Spurensicherung an einem Glas
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

05.08.2019 | 17:11 Uhr Hinter den Kulissen: Schnuppertag bei Polizeifachschule Leipzig

Mitten in den Ferien an einem Montag zieht es über 40 junge Menschen in den Leipziger Norden. Ihr Ziel: die Polizeifachschule des Freistaates. Ihr Wunsch: Informationen rund um den Beruf des Polizisten.

Spurensicherung an einem Glas
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Sie sind gekommen, um sich zu orientieren. Sie sind neugierig und hatten noch nie die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulisse der Polizeiausbildung zu werfen. Oder sie wollten schon immer Polizeibeamter oder -beamtin werden. Über 40 Jugendliche und junge Erwachsene haben am Montag die Chance genutzt, sich über die Ausbildung zum Polizisten zu informieren. Ihre Lehrmeister an der Polizeifachschule für diesen Tag sind selbst noch Schüler, genauer Polizeianwärter.

Von jung bis alt - Polizeianwärter in Leipzig

So wie Matthias Schuran. Der 35-jährige Leipziger gehört mit neun weiteren zu den älteren Polizeianwärtern in seiner Klasse. Er hat sein erstes Lehrjahr fast hinter sich gebracht. Die Entscheidung, dass er Polizist wird, hat bei ihm einige Jahre gedauert.

Polizist
Matthias Schuran im Gespräch mit interessierten Jugendlichen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Ich habe bereits ein Lehramtsstudium abgeschlossen, aber überhaupt nicht in diesem Bereich gearbeitet. Danach war ich drei Jahre bei einem Autobauer in Leipzig beschäftigt, was aber auch nicht die Erfüllung war. Jetzt bin ich hier und ich bin sehr froh.

Matthias Schuran Polizeianwärter

Dass er heute einigen jungen Menschen seinen Beruf näher bringen kann, findet er gut, auch für ihn als Polizeianwärter. So könnten die Schüler direkt aus erster Hand erfahren, wie die Ausbildung läuft und wie die Inhalte aussehen. "Vielleicht fasst heute schon jemanden den Entschluss, sich für diesen Beruf zu bewerben", hofft Schuran.
Allerdings sollten sich vor allem die Bewerber, die gerade von der Schule kommen, intensiver mit dem Berufswunsch Polizist auseinandersetzen, findet der 35-Jährige. "Manche gehen blauäugig in das Auswahlverfahren, vor allem was den Sport angeht."
Da empfiehlt es sich, die Tipps auf der Internetseite der Polizei Sachsen anzuschauen und für die Tests zu üben.

In die Praxis geschnuppert

Das Bild der Polizei muss bei manchem Bewerber gerade gerückt werden, erzählt Polizeikommissarin Anja Baumgart. "Täglich Mord und Totschlag, wie im Fernsehen vermittelt, gibt es zum Glück nicht," erzählt sie MDR SACHSEN.

Polizistin
Polizeikommissarin Anja Baumgart muss manchmal das Bild von der Polizei bei Bewerbern korrigieren. Dennoch ist sie erfreut darüber, dass ein Großteil der jungen Menschen oftmals gut informiert über die Polizeiarbeit ist. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Dennoch haben sich die Polizeianwärter mit ihren Ausbildern eine interessante Szenerie für die Schüler ausgedacht: ein Tötungsdelikt. In einer Wohnung wurde eine Leiche entdeckt.
Hier gehe es um die grundlegenden Aufgaben des Streifendienstes, erzählt die Hauptkommissarin, und das, was die Streifenbeamten vor Ort tun müssen. So gelte es, Ruhe zu bewahren, sich einen Überblick zu verschaffen, so wenig Spuren wie möglich zu vernichten, vergängliche Spuren zu sichern, die Kripo zu benachrichtigen, erste Ermittlungen durchzuführen und den Tatort zu sichern.

