Konzept.

Bereits vor der Initiative des BUND hatte das Café Grundmann die Recup-Becher eingeführt. "Die Verpackungsflut ging mir zunehmend auf den Keks", erklärt Inhaber Eckehart Grundmann MDR SACHSEN. Zudem wollte er die Gewohnheiten seiner Kunden beeinflussen. Nach anfänglichen Irritationen seien die Kunden mit dem System einverstanden. Denn im Gegensatz zu anderen Cafés gibt es im Grundmann nur noch Pfandbecher. Dass der Kaffeeabsatz in Bechern dadurch etwas zurückgegangen ist, stört Grundmann nicht.

Am liebsten ist mir, die Gäste trinken ihren Kaffee im Lokal.

Eckehart Grundmann Inhaber Café Grundmann

"Kunststoff ist nicht böse"

Den radikalen Schnitt des Grundmanns kann sich Tina Hildebrandt vom Café Süßwärts noch nicht leisten. Das Café im Leipziger Westen hat seit August 2018 geöffnet und nutzt ebenfalls die Becher von Recup. Neben den Pfandbechern gibt es im Süßwärts auch herkömmliche Pappbecher – allerdings hat die Inhaberin auch hier auf umweltfreundliches Material geachtet. Die Kunden nehmen die Recup-Becher gut an. "Die Gäste sind neugierig, aus welchem Material die Pfandbecher sind", erklärt Hildebrandt.

Recup Pfandbecher Kaffee Leipzig
Die Betreiberin vom Café Süßwärts ist sich sicher: "Wenn wir die Möglichkeit haben, etwas anders zu machen, dann sollten wir es auch tun." Bildrechte: Moritz Arand

Die Papp-Alternative besteht aus sogenannten Polypropylen. Der Kunststoff sei gesundheitlich unbedenklich und wenig anfällig für Mikroplastiken, weiß Professor Lutz Engisch von der HTWK Leipzig. Der Kunststoff- und Verpackungsexperte betont, dass Kunststoffe sei nicht per se böse. "Das eigentliche Problem ist, dass wir sie oftmals als Einwegprodukt verwenden." Deswegen sei die Idee des Pfandsystems die richtige. "Die ökologische Diskussion darf nicht am Material geführt werden", so Engisch. Wichtiger sei, die Nutzung von Materialien zu hinterfragen. Der Meinung ist auch Thomas, Recup-Nutzer aus dem Café Grundmann: "Ich zweifle ein bisschen an der Klimabilanz, aber ich weiß es nicht. Der Kaffee schmeckt trotzdem", sagt er lächelnd.

"To go" verursacht Müll Einwegbecher für Heißgetränke sind ein Müllproblem. 2,8 Milliarden dieser Becher nutzen die Deutschen laut einer Studie des Umweltbundesamtes im Jahr. 15 Prozent des Volumens der vorhandenen Abfalleimer im städtischen Bereich sind demnach mit To-go-Bechern belastet. Das sind der Studie zufolge 400.000 Kubikmeter im Jahr und entspricht damit dem Füllvolumen von rund acht Millionen typischer 50 Liter Mülleimer. Mehrwegsysteme könnten zur Müllvermeidung beitragen. Laut Studie könnte so der Verbrauch von Einweggetränkebechern innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent sinken. 

Noch nicht perfekte Lösung

Auch bei den Filialen vom Lukas-Bäcker können sich die Kunden für einen Pfandbecher entscheiden. "Wir waren überrascht von der positiven Resonanz", erzählt Geschäftsführer Lukas Griese. In den letzten drei Monaten seien bereits 4.000 Becher verkauft worden. "Der Anfang ist gemacht, aber perfekt ist es noch nicht", gibt Griese bedenken. "Es wäre schön gewesen, wenn auch andere größere Ketten mitgemacht hätten."

Anreize schaffen

Für eine noch breitere Lösung fehlten zudem gesetzliche Rahmenbedingungen. "Was spricht dagegen, zu sagen, in unserer Kommune gibt es diese Becher nicht mehr", fragt er. Anreize müssten gesetzt werden, schlägt Griese vor. Unternehmen könnten beispielsweise bei den Kosten der Müllentsorgung entlastet werden. Zudem müsse die Rücknahme einfach und flächendeckend funktionieren, so Professor Engisch.

Mehrwegbecher der Recycling2go-Kampagne in Leipzig.
Vom BUND Leipzig initiiert: Die Pfandbecher von Recup nutzen mittlerweile 45 Bäckereien und Cafés in Leipzig. Bildrechte: BUND Regionalgruppe Leipzig

Verantwortung wahrnehmen

Für Lukas-Geschäftsführer Griese persönlich können die neuen Becher nur ein Zwischenschritt sein. "Einen eigenen Thermobecher kann sich jeder besorgen. Die Leute sind schlichtweg zu faul. Ich nutze keinen Mehrwegbecher." Angesichts der Umweltproblematik könnten auch Gastronomen dafür sorgen, dass die Innenstädte nicht mehr mit den To-go-Bechern belasten werden, ergänzt Titus Kunze vom Coffee-Truck-Leipzig.

Recup Pfandbecher Kaffee Leipzig
Erzieherischer Ansatz: "Ich bin der Meinung, dass wir eine Verantwortung mittragen. Wir können unsere Kundschaft erziehen", sagt Titus Kunze vom Coffee-Truck-Leipzig. Bildrechte: Titus Kunze

Mit seiner mobilen Kaffeebar versorgt er auf Festivals die Gäste mit Heißgetränken. Und das ganz ohne Einwegbecher. "Ich bin der Meinung, dass wir eine Verantwortung mittragen. Wir können unsere Kundschaft erziehen", so Kunze. Zudem fordere sie auch ein, nachhaltiger zu konsumieren. Auch im Grundmann verfolgt der Inhaber diesen erzieherischen Ansatz. "Wir haben sehr wohl Einfluss auf die Geschicke unserer Zeit. Jeder kann etwas bewegen. Das gilt nicht nur für den Kaffee", so Grundmann.

Lebensgewohnheiten ändern

Wichtig sei dabei, den Gästen zu erklären, wie das System funktioniert, ergänzt Süßwärts-Betreiberin Hildebrandt. "Wenn wir die Möglichkeit haben, etwas anders zu machen, dann sollten wir es auch tun", ist sie sich sicher. Und Professor Engisch gibt zu bedenken, dass ein gestiegenes ökologisches Bewusstsein nicht ausreicht. "Wir können nicht immer die Materialen austauschen. Wir müssen unsere Lebensgewohnheiten ändern."

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.10.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 16:14 Uhr

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