Stadtgedächtnis Stadtarchiv Leipzig auf dem Weg ins digitale Zeitalter

Seit gut einem Jahr hat das Stadtarchiv Leipzig eine neue Adresse. Zu finden ist das historische Gedächtnis der Stadt nun im Sowjetpavillon auf der Alten Messe. Mehrere Monate dauerte damals der Umzug von 20 Regalkilometern, 186.000 Archivkartons und 468 Planschränken mit 7.020 Schüben. Und die Modernisierung des Archivs sei noch lange nicht abgeschlossen, erklärte der Leiter des Archivs, Michael Ruprecht.

Stadtarchiv Leipzig zieht in Sowjetischen Pavillon
Seit einem Jahr ist der unter Denkmalschutz stehende Sowjetische Pavillon die neue Heimat des Stadtarchivs Leipzig. Für 16 Millionen Euro wurde der Pavillon von 2016 bis 2019 zu einem der modernsten kommunalen Archiven Deutschlands umgebaut. Bildrechte: dpa

Das Stadtarchiv Leipzig will sein digitales Angebot erweitern. Wie Archivdirektor Michael Ruprecht erklärte, sollen im kommenden Jahr gut 100.000 digitalisierte historische Unterlagen aus allen Jahrhunderten online gestellt werden.

Vom Leichenbuch bis zum Stadtplan

Künftig in digitaler Form zu finden sind dann etwa die Programmhefte des Gewandhauses Leipzig aus den Jahren 1779 bis 1945, Notenschriften und Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Max Reger oder sämtliche Leichenbücher aus der Zeit von 1595 bis 1875, die die Bestattungen in Leipzig erfasst haben.

In dem Online-Archiv werden dann auch die ältesten Karten und Pläne Leipzigs vom 16. bis 18. Jahrhundert zu finden sein und viele hundert Urkunden, darunter der Stadtrechtsbrief oder das Messeprivileg. Laut Stadtarchiv sollen in den nächsten Jahren rund eine Million weitere Datensätze digitalisiert und dann zur Verfügung gestellt werden.

neues stadtarchiv auf der alten Messe / Umzugsarbeiten
Demnächst in Pixel & Co im digitalen Stadtarchiv Leipzigs zu finden: Karten und Urkunden aus mehreren Jahrhunderten. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Überwiegend kostenlose Nutzung

Die Nutzung der Dienste des Stadtarchivs ist künftig überwiegend kostenlos möglich. Die geänderte Gebührensatzung schafft ab 1. Januar 2021 Entgelte für Einsichtnahme, Lesesaalnutzung und Veröffentlichung von Archivgut ab. Nur für externe Forscher oder Immobilienfirmen, die Dokumente anfordern und personelle Dienste nutzen, werden Gebühren fällig.

Das Stadtarchiv will auch verstärkt auf historische Bildungsarbeit setzen. So soll die Archivpädagogik und die Zusammenarbeit mit Schulen, Universitäten und städtischen Bildungseinrichtungen ausgebaut werden. Man wolle theoretisches Wissen begreifbar machen und das Archiv als außerschulischen Lernort präsentieren, so Ruprecht.

Sowjetischer Pavillon 1923 bis 1924 wurde die Messehalle von Oskar Pusch und Carl Krämer entworfen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt. Nach dem Krieg wurde es als Ausstellungshalle der Sowjetunion wiedereröffnet. Seitdem ist die Halle als Sowjetischer Pavillon bekannt. Der Portikus mit seiner markanten goldenen Spitze mit rotem Sowjetstern steht unter Denkmalschutz.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.11.2020 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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