Pleite Gußwerke Leipzig stellen Produktion ein

In der Neuen Halberg-Guss GmbH in Leipzig wird Schlacke aus einer Gießpfanne gezogen.
Schlacke wird aus einer Gießpfanne gezogen - ab nächster Woche jedoch bleiben die Öfen in den Leipziger Gußwerken kalt. Bildrechte: dpa

Die insolventen Gußwerke Leipzig stellen in einer Woche die Produktion ein. Zum 1. Oktober sind alle 400 Mitarbeiter entlassen. Den Beschluss hat der Gläubigerausschuss gefasst, nachdem der letzte Kaufinteressent abgesprungen war. Zudem habe die Corona-Krise zu einem Auftragseinbruch und zum Stillstand bei der Investorensuche geführt, erklärte Ingo Schorlemmer, Sprecher der Insolvenzverwaltung. Aufträge, die noch vorhanden sind, werden bis zum 30. September 2020 abgearbeitet. Danach bleibe ein kleines Abwicklungsteam im Unternehmen.

Die Mitarbeiter haben in den vergangenen Monaten und Jahren gezeigt, wie sehr ihnen die Gußwerke am Herzen liegen. Sie haben dafür gekämpft, damals als es noch Halberg-Guss war mit dem ehemaligen Eigentümer, und sie haben auch während des Insolvenzverfahrens um ihre Arbeitsplätze gekämpft. Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen - ein schwerer Schlag für Leipzig.

Ingo Schorlemmer Sprecher der Insolvenzverwaltung

Auftragseinbußen durch Corona

Thomas Arnold von der IG Metall Leipzig erklärte, dass die schwere Krise im Lkw- und Busbereich durch Corona zusätzlich beschleunigt worden sei. Damit blieben auch die Aufträge für den Karosseriebauer aus. Die Beschäftigten träfe die Nachricht hart.

Das ist ein Schlag, ganz klar. Nach dem Arbeitskampf ging es ja erstmal weiter, man hatte Hoffnungen. Für uns ist es jetzt wichtig, den Kollegen Unterstützung zu bieten, etwa dabei, einen neuen Job zu finden.

Thomas Arnold IG Metall Leipzig

Allerdings sei es derzeit schwer, in der krisengebeutelten Gussindustrie eine neue Anstellung zu finden, sagte Arnold.

Mitarbeiter des Automobilzulieferers Neue Halberg-Guss streiken vor dem Standort Leipzig hinter einer brennenden Tonne
Immer wieder legten die Mitarbeiter der Gusswerke die Arbeit nieder, zuerst um gegen den Verkauf an Prevent zu protestierten, später gegen die drohende Schließung. Bildrechte: dpa

"Ende absehbar"

Der ehemalige Halberg Guss-Arbeiter Jürgen Graf besucht alte Kollegen, um ihnen beizustehen. 45 Jahre war er im Werk tätig. Ihm geht die Schließung sichtlich nahe.

Ich bin 2018 ausgeschieden, als Rentner, und da war eigentlich für mich schon klar, dass das immer weiter bergab geht. Fehlende Aufträge, fehlende Investoren - man hat sich zwar selbst Mut gemacht mit den Streiks damals, aber es war abzusehen.

Jürgen Graf ehemaliger Halberg-Guss Mitarbeiter

Zwei Jahre Arbeitskampf

Vor zwei Jahren hatten die Mitarbeiter noch energisch für die Zukunft ihrer Gießerei gekämpft. Damals firmierte sie unter dem Namen Halberg Guss mit Standorten in Saarbrücken und Leipzig und war durch Auftragsverluste in eine finanzielle Schieflage geraten.

Im Herbst 2019 wurde ein eigenes Insolvenzverfahren für die Gußwerke in Leipzig eröffnet. Man hoffte, dadurch einen Investoren zu finden, um die Produktion in Sachsen zu retten. Der Saarbrücker Betrieb war im Juni dieses Jahres endgültig geschlossen worden.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.09.2020 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

1 Kommentar

Elsburg vor 4 Wochen

Sehr schade, daß es so kommt, ein traditionsreicher Firmenname mit seinem nachhaltig fortentwickelten know-how auch im Kunstguß geht nun endgültig verloren. Wieviel von dem Können +Wissen noch in Zukunft +wie lange noch Kunst +Können vereint fürs Realisieren ist noch garnicht abzusehen.

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