Traumberuf Polizist - Blick hinter die Kulissen der Polizeifachschule Leipzig

Polizeiausrüstung auf einem Tisch
Was ein Polizist so alles mit sich rumschleppen muss und was zu seiner Ausrüstung gehört, wurde den jungen Leuten anschaulich gezeigt. Die Ausrüstung durften die Schnupperkandidaten natürlich auch mal anlegen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Polizeiausrüstung auf einem Tisch
Was ein Polizist so alles mit sich rumschleppen muss und was zu seiner Ausrüstung gehört, wurde den jungen Leuten anschaulich gezeigt. Die Ausrüstung durften die Schnupperkandidaten natürlich auch mal anlegen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Spurensicherung an einem Glas
Schwarzes Pulver macht Fingerabdrücke sichtbar. Auch wie Fingerabdrücke abgenommen werden, durften die interessierten jungen Leute ausprobieren. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Spurensicherung an einem Glas
Nachdem das Pulver aufgetragen wurde, geht es mit einer Folie übers Glas. So werden die Fingerabdrücke sichtbar, ein möglicher Täter so vielleicht überführt. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Polizeifachschule
Auch eine Übung für die Schüler: Ein Toter wird in einer Wohnung aufgefunden. Jetzt heißt es Überblick verschaffen, erste Befragungen durchführen und Spuren sichern. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Spurensicherung: Eine Flasche auf einem Sofa
Mit kleinen Zahlenkärtchen werden alle Spuren dokumentiert. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
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Natürlich wurde Baumgart auch von den Schülern gelöchert: Wieviele Tote es hier in Leipzig schon gab, ob sie auch mal ihre Waffe benutzen musste. "Alles nur die spektakulären Dinge", erzählt Baumgart. Vor allem freut sie sich immer wieder, wenn sie beim Ausbildungsstart dann doch das ein oder andere Gesicht vom Schnuppertag wiedererkennt.

Gut gebildet ins Berufsleben

Probleme die Ausbildungsplätze zu besetzen habe man nicht, erklärt Markus Hirsch vom Auswahlteam der Polizei Sachsen. 5.000 bis 7.000 Bewerber hat die Polizei Sachsen jedes Jahr. Davon bekommen etwa 350 bis 500 einen Ausbildungsplatz und rund 150 einen Studienplatz.

Polizist
Wer sich als Polizeianwärter bewerben möchte, muss einige Kriterien erfüllen. "Er sollte Teamfähigkeit besitzen und eine hohe soziale Kompetenz", erklärt Markus Hirsch. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Allerdings müssen wir am Ball bleiben, da es natürlich mit anderen Polizeibehörden und Unternehmen eine harte Konkurrenz gibt.

Markus Hirsch Auswahlteam

Nicht ohne Grund werde ja auch mit dem Slogan geworben "Ein Beruf, tausend Möglichkeiten", erklärt Hirsch die Personalsuche der Polizei. Allerdings müssen Bewerber die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen. Heißt: Man muss zwischen 16 und 34 Jahren alt, EU-Bürger oder Staatsangehöriger Norwegens, Lichtensteins oder der Schweiz sein. Die Bewerber dürfen nicht kleiner als 1,60 Meter sein sowie keine Vorstrafen besitzen und bereit sein, innerhalb Sachsens eingesetzt zu werden. Auch die charakterlichen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten werden in Auswahltests geprüft. Dabei müssen die Bewerber sich bei einem berufsbezogenen Persönlichkeitstest, einem Deutschtest und einem Intelligenztest beweisen. Wer besteht, darf am Sporttest teilnehmen. Dieser besteht aus einem Kasten-Bumerang-Test, Liegestützen und einem Zwei-Kilometer-Lauf. Danach folgen ein Gruppen- und ein Einzelgespräch. Als letztes folgt eine ärztliche Untersuchung, um die Polizeidiensttauglichkeit festzustellen.
Dann geht es in die Ausbildung, in der Regel dauert sie zweieinhalb Jahre, danach ist man Polizeimeister oder Polizeimeisterin.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.08.2019 | 19:00 Uhr

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