Sicherer Schulweg Lösung für Schulbus-Haltestelle in Großpriesligk gesucht

Einige Eltern in Sachsen haben morgens ein mulmiges Gefühl – wenn sie ihre Kinder auf den Weg zur Schule schicken. So geht es auch Cornelia Teichmann aus Großpriesligk seit Kurzem, denn die alte Haltestelle in der 30er-Zone wird seit einigen Wochen nicht mehr angefahren. In den Bus zur Schule kommt man nur noch an der vielbefahrenen Bundesstraße 176. Die Eltern sind in Sorge, die zuständige Behörde arbeitet an einer Lösung.

Haltestelle Großpriesligk
Die Haltestelle an der B176 ist nicht sicher genug für Kinder und eigentlich auch verbesserungswürdig für den allgemeinen Nahverkehr - da sind sich Verwaltung und Mutter Cornelia Teichmann einig. Bildrechte: Cornelia Teichmann

Gerade erst hat die Schule angefangen, schon gibt es Ärger in Großpriesligk, einem Ortsteil von Groitzsch. Eine Bushaltestelle wurde Ende Juni dieses Jahres ersatzlos gestrichen. Das betrifft vor allem die Schüler, die mit dem Bus zur Schule und am Nachmittag wieder nach Hause fahren. Sie warten jetzt am Morgen direkt neben der Bundesstraße 176 an einer unbefestigten Haltestelle.

"Tempo 70 - aber viele halten sich nicht daran"

Mutter Cornelia Teichmann hat sich an MDR SACHSEN gewandt und bat um Hilfe: "Hier ist Tempo 70 erlaubt, doch viele Autofahrer halten sich nicht daran und brettern mit hoher Geschwindigkeit durch. Auch größere Lkw fahren nur einen Meter an den an der Straße stehenden Kindern vorbei. Ein großes Sicherheitsrisiko für die Kinder."

Behörde: "Für Schülerbeförderung ungeeignet"

Es gibt keine befestigte Haltestelle und auch ein Fußweg zum Haltepunkt des Busses ist nicht vorhanden. Die Kinder stehen ungeschützt am Straßenrand. Auf der gegenüberliegenden Seite ist zumindest ein Bushäuschen – doch das wird auf dem Nachhauseweg nicht gebraucht. Eine Ampel zum Überqueren der Bundesstraße fehlt. Die Stadt Groitzsch räumt auf Anfrage von MDR SACHSEN ein: "Die Haltestelle an der B176 befindet sich in einem Zustand, der nicht für die Schülerbeförderung geeignet ist und auch für den gesamten ÖPNV verbesserungswürdig erscheint."

Bus zu schwer für die Brücke

Haltestelle Großpriesligk
Die ehemalige Hatestelle liegt in einer ruhigen Nebenstraße mit Tempo-30-Zone. Bildrechte: Cornelia Teichmann

Doch warum wird die ehemalige sichere Haltestelle in Großpriesligk nicht mehr angefahren? Die Stadt erklärt ihre Entscheidung so: "Um die Bushaltestelle zu erreichen, müssen die Busse den Ortsteil Großpriesligk durchfahren. Dabei ist eine Überquerung der Brücke 'An der Schlumpe/Cöllnitzer Straße' unumgänglich. Leider kann diese Brücke nach neuesten Erkenntnissen aus Brückengutachten nur noch mit einer Last von drei Tonnen belastet werden." Die Stadt habe sofort handeln müssen und beschlossen, die Brücke auf die bestimmte Tonnage zu beschränken. Somit darf der Bus sie nicht mehr passieren.

"Lösung nicht abzusehen"

Mehrere Wochen sind seitdem vergangen und noch ist keine Lösung in Sicht, räumt die zuständige Abteilung ein. Die meisten Leser, die auf Facebook von dem Fall gelesen haben, sind sich einig: Auf diese Weise darf man Kinder nicht ungeschützt lassen. Und auch die Stadt versichert, man sei an dem Thema dran: "Die Stadtverwaltung Groitzsch und alle beteiligten Stellen arbeiten mit Hochdruck an einer passenden Lösungsfindung. Wir sind mit dem Straßenverkehrsamt zur Klärung in Verbindung. Wann genau eine Lösung gefunden und umgesetzt werden kann, ist momentan noch nicht abzusehen."

Probleme bestehen unter anderem darin, dass Veränderungen mit dem Fahrplan der Busse in Einklang gebracht werden müssen. Platz für eine Verlängerung der Fahrstrecke existiert dort nicht. Andere Ideen erfordern Zeit zur Prüfung und ggf. Umsetzung und müssen natürlich auch unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden.

Silke Große Amtsleiterin der Haupt- und Ordnungsverwaltung der Stadt Groitzsch

Reduzierung der Geschwindigkeit wird beantragt

Als Sofort-Maßnahme hat die zuständige Abteilung in der Stadtverwaltung eine Geschwindigkeitsanzeige vor der Haltestelle an der B176 aufstellen lassen. Mutter Cornelia Teichmann freut sich über den ersten Erfolg: "Vielen Dank dafür. Auch wenn es das Problem nur minimal verbessert." Aus der Stadt heißt es weiter, die Anzeige sei der erste Schritt. Die zuständige Abteilung beantrage gerade eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 50 oder 30 km/h in dem Bereich.

Haltestelle Großpriesligk
Die B176 ist eine vielbefahrene Straße, die gerne auch von Lkw-Fahrern genutzt wird. Bildrechte: Cornelia Teichmann

Trotz aller Eingeständnisse will die Stadt eines aber nicht einfach hinnehmen: den Vorwurf, der Schulweg sei für die Kinder aus Großpriesligk nicht sicher. In ihrer Stellungnahme heißt es dazu, die Beförderung der Schüler werde vom Landkreis geregelt: "Hier wird eine Mindestentfernung zwischen Wohnort und Schule bzw. Bushaltestelle von zwei Kilometer bei Grundschülern als Maß angegeben. Diese Entfernung haben die Kinder aus Großpriesligk nicht zu absolvieren." Die Schüler könnten zu Fuß gehen. Der Schulweg sei mit Beleuchtung, breiteren Gehwege sowie Ampeln ausgestattet und somit sicher.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.09.2020 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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