24.02.2020 | 19:11 Uhr | Update Sandsturm auf den Kanaren - Urlauber in Leipzig und Dresden gestrandet

Eine Boeing737-300 der deutschen Fluggesellschaft " Condor" im Landeanflug.
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Der Sandsturm auf Gran Canaria hat die Pläne von mehreren Urlaubern verweht. Am Sonntag musste eine Maschine der Condor auf dem Weg von Leipzig/Halle nach Las Palmas wieder umkehren. Unter den Passagieren war auch eine 78-köpfige Reisegruppe, die auf den Kanaren eigentlich an Bord eines Aida-Kreuzfahrtschiffes einchecken wollte. Einer der Reisenden ist Jörg Kusmig aus Bayern. Er hatte sich am Montag bei MDR SACHSEN gemeldet, um über seine Odyssee zu berichten und um auf die in seinen Augen mangelhafte Kommunikation von Aida und Condor hinzuweisen.

Gestartet, gelandet, gestrandet

Eigentlich wollte Jörg Kusmig am Sonntagabend in Las Palmas an Bord der Aida gehen. Doch noch bevor der Flieger Richtung Süden abheben konnte, mussten sich die Reisenden in Geduld üben. "Wir mussten im Flugzeug, bei geschlossenen Türen, vier Stunden ausharren", erzählt der Bayer. Erst dann ging es los. Doch nach dreieinhalb Stunden Flug sei der Flieger wieder zurück nach Leipzig gekehrt, so Kusmig. Grund war das Wetterphänomen "Calima". Dabei wird feiner Sand aus der Sahara-Wüste durch heißen Wind bis zu den Kanaren getragen. Die Konsequenz: Zeitweise waren Flughäfen auf allen Kanarischen Inseln wegen des Sandsturms gesperrt. Besonders hart traf es Reisende auf Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote.

Sandsturm am Flughafen Gran Canaria
Keine Sicht auf den Kanarischen Inseln - Sandsturm verdunkelt die Sonne und versperrt Piloten die Sicht im Anflug. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Reisenden, die auf die Aida wollten, wurden nach der Landung in Leipzig in Hotels in der Umgebung untergebracht. Informationen über die Weiterreise zu bekommen sei mehr als schwierig gewesen, beschwerte sich Jörg Kusmig. Er und seine Mitreisenden seien die ganze Nacht wach geblieben, weil es von Aida geheißen habe, es könne jederzeit losgehen.

Trotz Anrufe haben wir keinerlei Infos bekommen. Erst 23,5 Stunden nach dem eigentlichen Starttermin.

Jörg Kusmig Urlauber

Mit Bus und Flieger dem Schiff hinterher

Nun soll es am Montag in der Nacht endlich für die Urlauber weitergehen. Nach neuestem Stand soll die Gruppe mit einem Bus nach Frankfurt fahren, von dort mit dem Flieger nach Teneriffa und weiter nach Madeira, wo die Aida inzwischen angekommen sein sollte. Für Jörg Kusmig kein schöner Ferienstart. Einige Reisende hätten aufgegeben, ihre Reise abgebrochen und seien heimgefahren. Doch auch hier fühlt er sich vom Reiseveranstalter allein gelassen. Sie wissen nicht, ob ihnen Geld erstattet wird.

Wir wissen nicht, was jetzt mit dem Reisepreis ist, ob man den wiederbekommen würde, wenn man jetzt abbricht.

Jörg Kusmig Urlauber

Condor entschuldigt Unannehmlichkeiten: "Höhere Gewalt"

Die Sicherheit gehe vor, sagte eine Condor-Sprecherin MDR SACHSEN. Dennoch möchte man sich in aller Form bei den Reisenden entschuldigen, die durch den Sandsturm in ihren Urlaubsplänen ausgebremst wurden. Die Verärgerung sei absolut nachvollziehbar, so die Sprecherin. Seit dem Wochenende habe man im Krisenstab alles mögliche geprüft, um Urlauber auf die Kanaren und von dort wieder zurückzuholen. Doch der Sandsturm habe alle Planungen über den Haufen geworfen. Selbst Hotelzimmer auf den Inseln zu bekommen, sei schlichtweg unmöglich gewesen.

Reederei Aida: Zwei Schiffe betroffen

Dass der Flieger aus Leipzig am Sonntag zwar gestartet sei, aber wieder umkehren musste, liege an der geografischen Lage des Reiseziels im Atlantik, erklärte die Sprecherin. Zum Start sei die Sicht am Flughafen in Las Palmas noch in Ordnung gewesen. Drei Stunden später habe man dort aber kaum einen Meter weit gesehen. Der Flug wird nun am Montagabend nachgeholt.

Binnen kurzer Zeit können sich die Sichtverhältnisse ändern. Flüge bei solchem Wetterphänomenen sind daher schwer planbar.

Unternehmenssprecherin Condor
Die ''AIDAvita'' aus der Flotte des Rostocker Kreuzfahrtunternehmens AIDA Cruises liegt im Hafen Mukran.
Momentan ist es gar nicht so einfach, bei Aida an Bord zu kommen. Die Anreise ist wegen eines Sandsturms nicht möglich. Bildrechte: dpa

Da die Aida nicht in Las Palmas auf die Reisenden aus Leipzig und anderen deutschen Städten warten konnte, werden die Passagiere dem Schiff nun hinterhergeflogen. Man habe einen gemeinsamen Flug aller Aida-Passagiere von Frankfurt am Main organisiert, erklärte die Sprecherin. Daher sei der Transfer per Bus aus Leipzig leider notwendig. Von Frankfurt aus soll es über Teneriffa nach Madeira gehen, wo die Kreuzfahrer an Bord des Schiffes gehen sollen.

