07.06.2019 | 16:15 Uhr Raupenbefall am Cospudener See: Muss Leipzig um seine Roteichen bangen?

Blatt für Blatt haben Schwammspinner einen ganzen Roteichenbestand am Cospudener See verspeist. Kommt nach der Rußrindenkrankheit nun die nächste Plage für den Leipziger Baumbestand? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Eine nahezu ausgewachsene Raupe eines Schwammspinners krabbelt auf einem Blatt.
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Einem Kinderbuch zufolge sind Raupen eines: nimmersatt. Diesem Vorurteil folgen gerade unzählige, behaarte Schwammspinner im Leipziger Süden. An der Südspitze des Cospudener Sees fressen die Insekten einen ganzen Roteichenbestand auf. Nur noch kahles Geäst findet sich in dem befallenen Gebiet und die Schwammspinner breiten sich immer weiter aus. Muss Leipzig nun eine flächendeckende Ausbreitung dieser Schädlinge fürchten? Nein, sagt Dr. Renke Coordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Eine Entwarnung gibt es trotzdem nicht.

Heißes Wetter sorgt für Verbreitung vieler Schädlingen

"Schädlinge treten in ganz Sachsen auf, von Nordwest bis Südost. Allerdings haben wir in diesem Jahr eine besonders problematische Situation wegen der Dürre im vergangenen Jahr." Diese hätte die meisten Bäume derart geschwächt, dass sich Insekten und Pilze leichter vermehren könnten. "Wir können an fast allen Baumarten Probleme feststellen. Die verschiedenen Schädlinge mögen die Wärme und da kommt uns das heiße, niederschlagsarme Wetter nicht gerade zugute", so Coordes. Bislang gebe es aber keine Art, die neben den Borkenkäfern einen besonders großen Anteil der Schäden ausmacht. In der Region Leipzig sorgte die Rußrindenkrankheit zuletzt für größere Verluste beim Ahorn.

Schlechte Jahresprognose für sächsische Wälder

Prof. Michael Müller beschäftigt sich an der Technischen Universität Dresden mit dem Fachgebiet Waldschutz. Er rechnet mit einem extrem harten Jahr für den sächsischen Baumbestand. "Wir erwarten das potenziell größte Schädlingsvorkommen, was seit der Nachkriegszeit aufgezeichnet wurde. Die gleiche Aussage galt schon für das vergangene Jahr, aber nun sind die Bäume durch die Dürre noch stärker vorgeschädigt." An den Fichten seien es die Borkenkäfer, an den Kiefern die Prachtkäfer, die sich dieses Jahr noch stärker vermehren dürften. "Man sieht schon jetzt von der Autobahn aus viele trockene Kronen in den Randbeständen", so Müller. "Dieser Zustand dürfte sich noch verschärfen."

Hinzu kämen die Blattfresser, wie gerade in Leipzig. Nonne, Prozessionsspinner und dergleichen setzen sowohl Laub-, als auch Nadelbäumen zu. "Mit einem Bestand vieler gesunder Bäume haben wir in den vergangenen Jahren auch gute Lebensräume für die Insekten geschaffen", erklärt der Wissenschaftler. Einzig Viren und Bakterien seien im Augenblick weniger ein Thema.

Wir versuchen ja schon seit Jahrzehnten durch Waldumbau, durch starke Prägung von Mischbeständen die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Das ist aber eine Generationenaufgabe.

Prof. Dr. Michael Müller Professur für Waldschutz an der TU Dresden

Schon 2018 Rekord an Schadholz

Der Blick zurück hat für Renke Coordes vom Sachsenforst ebenfalls einen bitteren Beigeschmack. "Im vergangenen Jahr hatten wir in ganz Sachsen durch Sturm, Käfer und Dürre 4,2 Millionen Kubikmeter Schadholz. In einem durchschnittlichen kommen wir gerade mal auf 2,3 Millionen Kubikmeter." Dafür seien aber im geringsten die Raupen verantwortlich. Das größte Problem sind laut Coordes die Käferärten.

Um einen Überblick über den Schädlingsbefall zu behalten, müssen Waldbesitzer ihre Bestände regelmäßig kontrollieren. Nur bei für Menschen gefährlichen Insekten wie den Eichenprozessionsspinnern sollten Bürger selbst aktiv werden und die Städte, Gemeinden oder Gesundheitsämter informieren.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 06.06.2019 | 07:50 Uhr

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