06.01.2020 | 16:15 Uhr | Update Fenster der Thomaskirche eingeschlagen: Ein Tatverdächtiger und Bekennerschreiben

Beschädigte Fenster der Thomaskirche in Leipzig.
Ende Dezember und in der Silvesternacht wurden Fenster der Leipziger Thomaskirche zerstört. Bildrechte: epd

Im Fall der zerschlagenen Fenster der Leipziger Thomaskirche verfolgen die Ermittler mehrere konkrete Spuren. Ein Sprecher der Leipziger Polizei sagte, ein 55 Jahre alter Leipziger habe die Tat am Freitag eingeräumt. Der Mann habe gesundheitliche Probleme und sei in eine Fachklinik gebracht worden.

Thomaskirche Leipzig - eingeschlagene Scheiben
Wertvolle Buntglasscheiben wurden zerstört. Bildrechte: Thomaskirche - Bach e.V.

Zuvor habe Thomaskirchenpfarrerin Britta Taddiken selbst den Hinweis auf den 55-jährigen Verdächtigen gegeben. Dieser habe sich laut der Pfarrerin bereits am 28. Dezember 2019, als erstmals einige Scheiben eingeworfen worden seien, auffällig verhalten und sich am Freitag erneut in der Nähe der Kirche aufgehalten. Wie der Verein Thomaskirche-Bach e.V. am Montag mitteilte, habe sich der "stark verwirrte Mann" als "Sohn Gottes" bezeichnet.

Thomaskirche Leipzig - eingeschlagene Scheiben
Bildrechte: Thomaskirche - Bach e.V.

Bei den beschädigten Fenstern in der Silvesternacht handelt es sich um vier wertvolle Buntglasfenster aus dem 19. Jahrhundert über dem Mendelssohn-Portal sowie mehrere Fenster des Thomashauses, darunter ein Jugendstilfenster aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf knapp 18.000 Euro. Wann die Glaserarbeiten stattfinden können ist derzeit noch offen.

Thomaskirche-Bach e.V.

Bekennerschreiben aus linksextremer Szene - Pfarrerin stellt Strafanzeige

Eine weitere Spur führt laut Polizei in die linksextremistische Szene. Am Wochenende sei ein Bekennerschreiben auf der Online-Plattform linksunten.indymedia aufgetaucht. Darin würden unter anderem die Tatherrschaft beansprucht und Pfarrerin Britta Taddiken als "Nazi-Pfarrerin" beschimpft, erklärte der Sprecher. Weiter kritisierten die Autoren einen angeblich "menschenverachtenden" Umgang Taddikens mit Bettlern, Obdachlosen, Flüchtlingen und Musikern im Umfeld des Gotteshauses.

"Das ist natürlich Quatsch", sagte Taddiken. Die Gemeinde habe lediglich das Ordnungsamt gebeten, geltendes Recht durchzusetzen und es Bettlern zu untersagen, direkt in den Kirchentüren zu stehen und aggressiv um Almosen zu bitten. Zudem sei wegen der vielen Veranstaltungen in der Kirche darum gebeten worden, bei Straßenmusikern die Ruhezeiten durchzusetzen. "Straßenmusik darf niemanden stören", erklärte die Pfarrerin.

Pfarrerin Taddiken stellte wegen des Schreibens den Polizeiangaben zufolge am Sonntagabend Strafanzeige wegen Nötigung und Beleidigung. Die Überprüfung des Schreibens durch das für Extremismus zuständige Dezernat Staatsschutz der Polizei laufe noch, erklärte der Sprecher.

Quelle: MDR/lam/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.01.2020 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

2 Kommentare

Ruth vor 20 Wochen

Linksextremisten und der "Sohn Gottes" gemeinsam gegen das Himmelreich auf Erden. Fast unvorstellbar.
Vielleicht sind beide auch ein und die selbe Person.
Könnte ja sein, immerhin trifft die Beschreibung, ein "stark verwirrte Mann" auf beide Gruppen zu .

Rotti vor 20 Wochen

Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Die Pfaffen sollten sich endlich demütig von lästigem Besitz trennen. Acker gehört auch dazu. Sie sollten, so wie ihre nicht staatsfinanzierten Vorgänger für ihren Unterhalt auch arbeiten. Zum Beispiel in einem Kloster. Gibt es auch erfolgreich in protestantischen Gefilden.

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