Von der Reederei hieß es am Montagnachmittag, dass die Passagiere von zwei Aida-Schiffen betroffen seien. Man suche mit Airlines, Fluggesellschaften, Behörden und Hotels nach Lösungen, alle gebuchten Reisenden zu den Schiffen zu befördern. Ein Schiff lege am Montag später als geplant ab, sodass verspätete Reisende noch an Bord kommen können.

Auch Dresdner Reisende betroffen

Flugzeuge stehen auf dem Vorfeld des Flughafens von Las Palmas
Ein Sandsturm hat den Flughafen von Gran Canaria fast zwei Tage lahmgelegt. Bildrechte: MDR

Betroffen vom Ausfall einer Maschine waren auch Reisende zwischen Gran Canaria und Dresden. Wegen des Sandsturms war ein Airbus der Sundair am Sonntag in Dresden erst gar nicht gestartet. Dadurch waren auch Rückreisende auf der Kanaren-Insel gestrandet. Die Fluggesellschaft Sundair teilte am Montag auf Anfrage mit, der ausgefallene Flug sei am Montag nachgeholt worden. Von der Pressestelle hieß es: "In Dresden wurden die Passagiere gebeten, bis zum Nachholflug nach Hause zu fahren. In Gran Canaria wurde die Passagiere in Hotels untergebracht."

Ein Reisender von Gran Canaria nach Dresden hat dies nach eigenen Angaben anders erlebt und sprach von chaotischen Verhältnissen. Die Airline sei für ihre Gäste nicht zu erreichen gewesen – weder telefonisch, noch per E-Mail. Die Hotline ist am Wochenende laut Homepage gar nicht besetzt.

Reisende fühlen sich von Sundair allein gelassen

Da der Flughafen von Las Palmas de Gran Canaria zeitweise komplett geschlossen war, bemühten sich nach Angaben des Urlaubers Tausende Reisende um Informationen. Die Sundair-Gäste wurden zu verschiedenen Schaltern der spanischen Flughafenverwaltung  und einer Abfertigungsfirma geschickt. Letztendlich landeten sie bei der spanischen Fluggesellschaft Iberia am Schalter, wo ebenfalls keiner den Ausfall des Flugs bestätigen wollte.

Solche Bescheinigungen können für Einforderungen von Entschädigungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung hilfreich sein. "Es fühlte sich niemand für Sundair-Passagiere zuständig", beklagte der Fluggast. Er habe sich schließlich selbst eine Übernachtung gesucht. Sundair holte den am Sonntag ausgefallenen Flug am Montag nach. Gegen 19 Uhr landete die Maschine in Dresden.

Ein Airbus A320 der Charter-Fluggesellschaft Sundair
Gäste der Sundair, die auf Gran Canaria gestrandet sind, fühlen sich allein gelassen. Die Airline widerspricht. Bildrechte: dpa

Sächsische Flughäfen nicht in Passagierbetreuung eingebunden

Ein Sprecher der mitteldeutschen Flughafen-Holding bestätigte die Abweichungen bei mehreren Kanaren-Flügen. Die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden seien aber nicht in die Betreuung der Passagiere eingebunden. Die Airlines hätten sich selbst um ihre Gäste gekümmert und diese in Hotels untergebracht, sofern sie nicht aus der näheren Umgebung kamen und nach Hause fahren wollten.

Das Luftfahrtportal "Aerotelegraph" berichtet, dass bereits am Sonnabend eine Maschine der TUIfly von Leipzig/Halle nach Gran Canaria wegen des Sandsturms umkehren musste.

Sandsturm "Calima" Sandstürme sind auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas ein Wetterphänomen, das immer bei Ostwind auftreten kann. Ist der Wind stark genug, bringt die Strömung Sand aus der Sahara mit. Die Wetterlagen können auch länger anhalten. Gelegentlich kann es vorkommen, dass der "Calima" auch Heuschreckenschwärme oder Vögel auf die Kanarischen Inseln weht. Während die Einheimischen die Wetterlage geduldig ertragen, kommt in der Tourismusbranche Stress auf, wenn Urlauber nicht an- und abreisen können.

Quelle: MDR/bb/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.02.2020 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2020, 19:11 Uhr

1 Kommentar

jacqueline85 vor 5 Wochen

Sehr chaotische Zustände:
Erst haben wir wie viele Betroffenen den Tag am Flughafen ohne Infos von Aida oder Sundair verbracht. Dann hieß es wir dürfen wieder aufs Schiff also stiegen wir ein und vor Ort hieß es dann wir nicht. Bis kurz nach Mitternacht mussten wir mit Baby und Kind im Kofferterminal ausharren. Unter Tränen habe ich heißes Wasser für den Abendbrei meines Babys bekommen. Dank anderen Betroffenen hatten wir wenigstens eine Decke zum Krabbeln. Erst Stunden später gab es Decken, Isomaten, Essen und Getränke für alle. Nach ständigem Nachfragen und der Situation, dass es unserem Baby auch langsam nicht mehr so gut ging (Trinkverweigerung seit nachmittags) durften wir nach Mitternacht an Bord mit Aussage, um Flüge und Transfer müssen wir uns kümmern und das obwohl man eine Pauschalreise über Aida gebucht hat und hier die Flüge teurer bezahlt. Beim Rückflug wieder Verwirrung wann und alles kostenpflichtig. Auch am Montag haben wir Sundair bis mittags nicht erreicht.

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